Im Müll sind noch einwandfreie Schätze versteckt

Skurril Ein Museum in Bad Säckingen zeigt faszinierende Geschichten weggeworfener Dinge.
  • Erich Thomann mit der restaurierten Schusterwerkstatt. Früher hatten diese Sachen keinen Wert mehr.
    Foto: Birgit-Cathrin Duval

Es begann mit zwei braunen Ohren, die aus einem Müllhaufen hervorschauten. Sie gehörten einem schmuddeligen Teddy in einer grünen, selbst gestrickten Latzhose. „Ich hab’s nicht übers Herz gebracht, ihn platt zu walzen“, erinnert sich Erich Thomann, der als Fahrer auf der Mülldeponie arbeitete. Er stieg von seiner Planierraupe und nahm den Teddy mit nach Hause, wo seine Ehefrau Agnes ihn liebevoll wieder restaurierte.

Museum in der Scheune

Das war vor 42 Jahren. Bis zu seiner Pension 1995 fischte Erich Thomann Tausende Dinge aus dem Müll, die andere achtlos weggeworfen hatten. Zu Hause recycelten die Thomanns Stück für Stück, bis die Wohnung zu klein wurde. Flugs bauten sie die Scheune um, die heute das einzigartige, skurrile Müllmuseum beheimatet. Der Besucher erlebt eine faszinierende und durchaus kuriose Zeitreise und staunt über den angesammelten Wohlstandsmüll der jeweiligen Epoche: über einen komplett eingerichteten Friseursalon mit einem der ersten Dauerwellenapparate mit einem abenteuerlichen Stromanschluß für die Lockenwickler. Nicht wenigen Damen wurde dabei die Kopfhaut versengt, wurde Thomann von Besucherinnen berichtet.

Allerlei Fundstücke

Bis unter das Scheunendach ist jede Ecke mit verschiedenartigen Fundstücken ausgefüllt. Eine alte Schuhwerkstatt, historische Radiogeräte, alte, kiloschwere Handyapparate, die mit Autobatterien betrieben wurden, Kassettenrekorder, Fotoapparate, Nähmaschinen, Puppen, Blechspielzeug, historische Ski, eine Bibel von 1743 und allerlei Altargegenstände aus Kirchen.

Früher gab es keine Flohmärkte

„Damals gab es noch keine Flohmärkte und kein Internet und die Leute haben die alten Sachen einfach fortgeschmissen, die hatten keinen Wert mehr“, erzählt der 87-jährige, der viele interessante Anekdoten zu den Exponaten auf Lager hat, nach denen sich heute so mancher Antiquitätenhändler die Finger lecken würde. Birgit-Cathrin Duval

© Gmünder Tagespost 26.01.2018 11:03
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