Der schönen Heimat liebstes Ziel

Aalen Kurze und schöne Waldwege führen hinauf zum beliebtesten Ausflugsziel der Stadt. Auf der Aussichtsplattform erwartet den Besucher ein Ausblick wie von einem Fernsehturm.
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  • Bei Fotowetter auf dem Aalbäumle Foto: ban

Einmal Aalbäumle, immer Aalbäumle. Weil kein Ureinwohner, hat mir meine bessere Hälfte die Schönheiten des Aalener Hausbergs näher gebracht. Ist auch klar. Das Aalbäumle mit seinem Turm oben drauf, sieht man schon kilometerweit von der Ferne aus. Und Straßen und Wege führen aus allen Richtungen zu dem begehrten Objekt auf exakt 681 Meter Höhe – von Essingen über den Teußenberg mit einer Länge von etwa 4 Kilometern, ebenso vom Oberkochener Volkmarsberg (4 km) , vom Aalener und Unterkochener Bahnhof mit gleicher Länge von 4,1 km, vom Langert-Parkplatz in der Triumphstadt und vom Thermalbad-Parkplatz aus gelangt man nach 1,4 bis 1,7 km zu der sonn- und feiertags vom Frühjahr bis Spätsommer bewirtschafteten Aalbäumles-Hütte.

Eine Halbtagswanderung kann man auch von der Kapfenburg in Lauchheim-Hülen starten, für die 21 Kilometer braucht man mehrere Stunden.

Sommerabendspaziergang

Es lohnt sich auf den durchweg guten Waldböden oder geschotterten Wegen durch die grünen Wälder nahe der weiten Flächenstadt Aalen zu streifen. Es muss auch nicht immer am Morgen oder frühen Nachmittag sein. Diesmal haben wir uns einen schönen Sommerabend ausgewählt. Und weil wir nicht im Dunkeln heimkehren wollen, auch einen der kürzesten Wege. Vom Thermalbad aus gehen wir die steile Straße hinauf und schauen uns an: Heute riecht es ganz anders hier, so streng. Nach 50 Meter sehen wir ein Sperrschild und dann den Grund: die frisch geteerte Straße mit Split obendrauf. Wir keuchen den Berg hoch, in einer knappen Viertelstunde haben wir nach 700 m Weg die offene Schranke erreicht.

Aussicht wie von Postkarten

Eine Reiterin kommt uns entgegen, dann queren wir die Standardabfahrt der Ostalbskipiste, kniehoch gewachsene Gräser empfangen uns, aber auch die Pfirsichblättrige Glockenblume und Wilder Dost. Ein Blick zum Skilift hinauf, ein paar wehmütige Gedanken an vergangene Skifreuden schwirren durch den Kopf. Der Blick geht nach unten und weitet sich ob der schönen Aussicht in der Abendsonne, welche die von Windrädern umgebene Ellwanger Schönenbergkirche rötlich erglüht, während im Vordergrund das Häusermeer von Aalen zu Füßen liegt. Und da, man traut den Augen kaum, geht doch tatsächlich ein Reh durch das Postkartenbild. Bis die Kamera gezückt und eingestellt ist, ist das Rotwild allerdings ins Unterholz entfleucht.

Weiter atmen wir die frische Waldluft ein, gehen am Steinbruch, der schon viele Musikevents erlebt hat, vorbei und kommen an die „MUP“-Bank. Die aus den Buchstaben geformte Rückenlehne bedeutet Margret- Ulrich-Pfeifle-Bank, die zu Ehren des früheren Oberbürgermeisters aufgestellt wurde und von der man einen guten Überblick in die Stadt hat. Der gut geschotterte Weg teilt dann die Familienabfahrt, die bei Schnee oft den Stockeinsatz fordert(e), weil sie kaum Gefälle hat. Dann folgt eine große Kreuzung, der Weg nach links führt die Langertsteige runter bis zur Triumphstadt, nach rechts rauf zur Zeppelinhütte. Halt, voraus zwischen den Büschen und Bäumen tut sich noch ein Pfad auf, der mitten durchs „Dickicht“ führt und bei der Jugend die Sehnsucht nach Abenteuer weckt.

Die letzten Meter

Aber auch so sind wir nicht allein, auf dem Panoramaweg kommen uns drei schnelle Läufer entgegen, dem zwei schnaufende Senioren mit Abstand folgen. Ein Paar mit zwei Hunden schlendert auch durch die Gegend. Bei der Sitzgruppe des Schwäbischen Albvereins und an der Zeppelinhütte angekommen, muss man sich entscheiden. Scharf nach links geht der Waldweg die letzten 500 Meter rauf zum Aalbäumle, halblinks in Richtung Unterkochen, geradeaus zum Volkmarsberg und nach Tauchenweiler, scharf rechts hoch zur Osterbucher Hütte beim höchsten Punkt der Skipiste.

