Leserbeiträge

Erinnerung an die Sportfreunde Gmünd (1946 - 1976)

VON LESER HANSJÜRGEN JABLONSKI
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    Vereinswappen der Sportfreunde seit 1955. (Wappenzeichnung: Marcus A. M. Keune)
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    Das Schießtalstadion, wo einst die Sportfreunde gegen den VfR Aalen antraten, heute fest in Normannen-Hand.

Am 7. Dezember jährt es sich zum 70. mal, dass die Sportfreunde Gmünd ins Vereinsregister eingetragen wurden. Grund genug, an den Verein zu erinnern, dem es nicht mal vergönnt war, das "Schwabenalter" zu erreichen und in der lokalen Sporterinnerung hinter den Größen Normannia und SV Rehnenhof relativ stiefmütterlich behandelt wird. 1976 erfolgte die Fusion mit der Turngemeinde Gmünd zur TSG Schwäbisch Gmünd, des heutigen TSB Schwäbisch Gmünd. Als im Juli 2015 das Fußballmagazin "Zeitspiel" auf dem Markt erschien, würdigte der Fußballjournalist Hardy Grüne die Sportfreunde in der Premierennummer als eine liebenswerte "Eintagsfliege", ohne die der Fußball ärmer gewesen wäre.

Dabei ist der Verein strenggenommen 11 Jahre älter und hat seine Wurzeln im Behördensport. Es war 1935, als die nationalsozialistische Sportführung beschloss, Betriebs- und Behördenvereine am regulären Spielbetrieb des DFB teilnehmen zu lassen. In Gmünd kam es so zu Gründung des Reichsbahn- und Postsportvereins, kurz Reipo Gmünd genannt. Große Spuren in der Fußballhistorie hinterließ der Verein jedoch nicht, und in den letzten Kriegsjahren kam die Vereinstätigkeit zum erliegen, da die Mitgleider entweder an der Front standen oder sich bereits anderen Vereinen angeschlossen hatten, um ihren Sport weiter ausüben zu können.

Dennoch war die Saat gelegt, und nach Kriegsende belebten die verbliebenen Aktiven den Verein neu. Doch die US-Militärbehörden wollten der Reipo keine Lizenz genehmigen, Behördensport war den Besatzungsmächten suspekt. Es erforderte Anstrengungen, um den alliierten Amtsschimmel umzustimmen, und am 3. Mai 1946 eine erste Generalversammlung einzuberufen, allerdings noch unter den provisorischen Vereinsnamen Rot-Weiß gmünd. Bei dieser Gelegenheit wurde der Verein in Sportfreunde Gmünd umbenannt, der schließlich am 7. Dezember 1946 als Sportfreunde Gmünd ins Vereinsregister eingetragen wurde. Ab der Saison 1947/48 durften die Mannschaft, die wie Normannia in Schwarz-Rot spielte und ebenfalls wie die Schwerzerelf als Wappen nur einen Buchstaben (in diesem Falle das "S") führten, wieder am Spielbetrieb im Gmünder Bezirk teilnehmen.

Erster Vorsitzender war Willi Eberhard, der im September 1947 von Heinz Greil abgelöst wurde, der diesen Posten bis zum Ende des Vereins innehatte.

Sofort nach der (Wieder-)Gründung wuchs die Mitgliederzahl des Vereins auf 263 an, die ihr Können in den Abteilungen Fußball, Boxen, Leichtathletik, Laienspiel oder Frauenturnen unter Beweis stellten. Während sich die Boxabteilung 1953 abspaltete und den eigenständigen Boxring Gmünd gründete, waren die Sportfreunde in den 1960er Jahren einer der ersten Vereine in Baden-Württemberg, die Badminton im Programm hatten.

Für die Fußballer hingegen waren die frühen Jahre eine Zeit der Heimatlosigkeit. Als Gäste traten sie ihre Heimspiele auf dem Platz der DJK an, ehe diese bei Wiedergründung ihre Ansprüche geltend machte. Erst 1959 fand der rührige Club seine Heimat im Schießtalstadion, dass am 28. März 1959 mit einem Spiel gegen den Berliner Amateurmeister Polizei-Sport-Verein Berlin eröffnet wurde. Über 1.000 Zuschauer verfolgten dort 1960 einen schon legendären Ligakampf gegen den VfR Aalen (2:3).

