Schnee bis in den Mai hinein

Wintersport Die französischen Alpen bieten dem Wintersportler ein vielfältiges Angebot für jeden Geldbeutel und jeden Geschmack.
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Welch ein Kontrast: hier das beschauliche Alpendorf mit gut 400 Chalets und 90 Kilometer gemütlichen Pisten; dort das höchstgelegene Skiresort, wo selbst die Bettenburgen in den Schneebergen zu versinken drohen. Zwei Stunden Serpentinenfahrt und 1300 Höhenmeter liegen zwischen Le Grand Bornand und Val Thorens; doch es sind eben auch zwei Skiwelten, welche die Spannbreite des französischen Winterurlaubs verdeutlichen. Sie reicht von urig-familiär bis sportlich-ambitioniert.

In Le Grand Bornand geht es eher geruhsam zu. Das „groß“ im Namen ist der französischen Neigung zu Superlativen geschuldet. Tatsächlich zählt das Dorf so viele Einwohner wie Kühe, nämlich je 2000.

Eine Million Übernachtungen

Die Rindviecher liefern nicht nur die Basis für die Käsereien, die den würzigen Reblochon herstellen und kleine Manufakturen mit Leder versorgen. Das Kuh-Dorf will sich auch mit einem tierischen Skulpturen-Parcours künstlerisch profilieren. Doch dafür reisen wohl die wenigsten der zu 85 Prozent französischen Gäste an, die hier pro Winter- und Sommersaison eine Million Nächte in 25 000 Betten verbringen. Man fühlt sich ein wenig wie im schweizerischen Wallis, nur nicht so geleckt. Die 29 Lifte erschließen 49 Pisten, die zwischen 892 und 2100 Metern weitläufig um den Mont Lachat von 15 Pistenraupen familientauglich geplättet werden.

Auch für Freerider geeignet

Zwischen den gewalzten Pisten gibt es reichlich Freeride-Gelände, das sanftes Schwingen im Tiefschnee ermöglicht, ohne die Orientierung zu verlieren. So ist das Gelände ideal für Familien mit unterschiedlichem Können, zumal sich diese als Selbstversorger in einem der vielen Chalets einmieten können. Denn die Restaurants sind in Frankreich, wie in allen Skigebieten, nicht billig. Bei schlechtem Wetter lockt ein Schnupperkurs auf der Weltcup-Biathlon-Anlage oder man genießt als Langläufer die Aussicht auf die symbolträchtige Aravis-Bergkette.

Dagegen bietet Val Thorens nicht nur Schneesicherheit bis Anfang Mai, sondern auch Anschluss an „Les 3 Vallées“. Das weltweit größte Skigebiet verbindet 600 Pistenkilometer miteinander. Und zwischen Val Thorens, Méribel und Courchevel liegen reichlich Herausforderungen für den Varianten-Süchtigen. Für derlei Expeditionen ins hochalpine Gelände, das bis 3200 Meter reicht, sollte man allerdings einen Guide engagieren. So lernt der Fremde am schnellsten, wo es sich bei Sonne am elegantesten wedeln lässt (Glacier de la Pointe Renod und Mont de la Challe) und wo man auch bei Schneegestöber noch Sicht hat (La Tania). Dass Val Thorens auch wegen seiner Geselligkeit und Innovation mehrfach zum „besten Skiort der Welt“ gekürt wurde, erschließt sich dem Gast am ehesten, wenn er in einer der Vier- oder Fünf-Sterne-Herbergen absteigt. Diese werden neuerdings im Stil nobler Berghütten gebaut, um vom kalten Image der Trabanten-Resorts wegzukommen.

Gastlichkeit und Spaß

Wer Abwechslung sucht, weiß zu schätzen, dass inzwischen die Touristiker in den französischen Alpen die Angebote jenseits der Pisten aufrüsten. Gastlichkeit und Spaß werden neuerdings großgeschrieben. Während sich Le Grand Bornand auf Biathlon, Wanderungen oder Käserei-Besuche konzentriert, wird in Europas höchstem Skigebiet eine ganze Palette an Aktivitäten geboten: von Auto- und Kart-Rennen auf Schnee und Eis bis hin zum Gleitflug an einem 1300 Meter langen Stahlseil. Zum Saisonende, werden „Feste, Animationen und Shows“ aufgefahren, um wie die Konkurrenten in Ischgl oder Val d’Isère ein „beliebter Treffpunkt des Skifrühlings“ zu werden.

© Gmünder Tagespost 02.03.2018 12:18
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