Südseetraum mit Abenteuerpotenzial

Inselurlaub Samoa war einstmals eine deutsche Kolonie. Bis heute gilt der Staat für viele Menschen als der Inbegriff des Südseeparadieses – mit Traumstränden und glücklichen Insulanern.

Der Strand des Paradieses ist aus ganz feinem Pudersand. Kokospalmen säumen die Ufer und schwarze Lavafelsen teilen den Südpazifik in türkisblaue Buchten. Genauso wie damals, 1953, als Gary Cooper an diesem Strand den Weltenbummler Morgan spielte. Im Abenteuerfilm „Return to Paradise“ tritt er gegen einen Pastor an, der die Einheimischen unterdrückt, und verliebt sich in die Südsee-Schönheit Roberta Haynes. Heute wie damals brechen sich hohe Wellen am Korallenriff weiter draußen – dort, wo Insulanerin Haynes in ihrem Auslegerkanu fast ertrank – Fregattvögel am aquamarinblauen Himmel segeln und im Wasser sich tropische Fische tummeln. Und abends ertönen Trommeln. Samtige Stimmen und die klagende Ukulele, wie in der Filszene, in der Cooper und Haynes sich küssten.

Zum Schutz der Kultur

Das gleichnamige Return to Paradise Resort gründete Ramona Su’a Pale Gilchrist, die Tochter des damaligen Soundmasters, erst vor wenigen Jahren. Seine Geschichte ist ein recht typisches Beispiel für Abläufe in Samoa. Über 40 Jahre lang hatten internationale Investoren und Hotelketten versucht, das Land an einem der schönsten Strände Samoas zu pachten, doch die Dorfhäuptlinge hatten sich dagegen entschieden, um ihre Lebensweise und Kultur zu schützen. „Erst als wir Samoaner uns zur Hotelgründung entschlossen, waren sie einverstanden“, erzählt Ramonas Tochter Saini lächelnd. So gehört das Hotel Familien aus dem nahen Dorf Matautu-Lefaga, wurde von ihnen erbaut und wird von ihnen betrieben.

Die frühere deutsche Kolonie Samoa in Polynesien besteht aus den großen Vulkaninseln Upolu und Savai’i sowie acht teils unbewohnten Korallen-Eilanden. Rund 190 000 Einwohner leben in blütengeschmückten Dörfern (Hibiskus ist berühmt) mit frei laufenden Schweinen und wohnen in einfachen „Fale“. Das sind windgekühlte Häuser ohne Wände.

Relikte der Deutschen

Ein paar Hinterlassenschaften der Deutschen sind auch nach über 100 Jahren noch auszumachen. Sie legten zum Beispiel die akkurat gepflanzten Kokosplantagen an, das örtliche Vailima-Bier wird nach deutschem Reinheitsgebot gebraut und im Telefonbuch der Hauptstadt Apia findet man noch immer eine ganze Reihe Krauses, Meyers und Schusters – allesamt Nachfahren deutscher Kolonialherren.

Samoa ist bis heute für viele der Inbegriff des Südseeparadieses. Robert Louis Stevenson, Autor des Abenteuerromans „Die Schatzinsel“, besuchte die Inseln auf einer Südseekreuzfahrt – und ließ sich für seine letzten Lebensjahre auf Upolu nieder. Dort, wo er „das Leben am angenehmsten und die Menschen am interessantesten fand“, wie er in seinen persönlichen Aufzeichnungen schreibt. Seine schmucke Holzvilla ist heute ein Museum.

Aber auch auf viele andere Besucher haben die zehn Pazifikinseln eine sehr große Anziehungskraft: üppige Regenwälder, Traumstrände und glückliche Menschen. Sie halten nicht allzu viel von westlichen Errungenschaften, sehen ihre Kultur als ebenbürtig und zeigen sie gerne und bei jeder Gelegenheit.

Traditioneller Tanz

Wir Samoaner sorgen uns nicht um das Geld.

Leota’lu, Clanoberhaupt
des Dorfes Manase auf Savai’i

Am tropisch-heißen Abend bläst ein muskulöser Mann das Muschelhorn und ruft damit zur „Fiafia“, zu traditionellem Tanz und Musik. Die Insulanerinnen tragen weiße Blüten im schwarzen Haar und singen romantische Weisen zu Trommeln und Ukulele, harmonisch und anrührend wie die hawaiianische Version von „Over the Rainbow“. Nicht von ungefähr, denn Samoa und Hawaii verbindet über 4000 Kilometer Ozean hinweg die polynesische Kultur.

Anmutig wiegen sich die Tänzerinnen zur Musik – ganz wie die Palmenblätter im Abendwind. Die Arme formen sanfte Wellen, ähnlich jenen, die 20 Meter weiter an den Strand schwappen. Mit ihrer Hingabe und ihren Stimmen könnten sie Steine erweichen und wie Sirenen Schiffe anlocken. Die Männer wirken kriegerischer, sie stampfen mit den nackten Füßen auf, stoßen rhythmische Rufe aus und hauen sich wie bei einem Schuhplattler auf die Schenkel. Dann heißt die Tochter des Familienoberhaupts mit der Kava-Zeremonie die Gäste willkommen. Das Besondere daran: Dies ist kein Spektakel für Touristen, sondern gelebte Kultur.

Die 3000 Jahre alte Lebensart der Samoaner, genannt „Fa’a Samoa“, wirkt auch auf die Besucher. Solche Zeremonien lassen sie am Lebens- und Glücksgefühl der Samoaner teilhaben. Denn das Leben hier ist nicht schwer, sondern leicht. „Warum wir glücklich sind?“, fragt Leota’lu. Er erklärt: „Wir schlafen viel, trinken jeden Tag Koko Samoa, Tee aus gemahlenen Kakaobohnen, und sorgen uns nicht ums Geld.“ Unter dem polynesischen Männerrock des 70-Jährigen schauen die grafischen Muster der traditionellen Tätowierungen hervor, von den Knien bis über die Hüfte. Sie werden in einer tagelangen Tortur angefertigt und sind eine Art Initiation.

Große Verantwortung

Leota’lu hat viel Verantwortung übernommen, er ist der „Matai“ des Dorfes Manase auf Savai’i. Das Clanoberhaupt regelt alle Belange der Großfamilie – von der Aufteilung der Ländereien über die Verwendung der Löhne bis zum Kauf eines Fischerbootes. Sein und das Lebensziel der meisten Menschen hier ist nicht persönlicher Erfolg, sondern der Dienst an der Gemeinschaft. So gelingt es ihnen, weitgehend autark zu leben.

Das Meer ist voller Fische und ganzjährig hohe Temperaturen und Niederschläge lassen auf den fruchtbaren Vulkanböden Pflanzen sprießen wie in einer grünen Hölle.

In der grünen Wildnis des Inselinneren finden Einheimische und Touristen zudem Erholung und Erfrischung. Fast jeder Pfad durch den Dschungel führt zu einem Wasserfall. Das To Sua Ocean Hole birgt ein unterirdisches Schwimmer-
lebnis der besonderen Art. Dieser magisch anmutende Swimmingpool liegt in einem 30 Meter tiefen Loch im Fels und ist über eine schmale Stiege in den Untergrund erreichbar. Noch mehr Aufregung bieten aber die Papase’ea Sliding Rocks, natürliche Wasserrutschen, die von Wasserfällen gebildet werden.

© Gmünder Tagespost 15.12.2017 12:42
331 Leser
Ist dieser Artikel lesenswert?
Kommentar schreiben
Zu diesem Artikel wurden noch keine Kommentare geschrieben.