Auf den Spuren von Sissis Lieblingsplätzen

Geschichte Sissi liebte die wunderbare Aussicht von der Fischerbastion im Burgviertel auf das Parlament. Das imposante Gebäude im neogotischen Stil ist eines der Wahrzeichen Budapests.
  • Bild: Christiane Neubauer

Nur mal schauen, ist in der Regel keine Option beim Besuch des Cafés Gerbeaud im Zentrum von Budapest. In der meterlangen Vitrine der 1858 gegründeten Traditionskonditorei locken sündhaft feine Spezialitäten wie zart schmelzende Katzenzungen, verführerisch glänzende Cremeschnitten und aufwendig dekorierte Torten. Wer kann da widerstehen? Auch die österreichische Kaiserin Elisabeth, die sonst sehr auf ihre Figur achtete, konnte es nicht. Sie war in dem Kaffeehaus, das sich bis heute sein charmantes k. u. k. Ambiente bewahrt hat, ein häufig und gern gesehener Gast. Angeblich liebte Sissi (die sich selbst mit nur einem „s“ schrieb) Esterházy-Schnitten - eine ungarische Spezialität aus Biskuit und Buttercreme. Bewiesen ist das freilich nicht. Dass die Monarchin das Land der Magyaren liebte, dagegen schon. „Elisabeth verbrachte nachweislich 2663 Tage in Ungarn - mehr als in Österreich,“ berichtet Reiseführerin Noemi Csondor.

Mehr als 40 Denkmäler für Sisi

Die Magyaren dankten es ihrer Erzsébet - Elisabeth auf Ungarisch - mit einer Verehrung, die selbst 120 Jahre nach ihrem Tod noch spürbar ist. Zum Gedenken an ihre geliebte Königin errichteten sie landesweit mehr als 40 Denkmäler, 100 Gedenkparks und Gedenkwäldchen. Auch Straßen und Plätze tragen ihren Namen. „In den Jahren nach ihrer Ermordung im Jahr 1898 entwickelte sich ein Kult um Sissi, der bis heute anhält“, sagt Noemi und führt ihre Gäste zur Elisabeth-Brücke, einer von zwei Donaubrücken, beide um 1900 gebaut. „Die zweite trug seinerzeit den Namen Franz-Joseph-Brücke. Heute heißt sie Freiheitsbrücke. Die Elisabeth-Brücke dagegen behielt ihren Namen und das, obwohl sie im Krieg zerstört und neu errichtet wurde.“

Sissi ging gern in die Oper

Doch der Monarchin begegnet man auch an anderen Orten der Hauptstadt. Vom Café Gerbeaud ist es nicht weit zum Elisabeth-Park, in dem sich ganzjährig ein Riesenrad dreht. Ein Muss für Sissi-Fans ist ein Besuch im prunkvollen Opernhaus, das sie oft und gern besuchte. Hier kann man bei einer Führung die persönliche Loge der Kaiserin besichtigen, im Vestibül steht eine Sisi-Büste aus Bronze - perfekt für ein Selfie mit der Kaiserin der Herzen.

Mit einem Tuk-Tuk-Taxi setzen wir die Reise auf Sisis Spuren fort. Es geht nun hinauf ins Burgviertel Vár im Stadtteil Buda. Hier steht die Matthiaskirche, in der das österreichische Kaiserpaar 1867 zu König und Königin von Ungarn gekrönt wurde. „Elisabeth trug eine weiße, mit Silberfäden durchwobene Robe, die in Paris gefertigt worden, aber auf Sissis Wunsch einer ungarischen Tracht nachempfunden war“, berichtet Noemi.

Elisabeth verbrachte nachweislich 2.663 Tage in Ungarn - mehr als in Österreich,

Noemi Csondor, Reiseführerin

Auch der derzeit angesagteste Stadtteil von Budapest, der VII. Bezirk, schmückt sich mit dem Namen der bayerischen Herzogstocher. Er wird als Erzsébetváros, auf Deutsch Elisabethstadt, bezeichnet. Wie durch ein Wunder wurde das Viertel im Krieg kaum beschädigt. Viele historische Gebäude sind bis heute erhalten. In einige sind in den letzten Jahren die sogenannten Ruinenbars eingezogen, die ein junges, feierfreudiges Publikum anziehen und so aus Elisabethstadt ein beliebtes Ausgehviertel gemacht haben.

Nur 25 Kilometer nordöstlich von Budapest liegt Schloss Gödöllö, Sissis Lieblingsresidenz. Das Schloss, das Krönungsgeschenk der Ungarn an Sissi und Franz Joseph, wurde für Elisabeth zum Zufluchtsort. „Hier hat man seine Ruhe, keine Verwandten, niemand sekkiert dich, im Gegensatz zu Wien, wo die ganze kaiserliche Bagage ist! Hier bedrückt mich gar nichts, ich lebe hier wie im Dorf, ich kann allein spazieren gehen oder Kutschfahrten machen!“, schrieb Sissi aus Gödöllö an ihre Mutter.

Das ungarische Kind

Aber auch Sissi machte den Ungarn nur wenige Monate nach ihre Krönung ein „Geschenk“: Seit einigen Jahrhunderten war kein königliches Kind mehr in Ungarn geboren worden. Deshalb brachte sie ihr viertes Kind, Tochter Marie Valerie, im April 1868 in Budapest zur Welt. Das Mädchen bekam später den Beinamen „das ungarische Kind“. Im Gegensatz zu ihren anderen Kindern, die am Hof in Wien erzogen wurden, widersetzte sich die Kaiserin von Österreich und Königin von Ungarn der Tradition und sorgte selbst für ihre Tochter. „Jetzt weiß ich, was für eine Glückseligkeit ein Kind bedeutet.“

© Gmünder Tagespost 12.01.2018 17:54
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