Durch den Umstand, dass man zum Besuch der Sportfreunde am Barackenlager vorbeimußte, erhielten die Sportfreunde mitunter den nicht gerade schmeichelhaften Namen „Barackenstinker“, wie der 2015 verstorbene Willy Kaeske berichten konnte. Die Sportfreunde focht sowas nicht an, sondern schmiedete ihre Kameradschaft erst recht fest zusammen.

Nach der Aufnahme des Spielbetriebs ging es schnell bergauf, und als 1950 die II. Amateurliga eingeführt wurde, waren aus dem Landkreis Gmünd die Sportfreunde zusammen mit ihren Namensvettern aus Lorch Gründungsmitglieder der Staffel 3. Zunächst waren die Erfolge recht verwachsen, ab 1955 setzte man sich dann in der oberen Tabellenhälfte fest, wobei drei vierte Plätze und einmal Platz 3 die größten Erfolge der Sportfreunde darstellen. Die Zeit von 1955 bis 1961 zählte auch in anderer Hinsicht als eine "Goldene Zeit". 1955 stieg der große FC Normannia aus der 1. Amateurliga ab, und fortan kam es in der II. Amateurliga zum Stadtderby zwischen Schwarz-Rot/Schwerzer und Schwarz-Rot/Schießtal. Unglaublich, wenn man heute liest, das der kleine Schießtalplatz vor gar nicht allzu langer Zeit vierstellige Zuschauerzahlen hatte. Krönung der Sportfreunde-Geschichte war wohl die Saison 1958/59, als die Sportfreunde zum ersten und einzigen mal in der Tabelle vor Normannia rangierten. 33-23 und 66:60 Tore reichten für Platz 3, während Normannia mit 30-25 Punkte nur Fünfter wurde. Dabei gelang den Sportfreunden sogar ein historischer 4:2-Sieg im Schwerzer.

Die Bilanz der Sportfreunde in 7 gemeinsamen Jahren mit der Normannia lautete dabei 4 Siege, 1 Unentschieden und 9 Niederlagen bei 20:33 Toren.

Aber auch goldene Zeiten dauern nicht ewig. 1962 stiegen die Normannen auf, die Sportfreunde ab, und sie waren in überregionalen Spielklassen nicht mehr gesehen. Gleich im Folgejahr wurden die Sportfreunde gar von der A- in die B-Klasse durchgereicht. Es folgte noch einmal ein Aufstieg in die A-Klasse, danach sah man die Sportfreunde nur noch in der B-Klasse, und selbst da kämpfte man gegen den Abstieg. Das zwanzigjährige Jubiläum feierte man noch mit dem Gewinn des Titels in der B-Klasse. Als der 1955 gegründete SV Rehnenhof sich anschickte, seinen Höhenflug mit dem Aufstieg in die 2. Amateurliga zu starten, verloren die Sportfreunde gar noch ihre Rolle als die „Nummer 2“ im Fußball der Stauferstadt.

1976 schließlich kam das Ende des Vereins. Die Turngemeinde Gmünd, die zuvor schon mit Normannia und dem SV Hussenhofen Fusionsgespräche anbahnte, sah bei den Sportfreunden den idealen Partner für eine Vereinsehe. Am 7. April 1976 unterzeichneten beide Vorsitzende in der TG-Gaststätte in der Buchstraße den Fusionsvertrag, und der 2.200 Mitglieder zählende Großverein Turn- und Sportgemeinde Schwäbisch Gmünd 1844 trat ins Leben. Die fortan in Blau-Weiß auflaufenden Fußballer mußten noch bis 1978/79 warten, ehe sie unter Trainer Winfried Abele den Aufstieg in die Bezirksliga erreichten, was aber in der kurzen Geschichte der TSG-Fußballer auch der einzige nennenswerte Erfolg darstellt.

Nachdem 1981 der SV Rehnenhof mit der TSG zum heutigen TSB fusionierte, ging im Bewusstsein der Fußballfreunde die Fußballtradition im TSB von den Sportfreunden auf den SV Rehnenhof über. Viel blieb nicht übrig von den einstigen „Habenichtsen“ und „Barackenstinkern“. Im Schießtalstadion treten heute die Jugend und die Fußballfrauen des 1. FC Normannia Gmünd gegen das Leder, und selbst das frühere Stammlokal, der „Hopfensitz“ in der Klarenbergstraße, ist längst passé. In einer schnelllebigen Zeit wie der unseren bleiben von solchen „Eintagsfliegen“ nicht mehr als vergilbte Fotoaufnahmen.

 

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© Hansjürgen Jablonski 04.12.2016 12:02
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