Mit dem Hausboot durch das Land

Urlaubsfreude Die „Horizon“ von Le Boat bricht mit nautischen Traditionen - zum Wohle der Freizeitkapitäne unter den Urlaubern. Ein Bootsführerschein ist nicht erforderlich.
  • Foto: Cyril Bruneau

Normalerweis läuft das so: Auf einem vorhandenen Motorboottyp wird - so gut es eben geht - eine Kabine eingerichtet, fertig ist das Hausboot. Vorrang haben dadurch die nautischen Gegebenheiten, das Wohnen an Bord, das Kochen, das Entspannen muss sich unterordnen. Europas größter Hausbootanbieter, Le Boat, ist das Thema mal ganz anders angegangen: Was sind die Bedürfnisse der Hausbooturlauber? Das Hausboot wurde völlig neu gedacht. Heraus kam ein komplett neuer Hausboottyp: Die „Horizon“ steht bereit zum Ablegen.

Für Familien und Kleingruppen

Wie sieht eigentlich der typische Hausbooturlauber aus? Das wollte Le Boat mittels einer Umfrage unter seinen Kunden herausfinden. Ergebnis: Meistens sind es Familien oder Kleingruppen, also etwa befreundete Paare oder ein Freundeskreis, die so ein selbstfahrendes Wohnboot mieten. Führerschein? Nautische Erfahrung? Meistens Fehlanzeige! Und auch gar nicht nötig. Dort wo es Hausboote zu mieten gibt, etwa in Frankreich (Elsass oder Canal du Midi), Irland, Schottland, Holland oder auch in Deutschland an der Müritz, kann jedermann nach einer Einweisung so ein Boot führen, auf Gewässern, die auch von Anfängern gefahrlos zu meistern sind. Mit dem Thema Seemannschaft muss man sich gar nicht erst beschäftigen.

Der traditionelle Hausboottyp entspringt einer anderen Philosophie: Seetüchtigkeit ist gefragt. Das Boot hat vorn einen trutzigen Bug, der auch Wind und Wellen standhält. Der Motor ist üblicherweise in der Bilge (ganz unten im Boot) untergebracht und treibt über eine Welle den Propeller an, hinter dem ein Ruder den Richtungsangaben des Steuermanns mal mehr oder mal weniger Ausdruck gibt. Stets gewöhnungsbedürftig, dass dadurch nicht wie beim Auto der Bug in die neue Richtung dreht, sondern das Heck sich erst mal in die Gegenrichtung bewegt - Anlegemanöver oder Schleuseneinfahrten werden so oft zum Abenteuer. Generationen von Urlaubskapitänen können da ihre persönlichen Abenteuer erzählen. Und Fenster werden auf solchen Booten zu kleinen Bullaugen. Das ist nicht immer praktisch. Und das alles nur für den Fall, dass Sturm und Wellen über das Boot schlagen.

Alles unnötig, fand Le Boat heraus, denn die Boote sind immer auf harmlosen Flüssen, Seen oder Kanälen unterwegs. Warum also den ganzen Ballast mitschleppen? Das Fazit der Le-Boat-Planer: Den historischen Mist werfen wir einfach mal über Bord, auch wenn das Boot dann vielleicht nicht mehr so „schiffig“ aussieht.

Auf dem Teller drehen

Die meisten Probleme haben Steuermann-Neulinge erfahrungsgemäß beim An- oder Ablegen. Also bauen die Le-Boat-Konstrukteure einfach je ein Querstrahlruder in Bug und Heck ihres neuen Bootes ein. Damit lässt sich das Schiff auf dem Teller drehen oder auch mal quer an den Anlegesteg drücken. Ganz einfach mit einem Joystick - wie auf dem PC. Es mag nur als eine Kleinigkeit erscheinen, ist aber ein echter Bruch mit der Schiffer-Tradition: Im Armaturenbrett des Steuerstandes ist ein Geschwindigkeitsmesser eingebaut, der den Bootsspeed in Kilometern pro Stunde angibt. Bislang waren nur Instrumente üblich, die die Motordrehzahl angeben. Doch was nützt es einem Skipper, wenn er zwar ablesen kann, dass sein Motor 1.300 Umdrehungen in der Minute läuft, eine Engstelle laut Schild aber nur mit sieben Stundenkilometer passieren darf?

Bruch mit der Schiffer-Tradition

Le Boat brach noch weiter mit der Schiffer-Tradition: Den Motor räumen wir einfach aus dem Weg, haben sich die Konstrukteure gedacht, packen ihn in eine Kiste am Heck des Bootes. Das gibt weniger Motorgeräusche und Platz für einen hellen Salon mit großen Panoramafenstern und Glasschiebetüren zum Außenbereich. Ergebnis: Großartige Sicht nach draußen, die Natur quasi im Boot - Luxus pur, so stellt man sich wohl einen Bootsurlaub vor.

Damit nicht genug; Alle Horizon-Hausboote sind mit einem großen Sonnendeck mit riesigen Liegeflächen ausgestattet. Eine fest angebaute Badeplattform am Heck erfreut die Schwimmer, erleichtert aber auch das Ein- und Aussteigen am Anlegesteg. Auf der Flybridge, also im ersten Obergeschoss des Bootes, finden sich nicht nur das Außensteuer, sondern auch ein fest eingebauter Grill, ein Tisch und eine Spüle. Was für eine schöne Vorstellung, hier oben zu sitzen und zu tafeln, genüsslich einen Wein zu trinken und die Landschaft an den Kanalufern gemächlich an sich vorbeiziehen zu lassen - Hausbooturlaub 2.0.

Hausboot für zwölf Personen

Die Horizon 3 und 4 sind 13,50 Meter lang und haben drei oder vier Kabinen mit En-suite-Badezimmern. Die Vier-Kabinen-Version ist für maximal zehn Personen ausgelegt (8+2). In der Horizon 3 finden maximal acht Personen Platz (6+2). Die Zwei-Kabinen-Version Horizon ist dagegen nur 11,50 Meter lang. Ab der Saison 2018 gibt es auch das neue Flaggschiff, die Horizon 5, mit fünf Kabinen und Platz für bis zu zwölf Personen. Einen persönlichen Eindruck kann man auf der CMT bekommen. In der Halle 4 darf das neue Hausboot, eine Horizon 2, nach Herzenslust besichtigt werden.

© Gmünder Tagespost 12.01.2018 17:54
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