Hier schreibt der ADFC Aalen

ADFC Aalen: Was ist machbar auf der Schätteretrasse?

Radfahrer fordern ein geregeltes Miteinander, Fußgänger verteidigen das Radfahrverbot, Naturschützer fürchten Schäden für die Natur und die Öffentlichkeit versteht den ganzen Streit nicht: Wie konnten zwei Runde Tische so am Kern der Sache vorbeigehen? Fast drei Jahre nach den ersten positiven Ansätzen schafft Aalen noch immer keinen Durchbruch für den optimalen Härtsfeldaufstieg für Radfahrer.

Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club Aalen (ADFC Aalen) ist überzeugt, dass es Natur und Umwelt in der Summe nur nützen kann, wenn in Freizeit und Alltag immer mehr Menschen mehr Rad und weniger Auto fahren. Das könnte Teil der vom Verkehrsminister angemahnten "Mobilitätswende" sein. Das Umdenken kommt aber nicht von selbst, es muss gefördert werden. In Aalen wäre neben dem „Kocherradweg“ ein weiterer großer Schritt möglich, wenn man das Radfahren auf der Schätteretrasse erlauben würde. Jedoch schiebt die Stadt die überfällige Entscheidung vor sich her und verspielt das Vertrauen der Radfahrer, die nach den Ankündigungen von Oberbürgermeister Thilo Rentschler zum 1. Aalener Rad-Event deutlich mehr als das "Eltern-Kind-Radeln" erwarten durften.

Was also wäre zu tun? Der ADFC Aalen schlägt die Öffnung des Weges auf der Trasse auch fürs Radfahren vor, möglich ohne bauliche Eingriffe in die Natur. Schon diese Minimallösung würde den Aufstieg auf das Härtsfeld sehr erleichtern, selbst wenn das Rad ein kurzes Stück geschoben werden muss. Trotz Verbot nutzen Radler den Weg, seit es ihn gibt. Radfahren und Wandern bei gegenseitiger Rücksicht ist machbar.

Warum also kommt die Entscheidung nicht voran? Die Wandervertreter spielen die Wünsche der Radfahrer gegen die Bedenken des Naturschutzes aus, indem sie selbst für eine kleinste Lösung die Verbreiterung des Weges zur Bedingung machen. Die Härtsfeldgemeinden fordern im Gegenzug den großen Wurf mit Öffnung des Tunnels. Das alarmiert die ehrenamtlichen Naturschützer, die nun erst recht die Gefahren durch Eingriffe in ein Schutzgebiet betonen. Dass Radfahren auf der Schätteretrasse noch mehr Autofahrten ersetzen und damit weiträumige Vorteile für Natur und Umwelt bewirken könnte, lässt der Arbeitskreis Naturschutz hingegen unberücksichtigt. Die Radfahrer fühlen sich von der Stadt im Stich gelassen, weil sie nicht eindeutig Stellung bezogen und auch nach zwei „Runden Tischen“ keine überzeugende Lösung angeboten hat.

In dieser Situation erwartet der ADFC Aalen, dass die Stadtverwaltung vor dem Einleiten erneut aufschiebender Verfahrensschritte die oben genannte Minimallösung angeht und dem Gemeinderat zügig zur Entscheidung vorlegt. Ziel sollte sein, noch für diese Radfahrsaison das Radfahrverbot aufzuheben, das als ungerecht empfunden wird, weil es aus Rücksicht auf eine kleine lautstarke Interessengruppe aufrechterhalten wird. Rein formal könnte die Minimallösung durch Beschilderung als Gehweg mit Zusatzzeichen "Radfahrer frei" über eine Entscheidung der Verkehrsbehörde sofort angeordnet werden. Welch Höhepunkt für das 2. Aalener Rad-Event am 6. Mai: der Oberbürgermeister hängt das erste Schild auf!

Obwohl der ADFC Aalen mit dieser Minimallösung zufrieden wäre, hält auch er den weiteren Ausbau der Trasse und die Öffnung des Tunnels langfristig für erstrebenswert. Ob dies, wie von den Härtsfeldgemeinden und im technischen Ausschuss vorgeschlagen, umgesetzt werden kann, sollte also geprüft werden. Denn damit ließe sich wesentlich mehr als nur ein bequemer Radaufstieg erreichen. Immer vorausgesetzt, dass die Eingriffe für die Natur verträglich und damit zulässig wären. Der Fahrrad-Club sieht schließlich auch seine Verantwortung für Natur und Umwelt. Dass die Fledermäuse sich wirklich so leicht vertreiben lassen, befürchtet man beim ADFC Aalen nicht. Denn die hatten schon während des Bahnbetriebs in den Höhlen im Tunnel Quartier bezogen, nicht erst nach dem Zumauern der Portale.

© Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club Aalen 17.04.2018 12:17
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