Kaffeemahlen mit dem Kopf des Königs

Allwetterprogramm Mehr als 1.000 Kaffeemühlen aus vier Jahrhunderten zeugen im Wiernsheimer Museum vom Kaffeegenuss der vergangenen Jahrhunderte. Ein Ausflug dorthin lohnt immer.
  • Foto: Annette Frühauf

Museumsführer Wolfgang Hahnisch erklärt während einer seiner Rundgänge: „Zwischen der Röstung und dem Trinken sollte möglichst wenig Zeit vergehen.“ Kaffeetrinken bedeutet Genuss - vor allem früher: Nur wohlhabende Bürger konnten sich den Muntermacher leisten und besaßen für die Zubereitung eine kunstvolle Kaffeemühle.

Im alten Pfarrhaus in Wiernsheim befinden sich die schönsten Exemplare – das älteste stammt aus dem 17. Jahrhundert. Zusammengetragen hat sie Stifter Rolf Scheuermann, der zeit seines Lebens die Mühlen sammelte. „Seit 2011 kann ein Teil der Sammlung im größten Kaffeemühlenmuseum Deutschlands bewundert werden“, erklärt Museumsleiterin Theresia Ostwald.

Die Mühlen waren weit mehr als einfache Geräte des täglichen Küchenalltags. Es sind oft handgefertigte Schaustücke aus edlen Materialien von großherrschaftlichen Haushalten, die man auf der Zeitreise durchs Museum sieht: Die frühen Kaffeemühlen im 18. Jahrhundert sind Hand- oder Rundmühlen, die an eine kreisförmige Kaffeedose mit Kurbel erinnern. Sie werden zum Mahlen in der Hand gehalten. Praktisch sind die Zwingenmühlen, die einfach an der Tischkante festgeschraubt werden. Danach kamen die Kommoden- und Säulenmühlen auf.

Seit 2011 kann ein Teil der Sammlung im größten Kaffeemühlenmuseum Deutschlands bewundert werden.

Theresia Ostwald
Museumsleiterin

„Diese Mühle mit dem Silbertrichter ist ein besonderes Schmuckstück“, sagt Hahnisch und zeigt auf eine weitgehend schmucklose Mühle von 1840. Das Besondere an dem Stück aus dem Erzgebirge ist das Material - Bruyère-Holz. Im 20. Jahrhundert verdrängten dann die handlichen Schoßmühlen die Tischvariante. Die nun industriell gefertigten Mühlen hielten Einzug in die bürgerlichen Haushalte. Beliebt waren auch die Wandmühlen, die eine ganze Zimmerseite im Museum zieren. Im obersten Stockwerk stehen zahlreiche Kuriositäten – in Form von Kirchen oder als Königsköpfe aus Holz.

© Gmünder Tagespost 04.01.2018 16:42
279 Leser
Ist dieser Artikel lesenswert?
Kommentar schreiben
Zu diesem Artikel wurden noch keine Kommentare geschrieben.