Der Traum vom Fliegen wird hier beinahe wahr

Bodensee Am Flugsimulator der Dornier Do 27 können Groß und Klein virtuell abheben.
  • Technik zum Anfassen in Friedrichshafen. Foto: Dornier-Museum

Wir sind abgestürzt“, stellt der junge Pilot fest. Zuvor trudelte das Flugzeug, das für Landungen im Gelände konzipiert ist, langsam über eine Grünfläche - irgendwo zwischen Allgäu und dem Bodensee. Dabei verlor es immer mehr an Höhe und krachte schließlich auf den Rasen. Wäre die missglückte Landung echt gewesen, säßen Pilot und Co-Pilot nicht so entspannt im Cockpit im Dornier-Museum. Philipp Lindner, zuständig für Marketing und Öffentlichkeitsarbeit, setzt die Einstellungen des Flugsimulators zurück – neues Spiel, neues Glück.

Schwieriger als es sich anhört

Die Parkbremse ist gelöst, mit dem Gashebel wird beschleunigt. Keine große Herausforderung, die fängt erst mit dem Lenken an: Mit den beiden Fußpedalen wird das Flugzeug am Boden gesteuert – hört sich einfach an. Der Monitor zeigt aber, dass der Rumpf zu stark nach rechts schwenkt. Also noch mal. Dieses Mal drückt der rechte Fuß nur leicht und mit viel Gefühl aufs Pedal. Das Ergebnis kann sich sehen lassen.

Die authentische Innenausstattung mit Sitzen, Pedalen und einem Instrumentenpanel vermittelt das Gefühl, tatsächlich in einem funktionsfähigen Cockpit zu sitzen. Hinter den Flugzeugscheiben sind Monitore, die dem Piloten die einzelnen Manöver simulieren. Die Original-Bedienelemente verstärken das Flugerlebnis. Neben dem starren Simulator der Dornier Do 27, wie er hier in Friedrichshafen steht, gibt es auch bewegliche, hydraulisch gesteuerte Modelle, sogenannte Full-Flight-Simulatoren. Letztere sind selten und teuer. Die Lufthansa bildet beispielsweise darin ihre Piloten aus, lässt aber auch Laien für rund 300 Euro die Stunde fliegen.

In der Luft erstmal geniessen

Erst einmal in der Luft, kann der Pilot aufatmen und das Fluggefühl genießen. Wiesen, Wälder und kleine Ortschaften ziehen vorüber, am Horizont tauchen die Alpen auf. Dann dreht die Maschine und fliegt zurück in Richtung Flughafen, der nicht mehr auf dem Monitor zu finden ist. Mittlerweile warten die nächsten Flugschüler, um sich zu dritt ins Cockpit zu zwängen. Nach einer kurzen Einweisung und mit der Anleitung in Händen rollen sie zum Start. Neugierige haben sich ums Flugzeug versammelt und beobachten die Flugversuche kritisch. Das Museum, das 2009 in direkter Nachbarschaft des Flughafens eröffnete, hat aber weit mehr zu bieten. Es erzählt auf anschauliche Weise die Geschichte des Flugzeugkonstrukteurs Claude Honoré Desiré Dornier, der 1884 in Kempten geboren wurde.

Erster drehbarer Hangar

Seine Karriere begann er als Mitarbeiter bei Ferdinand Graf von Zeppelin. Mithilfe einer eigenen Abteilung baute Dornier den ersten drehbaren Hangar für die riesigen Luftschiffe.

In einer Vitrine steht der Nachbau des imposanten Gebäudes. Auf Wunsch des Grafen Zeppelin wurde der Sohn eines Franzosen in Württemberg eingebürgert und Teilhaber sowie Geschäftsführer eines Zweigwerkes für Flugzeugbau, das er 1932 voll übernahm und aus dem sich die Dornier-Werke entwickelten. Seine ersten Ganzmetallflugzeuge hängen als Modelle hinter Glas.

Auch die dunklen Zeiten des Nationalsozialismus werden im Museum nicht verschwiegen. Den kriegsrelevanten Projekten fiel schließlich auch Dorniers Traum von einem komfortablen Transatlantikflugzeug zum Opfer und mit ihm der Bau der Dornier Do 214, ein achtmotoriges Flugboot, das von der Lufthansa in Auftrag gegeben wurde.
Auf dem Rundgang durch die Flugzeughalle, in der auch eine original Dornier Do 27 steht, zeigt Philipp Lindner auf einen Hügel, dort soll ein weiterer Hangar entstehen, ein separater Ausstellungsbereich für die „Landshut“, die 1977 von Terroristen entführt wurde, zwischenzeitlich in Brasilien abgestellt war und nun letztes Jahr nach Friedrichshafen geholt wurde.

Der Weg zurück zum Ausgang führt wieder am Simulator vorbei. Die Sehnsucht zu fliegen, ist groß, denn es hat sich mittlerweile eine Schlange vor der Dornier Do 27 gebildet. Annette Frühauf

© Gmünder Tagespost 27.04.2018 17:21
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