Am Gewann Buckhau sind es schon 622 Meter Höhe, jetzt noch 60 Meter hoch über Wurzeln Steine und Waldboden steigen, an Nickender Distel, Filz-Klette und leider auch an Indischem Springkraut vorbei, dann ist man am Ziel – Aaaalbäumle wie die Einheimischen mit Stolz sagen, 681 Meter hoch gelegen.

Nicht ohne Turmbesteigung

62 Windräder wurden vom Aalbäumle aus gezählt,

Helmut Banschbach Autor

Obwohl die Hütte wochentags nicht aufhat, treffen sich immer mehr Leute hier oben – Radfahrer, Nordic-Walkerinnen, Ausdauerläufer, alle in Action-Outfit, ein Vater mit drei Kids, die gleich das neue Kinderspiel-Haus einnehmen, ein Einzelgänger aus Tübingen und wir im Freizeitlook.Und niemand lässt die Turmbesteigung aus. Der Grundstein ist über 100 Jahre alt. Man steigt auf einem modernen Metallgerüst den 26 Meter hohen Aussichtsturm hinauf und auf der zwei Meter tiefer gelegenen Aussichtsplattform hält man erst mal die Luft an – puh, auch in der Abendsonne ist die unglaublich weite Sicht bis ins Hohenlohische, am Rosenstein vorbei ins Remstal hinunter und übers Welland hinweg zum Kochertal, nach Ellwangen rüber bis nach Ellenberg und südlich zur Heidenheimer Waldsiedlung hin einfach überwältigend.

Übrigens: 62 Windräder wurden vom Aalbäumle aus gezählt, die meisten auf dem Härtsfeld, bei Lauterburg-Bartholomä und im Virngrund. Und das „Adlerauge“ sieht noch etwas Besonderes: Die Schönenbergkirche ist gar nicht von Windrädern umgeben, sie steht vor diesen – die Perspektive macht’s.

Dann wird die Sonne immer güldener, zufrieden steigt man die 123 Stufen wieder hinab – ein echtes Aalbäumle-Erlebnis. Indes, so ist’s halt im Leben. Auch das Aalbäumle wird älter, 120 Jahre ist es heuer geworden, 1880 als Fichte gepflanzt und 18 Jahre später als Holzturm auf dem Aalener Hausberg manifestiert.

Das Jubelfest und das liebe Geld

So kommen mit den Jahren wie beim Menschen auch die Wehwehchen und wollen repariert oder erneuert werden. Der zweite Turm wurde 1964 errichtet, der dritte 1992 (siehe unten). Im Jubiläumsjahr 2018 wurden einige Querhölzer am Turm ausgetauscht, das Dach der Schutzhütte neu eingedeckt, die Theke für die Außenbewirtung geschaffen, der Spielplatz mit Spielgeräten versehen.

Das freut natürlich die Wirtin Inge Schmid-Birkhold, die seit 21 Jahren mit ihrem Team die Schutzhütte bewirtschaftet. Doch viel lieber hätte sie den Einbau einer Zisterne für fließendes Wasser, den Neubau eines WC-Gebäudes und die Abwasserversorgung gesehen. Doch manchmal fehlt eben das liebe Geld, auch wenn die Mittel im aktuellen städtischen Haushalt eingestellt sind.

Aber nicht in ausreichender Menge, 2019 soll’s dann soweit sein. Unterdessen feierten hunderte Aalerinnen und Aalener das Jubelfest im gerade vergangenen Juli – hano, des wär au no schöner, wenn’s Aalbäumle ruft, steiget Oalemer gern de Berg nauf.

Das Aalbäumle in Zahlen

1898 wurde der zehn Meter hohe (Holz-)Turm erstmals errichtet; 1934 und 1952 wegen höher wachsenden Bäumen um 2,5 und 5 Meter erhöht.

1964 entstand nochmals ein Holzturm mit 17,35 Meter Höhe und 1992 der dritte Aalbäumle-Turm, 20,9 Meter hoch in seiner heutigen Konstruktion als ein von ausgehöhlten Baumstämmen ummanteltes Metallgestell. Die 702 Meter hohe Aussichtsplattform bietet einen weiten Ausblick über die Aalener Bucht, das Welland und Ellwanger Land bis zu den Kaiserbergen.

© Gmünder Tagespost 31.08.2018 10:20
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