Diagnose via Smartphone

Auto Per Handy-App kann man im Auto viel über dessen Zustand erfahren. Den Fachmann ersetzt das jedoch nicht.
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    Foto: Franziska Gabbert/mag
Moderne Autos sind voll mit Elektronik. Eine Wartung beginnt heute nicht mit dem Schraubenschlüssel, sondern dem Computer. Die Software im Steuergerät überwacht Motor, Getriebe und Assistenzsysteme. Mit dem Smartphone können Autofahrer viele Daten und Fehlermeldungen selbst auslesen. App aufspielen, Adapter aufstecken, Bluetooth aktivieren, und sichtbar wird die Fahrzeugelektronik – eine Werkstatt für die Hosentasche.

Apps und sogenannte OBD-II-Adapter gibt es im Elektronikhandel und im Internet ab 30 Euro. On-Board-Diagnose 2 (OBD II) ist ein Diagnosesystem, das für Benziner seit 2001 und für Dieselautos seit 2004 Pflicht ist. Am Stecker, der meist auf der Fahrerseite an der A-Säule montiert ist, lassen sich die Adapter einstöpseln. Damit erhält die Software Zugriff auf einen Großteil der Daten wie Öl- und Wassertemperatur, aber auch Wartungshinweise und Fehlercodes.

Wie verlässlich die Infos sind, hängt am Ende von der App und den Daten ab. „Angezeigte, weil hinterlegte Fehlercodes sind sicherlich valide, da sie genormt sind“, sagt Gunnar Beer, Technik-Experte beim Auto Club Europa (ACE). Auch die Anzeigen von Kühlmitteltemperatur und Drehzahlen sind verlässlich. „Sie sind genauer als im Kombiinstrument, da die Daten direkt vom Steuergerät abgelesen werden.“ Doch nicht alles ist auslesbar.

„Abgasrelevante Steuergeräte sind fast immer erreichbar, denn hierfür gelten herstellerübergreifend einheitliche Codes für die dort abgelegten Fehlermeldungen“, sagt Arnulf Thiemel vom ADAC. Bei Komfort- und Infotainment-Steuergeräten sehe es oft nicht so gut aus. Jeder Hersteller verwende seine eigene Protokollsprache. Die sei öffentlich meist nicht dokumentiert und so nur schwer verständlich.

Empfehlenswert sind Diagnose-Programme fürs Handy so eher für versierte Hobbyschrauber und Technikinteressierte, die mit den angezeigten Fehlern etwas anfangen und deren Gefährdungspotenzial richtig einschätzen können. „Eine App ersetzt keinen versierten Fachmann“, sagt Beer. Bei kritischen Fehlercodes muss nach wie vor eine Werkstatt aufgesucht werden. Denn in der Darstellung wird lediglich der Fehler beschrieben, nicht aber, wie er behoben werden muss. Stehe dort „Lambdasonde unplausibles Signal“, könne die Sonde defekt sein, der Kabelstrang Marderverbiss haben und das betreffende Steuergerät einen „Schuss“ haben, so Thiemel.

Generell sei es nicht ratsam, ständig die Schnittstelle anzuzapfen, die eigentlich nur für Werkstatt-Diagnosen und im Rahmen einer Hauptuntersuchung benutzt wird. Sämtliche Adapter-Hersteller wiesen darauf hin, dass sie für die Haftung bei Schäden beim Dauerbetrieb nicht zuständig sind. dpa

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© Gmünder Tagespost 17.02.2017 17:46
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