Die Kinderstube für zarte Pflanzen

Aussaat Im März fällt der Startschuss für die Vorkultur von Gemüse und Blumen. Mit ein paar Kniffen wachsen Tomaten & Co. gesund heran.
  • Für die Aussaat im Zimmer braucht es vier Dinge: Töpfchen, Erde, Samen und Wasser. Dazu noch Licht und Wärme, und fertig ist der „Brutkasten“ für zarte Pflänzchen.
    Fotos: Helga Schneller (l. und r. o.), Pixabay (r. u.)

In jedem Jahr dasselbe: Wann geht es endlich los mit Gärtnern? Die Sehnsucht, im Freien zu sein, zu säen und pflanzen, wird am Ende des Winters fast übermächtig. Gab es zwischendurch schon milde Phasen wie im Januar, könnte mancher Gartenmensch in Versuchung geraten sein, die Saison vorzeitig zu eröffnen. Doch Ungeduld tut im Garten selten gut, und der frostige Februar hat Gärtnerhände zur Ruhe gezwungen. Der März aber bringt die Verheißung des grünen Glücks. Mitte des Monats sind Tageslänge und Lichtintensität so weit gediehen, dass auf der Fensterbank die ersten Aussaaten starten können. Vor allem wärmeliebende Gemüse wie Paprika, Tomaten, Gurken, Auberginen und Melonen empfehlen sich für die Vorkultur im Zimmer. Aber auch Sommerblumen wie Petunien, Tagetes, Löwenmäulchen, Kapuzinerkresse oder Trichterwinde legen als vorgezogene Pflanzen einen besseren Start in die Freiluftsaison hin, ebenso Kerbel, Basilikum, Petersilie oder Dill.

Sauber geschrubbte Becher

Für die Aussaat im Zimmer braucht es vier grundlegende Dinge: Töpfchen, Erde, Samen und Wasser. Dazu noch Licht und Wärme, und fertig ist die grüne Kinderstube. Als Saatgefäß kommen sauber geschrubbte, kleine Blumentöpfe, aber auch leere Joghurtbecher oder Speiseeisboxen in Frage. Kunststoffgefäße brauchen immer ein paar Abzugslöcher für Wasser im Boden. Im Gartenfachhandel gibt es zur Aussaatsaison eine Menge praktisches Zubehör, so zum Beispiel auch Pellets aus Kokosfasern, die in Wasser zu komfortablen Jungpflanzen-Töpfen aufquellen. Das Kokosbett wird schnell durchwurzelt und kann später mitsamt der Pflanze in Beet oder Kübel eingesetzt werden.

Die richtige Erde ist wichtig

Verrottbare Töpfchen fast zum Nulltarif entstehen aus erdegefüllten Klopapierrollen. Steht die Rollengalerie dicht an dicht auf dem Fensterbrett, was aus Gründen der Stabilität empfehlenswert ist, bildet sich in feuchter Wärme allerdings gern Schimmel auf der Pappe. Damit aus einem Samenkorn ein stattliches Pflänzchen wächst, ist die richtige Erde ganz entscheidend. Sie sollte besonders fein strukturiert, keimfrei und nährstoffarm sein, was normale (vorgedüngte) Blumenerde von vornherein ausschließt. Optimal ist spezielle Aussaaterde, die man den Mooren zuliebe in der torffreien Variante kaufen sollte. Ist das Samentüten-Schatzkästlein geöffnet, heißt es erst einmal Sichten.

Testen ob es sich lohnt

Die meisten Gartenmenschen bringen es kaum übers Herz, sich von altem Saatgut zu trennen, und horten über Jahre hinweg aufgerissene Samentütchen. Da die Keimkraft mit den Jahren nachlässt, können Enttäuschungen bei der Aussaat die Folge sein. Ein Blick aufs aufgedruckte Keimfähigkeits-Datum der Tütchen lohnt sich. Bei selbst gesammeltem Samen zeigt folgende Keimprobe, ob sich das Aussäen noch lohnt: Zehn Samenkörner werden auf feuchtes Küchenpapier gelegt, ein Glas darüber gestülpt und das Ganze warm und hell platziert. Keimt mindestens die Hälfte der Körner, ist die Aussaat noch erfolgversprechend.

Von größeren Samen wie Gurke oder Kapuzinerkresse kommen zwei bis vier Körnchen in einen Topf, feines Saatgut wie von Basilikum oder Petunien wird flächig in den Aussaatgefäßen verteilt.

Frischhaltefolie schützt

Die meisten Pflanzen zählen zu den Dunkelkeimern, die mit einer dünnen Erdeschicht bedeckt sein wollen. Lichtkeimer wie Dill oder Löwenmäulchen bleiben nach sanftem Andrücken auf der Erde offen liegen. Zu guter Letzt erhalten die Samen eine sanfte Dusche mit zimmerwarmem Wasser, am besten aus der Sprühflasche. Damit die Saaten nicht austrocknen, spannt man gelochte Frischhaltefolie über die Töpfchen. Praktischer ist ein kleines Gewächshaus für die Fensterbank, das es für rund zehn Euro im Gartenfachhandel gibt. Die Saattöpfchen sind in der Kunststoffschale übersichtlich angeordnet, und das tägliche Lüften kann über den Deckel reguliert werden.

Gurken wollen nicht beengt sein

Bei 19 bis 24?C keimen die Sämlinge innerhalb weniger Tage, sofern es sich nicht um Langsamstarter wie beispielsweise die Petersilie handelt. Eine helle Fensterbank über der Heizung ist der ideale Platz für heranwachsende Sämlinge. Tragen die Jungpflanzen zwei bis vier Laubblätter, ist die Zeit fürs Pikieren gekommen. Dazu hebt man die Pflanzen mit dem Pikierstäbchen oder einem Löffelstiel vorsichtig aus der Erde und pflanzt sie einzeln in größere Töpfe.

Das ist vor allem bei kräftigen Gewächsen wie Tomaten oder Gurken wichtig, die sich unbeengt weiterentwickeln sollen. Ist das Wetter mild, können unempfindliche Gemüse- und Blumen-Jungpflanzen bereits im April ins Freiland gesetzt werden. Südländer wie Tomaten und Paprika dürfen erst nach den Eisheiligen Mitte Mai dauerhaft an die frische Luft.

Was sind eigentlich F1-Hybriden?

Viele Bezeichnungen von Sorten sind mit dem Zusatz F1 versehen. Pflanzen solcher Hybridzüchtungen bringen in der Regel höhere Erträge und sind zum Beispiel in Blütenfarbe oder Wuchsform stets gleich. Bei Wiederaussaat von abgenommenem F1-Saatgut können in der nächsten Generation aber Pflanzen mit anderen Eigenschaften zutage kommen. Bei dem sogenannten F1-Saatgut muss der Hobbygärtner also immer wieder neu nachkaufen. Im Gegensatz dazu lassen sich so genannte „samenfeste“ Sorten durch das Abnehmen von eigenem Saatgut ganz einfach nachbauen.

© Gmünder Tagespost 16.03.2018 13:02
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