Sein Schweinehund ist der beste Freund

Kampfsport Der Bopfinger Christian Jungwirth gilt als großes Talent in Süddeutschland im MMA. Ein Kampfsport, der sein gesamtes Leben bestimmt und in dem er schon viele Erfolge feiern konnte.
  • Die Familie von Christian Jungwirth unterstützt seine Sportart zu
    hundert Prozent. Foto: Privat
  • Fotos: Seven Sport Köln

Wer Christian Jungwirth beim Erzählen in die Augen schaut, sieht, mit welcher Leidenschaft er über seinen Sport spricht. Die Augen glänzen, er hat das Oktagon in den Augen, wie Dagobert Duck seine Dollarzeichen. Christian Jungwirth betreibt Mixed Martial Arts (MMA), was zu Deutsch so viel heißt, wie gemischte Kampfkünste. In diesem Vollkontaktsport werden verschiedene Kampfsportarten vereint. Es finden sich Elemente der Sportarten Boxen, Kickboxen, Taekwondo und Karate ebenso gehört der Bodenkampf mit Ringen, Brazilian Jiu-Jitsu, Judo oder Sambo dazu. Die Kampffläche ist nicht, wie bei einem Boxring, durch Seile umrahmt. „Das wäre zu gefährlich, der Sportler könnte durchrutschen,“ erklärt Jungwirth. Stattdessen wird um die Kampffläche ein Maschendrahtzaun gezogen. Der Kampf endet entweder mit k.o., technischen k.o., durch Aufgabe oder Punktewertung. Die Gesundheit der Kämpfer steht dabei klar im Vordergrund. So wird nicht, wie beispielsweise beim Boxen, der Kontrahent angezählt, sondern es wird sofort der Fight beendet.

Seit zwei Jahren ist er dabei

Mit 27 Jahren hat der heute 31-Jährige die Sportart für sich entdeckt. Um sich fit zu halten ging er nach Nördlingen bei „Dimas Gym“ zum Boxen. Machte dort immer wieder Sparring-Kämpfe, was ihm heute zugute kommt. Beim Besuch einer MMA-Veranstaltung von „Age Of Cage“, einem süddeutschen Veranstalter von MMA, kam der Bopfinger auf den Geschmack. Einige Zeit später nahm er den Telefonhörer in die Hand und rief beim Veranstalter an. „Ich habe ihm gesagt ich möchte das machen,“ sagt Christian Jungwirth. Danach bat er seinen Boxtrainer ihn dabei zu unterstützen. Dieser sagte sofort zu.

Der Sprung ins kalte Wasser

Der erste Kampf war dann für den Bopfinger sprichwörtlich ein Sprung ins kalte Wasser. „Es war einfach mal ausprobieren, wie das ist.“ Der Kampf in Stuttgart wurde dann leider „No Contest“ gewertet. Für Aufsehen sorgte dabei aber die Fangemeinde die Jungwirth mitbrachte. Viele Bekannte aus dem Bopfinger Raum, aber auch Freunde aus Stuttgart und Kaiserslautern unterstützten ihn. Wieder kam ihm seine Vergangenheit zu Gute.

Als Jugendlicher spielte er drei Jahre Fußball beim VFB Stuttgart, und aus dieser Zeit hat er heute noch viele Bekannte in der Landeshauptstadt. Die Veranstalter wurden nun auf den Amateur aufmerksam. Für seinen zweiten Kampf wechselte er bereits ins Semi-Pro-Lager. In Nördlingen bereitete er sich wieder auf diesen Fight vor. Dieses Mal fuhr bereits ein erster Fanbus von der Ostalb nach Stuttgart. Der Kampf verlief am Anfang holprig, doch Mitte der zweiten Runde brachte Christian Jungwirth seinen Gegner zur Aufgabe. Bis heute hat der sympathische Mann fünf Profikämpfe bestritten, davon konnte er vier gewinnen. Was ihn in weitere Sphären des MMA vordringen ließ. Auf seinem Facebook-Profil hat er nach zwei Wochen bereits über 900 Likes erhalten. Damit sorgte er in der Szene für Aufmerksamkeit und Interesse.

