Die richtige Pflege fürs Cabrio

Reinigung Durch UV-Strahlung ist das Stoffdach eines Wagens nicht gefährdet. Durch falsche Pflege kann der Besitzer allerdings einiges kaputt machen.
  • Foto: Fabian Hoberg/dpa-mag

Lack kann bei mangelnder Pflege mit der Zeit verwittern. Und was ist mit dem Stoff von Cabriodächern? Der kann dann undicht werden oder reißen. „Etwa 80 Prozent der Cabriodächer zersetzen sich nicht durch UV-Licht, sondern werden durch falsche oder mangelnde Pflege zerstört“, sagt Lack- und Autopflegeexperte Christian Petzoldt. Doch so weit muss es bei etwas Zuwendung nicht kommen. „Wenn die Werksimprägnierung nachlässt, muss das Verdeck wieder geschützt werden“, sagt Markus Herrmann vom Bundesverband der Fahrzeugaufbereitung (BFA). Denn das imprägnierte Garn und der Stoff im Ganzen verlieren durch Umwelteinflüsse sowie bei jeder Wäsche den werkseitigen Schutz.

Pflege mit Hand

Wenn die Feuchtigkeit schon den inneren Dachhimmel erreicht hat, ist es meist zu spät. „Autofahrer, die einmal im Jahr das Stoffverdeck ihres Cabrios imprägnieren lassen, werden keine Probleme mit Undichtigkeit bekommen“, sagt er. Von automatischer Cabriopflege in Waschstraßen hält er allerdings wenig und rät zur intensiven Pflege per Hand. Wichtig: zuerst gründlich reinigen und anschließend trocknen. Dann lässt sich mit speziellen Schäumen oder Sprays eine Imprägnierung auftragen. Der Arbeitsschritt dauere zwischen 20 und 30 Minuten, dann folgt eine weitere halbstündige Trockenzeit. „Für guten Schutz sollten Besitzer je nach Zustand des Daches und nach Herstellervorgaben den Vorgang dreimal wiederholen“, sagt Herrmann.

„Wichtig ist, dass dabei die Imprägnierung gleichmäßig in das Dach einmassiert wird.“ Ideal sei eine Arbeitstemperatur zwischen 18 und 21 Grad, nicht in der prallen Sonne. Auf keinen Fall sollten Besitzer die Stoffdächer mit scharfen Reinigungsmitteln behandeln.

Ein Sattler kann auch helfen

Wenn die Werksimprägnierung nachlässt, muss das Verdeck wieder geschützt werden.

Markus Herrmann BFA

Selbst blinde und stark verkratzte Kunststoffscheiben lassen sich retten. Mit einer speziellen Reinigungspolitur verschwinden viele Kratzer und Hologramme. Anschließend werden die Scheiben ähnlich wie ein Autolack poliert und versiegelt oder imprägniert.

Rissige oder poröse Scheiben können Sattler tauschen. Sie trennen dafür an den jeweiligen Stellen die Nähte auf und nähen neue Scheiben ein. Die Arbeit dauert ein paar Stunden und kostet je nach Modell und Scheiben bis zu 600 Euro. Werden die Seiten- oder die Heckscheibe nach Jahren porös oder brüchig, übernimmt das eventuell die Kaskoversicherung, zumindest die, die Glasschäden mit abdeckt. Denn die Scheiben zählen zum Autoglas.

Alle 15 Jahre ein neues Dach

Auch kleine Schnitte und Brandlöcher lassen sich flicken. „Mit dem richtigen Stoff und Können sieht man hinterher keinen Unterschied“, sagt Herrmann. Manchmal ist auch ein neues Dach fällig. „Bei vielen Cabrios ist die Arbeit nach rund 15 Jahren fällig“, sagt Jörg Sauerborn, Sattler aus Neuwied. Bis zu zwei Tage arbeitet er am neuen Dach. Je nach Fahrzeug und Materialien kostet das zwischen 1200 und 2000 Euro. Manche Verdecke sind zwei- oder dreigeteilt, so dass sich auch nur das jeweilige schadhafte Stoffteil des Cabrios tauschen lässt. dpa

© Gmünder Tagespost 07.09.2018 17:08
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