Lesermeinung

Zum Artikel „Wolf reißt Schafe in der Nähe von Heilbronn“:

„Das Warten hat nun endlich ein Ende. Er ist wieder da. Der Wolf, meine ich. Juhu, werden jetzt die in letzter Zeit zuhauf aus der Erde gesprossenen ‘Wolfsexperten’ und ‘Wolffans’ rufen. Dass drei Lämmer eines Hobbyschäfers haben dran glauben müssen, scheint angesichts des freudigen Ereignisses ‘Wolf in Sicht’ irgendwie bedeutungslos zu sein. Es sei einfach ‘nur toll, dass einer der großen Beutegreifer hier wieder seinen angestammten Platz beansprucht.’ Geht’s eigentlich noch?

Für die Nutztierhalter wird vom Experten gleich die ultimative Lösung für die Schadensbegrenzung mit aus dem Hut gezaubert: Herdenschutzhunde. Möglichst mehrere. Sicher ein guter Lösungsansatz in den anatolischen Bergen, wo das Land groß und weit, die Schafe zahlreich und Menschen so selten wie ein weißer Rabe sind. Für den Ostalb-Hobbyschäfer, dessen zehn Tiere in einem am Waldrand gelegenen ‘Gütle’ gebunkert sind, welches stark durch Jogger, Radfahrer und Spaziergänger frequentiert wird, wohl keine praktikable Lösung. Und man könnte meinen, dass das Thema ‘Wolf’ auch nur Nutztierhalter betrifft. Berichte von Wolfsangriffen auf Menschen vom amerikanischen Kontinent, Russland, Europa oder Skandinavien werden als Panikmache abgetan. Die ‘Experten’ sagen: Wölfe greifen nur an, wenn sie tollwütig oder hungrig sind, bzw. wenn der Mensch so unvernünftig ist, seinen Hund auszuführen. Was mag da nur die Joggerin in Alaska falsch gemacht haben, die von Wölfen getötet wurde? Die in der Folge dieses Angriffs getöteten Tiere des in der Nähe des Dorfes herumstreifenden Rudels hatten den Recherchen zufolge keine Tollwut, waren gut genährt und einen Hund hatte die Frau auch nicht dabei. Möglicherweise trug sie Turnschuhe in der falschen Farbe [...], denn irgendwas muss sie falsch gemacht haben, denn Wölfe sind ja völlig harmlos und meiden zudem den Menschen. Sagen zumindest die Experten. Was für ein Humbug! Wölfe sind neugierig und haben weder Angst noch Scheu vorm Menschen. Wenn das anders wäre, hätten wir heute keine Hunde.

Die aktuell überall zu beobachtende Mystifizierung des Wolfs führt zu einer gefährlichen Unterschätzung und einem falschen Bild dieser Tiere. Wölfe sind keine Kuscheltierchen, sondern Raubtiere und als solche unberechenbar. Wenn Wölfe in der Nähe eines Dorfes oder Waldkindergartens herumschleichen, so ist das wahrlich kein Grund zur Freude, sondern es ist höchste Vorsicht geboten. Wildtiere scheuen den Mensch nur dann, wenn dieser ihnen einen Grund dazu gibt. Wölfe haben in dieser Hinsicht – im Gegensatz zu Reh, Hase und Fuchs – bedauerlicherweise nichts zu befürchten.“

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© Gmünder Tagespost 01.11.2017 20:49
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