Tägliches Training in Stuttgart

Nach seinem zweiten Kampf begann er intensiv zu trainieren. Zusätzlich zu seinen Einheiten in Nördlingen fährt er seither zur renommierten Kampfschule „Kongs Gym“ nach Stuttgart. Hautpberuflich arbeitet er bei Varta in Neunheim. Aber vor der Spätschicht oder nach der Frühschicht setzt er sich, so oft es geht, ins Auto, fährt nach Stuttgart und trainiert. In der Zwischenzeit nicht nur Boxen, auch Kickboxen, Judo und Brazilian Jiu-Jitsu stehen auf dem Programm. Sein Arbeitgeber steht hinter ihm unterstützt ihn wo es geht. Jungwirth muss zwar seinen Trainingsplan nach der Schicht legen, aber während der Vorbereitung für einen Kampf bekommt er frei.

So führte ihn sein Weg im März 2018 nach Mumbai in Indien. Eigentlich sollte er als Betreuer für Sascha Sharma, einem international bekannten MMA-Kämpfer, dabei sein. Doch dann kam alles anders und er fand sich in der Super Fight League wieder. Ein Turnier über sechs Wochen mit acht Mannschaften. Der Sport ist in Indien so populär, dass alle Kämpfe live übertragen wurden. So sahen in den sechs Wochen 200 Millionen Zuschauer die Veranstaltungen in der Christian Jungwirth im Finale mit seiner Mannschaft gewann. „2019 ist schon in Planung“ verkündet er stolz. Große Veranstalter wurden auf den Mann vom Ipf aufmerksam. Zuletzt kämpfte er bei GMC in der Ulmer Ratiopharm-Arena. Der größten Organisation dieser Sportart in Deutschland.

Der Sport ist raus aus den Hinterhöfen

Christian Jungwirth
Mixed Martial Arts Kämpfer

Vorbereitung auf den Kampf

Bis zu acht Wochen vor dem Aufeinandertreffen beginnt bei ihm die Vorbereitung. Die .Ernährung wird umgestellt. „Das ist für mich sehr hart, ich esse gerne“ schmunzelt Jungwirth. Aber sein eiserner Wille, den er für diesen Sport hat, hilft ihm dabei. Während er zwischen den Gefechten seine Techniken verbessert, geht es nun darum, sich auf den Gegner einzustellen. Fitness ist das oberste Gebot. Seine Coaches attestieren, dass Jungwirths Fitness und Kondition herausragend ist. Kein Wunder, hat er doch den Ipf vor der Haustür. Sechs Mal rauf und runter ist er, für einen Videodreh, locker gelaufen. Dem Kameramann ging dabei die Puste aus. In seinem Keller hat er sich ein Fitnessstudio eingerichtet, wo er auch mal nach der Spätschicht in der Nacht trainiert. Derzeit finanziert er seine Leidenschaft großteils noch aus eigener Tasche. Er hat aber einige Sponsoren schon aufgetan, ist aber immer noch weiter auf der Suche.

Familie steht dahinter

Seine Frau Cigdem Jungwirth und die gemeinsame Tochter stehen hinter ihm. „Sonst würde es nicht gehen,“ weiß er genau. Er lebt seinen Traum, will in diesem Sport aufgehen. Gegen die Besten kämpfen zu können, seine Techniken verstärkt kontrollieren und den Sport populärer machen, das sind seine Ziele. „Der Sport ist raus aus den Hinterhöfen,“ betont der Fighter. Pro7MAXX überträgt manche Kämpfe live oder als Aufzeichnung.

Für Christian Jungwirth ist auch der Respekt vor dem Gegner wichtig. „Nach dem Kampf müssen wir noch miteinander reden können, sonst ist was falsch gelaufen“ meint er dazu. Ein Ausarten im Oktogon gibt es nicht dazu sind die Regeln zu streng. „Wenn beim Boxen noch weitergemacht wird, hören wir schon auf,“ erklärt der MMA-Kämpfer. Dadurch werden schwere Verletzungen vermieden, da die MMA Regularien die Ringrichter dazu anhalten, den Kampf sofort abzubrechen, wenn ein Kämpfer zu keiner intelligenten Verteidigung mehr fähig ist.

Verschanzt sich beispielweise ein Gegner hinter seiner Deckung und erhält Schläge auf diese ohne aktiv auszuweichen wird der Kampf abgebrochen und zu Gunsten des Gegners gewertet.

Für Christian Jungwirth soll es weiter aufwärts gehen. In diesem Jahr steht noch ein Kampf in Österreich an, dann möchte er ab dem nächstes Jahr in europäische Sphären vordringen.

© Gmünder Tagespost 14.09.2018 16:47
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