Die richtigen Blumen für Ja-Sager

Hochzeit Rosen, Lilien, Freesien: Pflanzen mit Symbolcharakter sind bei Brautpaaren besonders beliebt. Bäume eignen sich als wachsendes Geschenk.
  • Weiß als Farbe der Unschuld verkörpert am edelsten die Lilie.
    Die beliebtesten „Hochzeitsblumen“: Mit ihrer Vollkommenheit sollen Rosen die Schönheit der Braut unterstreichen.
    Fotos: Helga Schneller; pixabay(2)

Im Wonnemonat Mai zu heiraten, ist wohl der romantische Traum so mancher Verliebten. Es grünt, blüht und duftet aufs Herrlichste – wie ein Spiegelbild der überbordenden Liebesgefühle des Brautpaares. Wo geheiratet wird, dürfen Blumen nicht fehlen. Im Brautstrauß, als Tischdeko, am Revers oder auf dem Brautauto macht der Blumenschmuck die Hochzeit erst perfekt. In allen Kulturen und Religionen der Welt wird der Brauch gepflegt, Hochzeitsfeste blütenreich zu gestalten. Dabei geht es nicht nur um die optische Wirkung der Pflanzen, sondern auch um ihre Symbolik.

Der Sprache der Blumen, Kräuter und Bäume kommt beim Ja-Wort eine ganz besondere Bedeutung zu. Klassischen Hochzeitspflanzen werden bestimmte Eigenschaften, Lebenseinstellungen und Hoffnungen zugeordnet. Blüten allgemein sollten früher die Jungfräulichkeit der Braut unterstreichen. Je zarter und vollkommener diese waren, desto besser standen sie dem jungen Mädchen zu Gesicht. Auch wenn heutzutage weit weniger in den Blumenschmuck hineininterpretiert wird, so ist eine blütenlose Hochzeit doch undenkbar. Weiß als die Hochzeitsfarbe schlechthin betont die bräutliche Unschuld.

Rosen als frivoles Symbol

Am edelsten verkörpert sie die weiße Lilie, auch Madonnen-Lilie genannt. Sie zählt zu den klassischen Bauerngartenpflanzen und guten Schnittblumen, deren Blütenstaub allerdings unschöne Flecken auf der Tischdecke hinterlässt. So beliebt Rosen heutzutage im Brautstrauß sind, so selten sah man sie dort früher. Rosen galten als leicht frivoles Symbol für die Göttin der Liebe und die verführerische Sinnlichkeit der Frau. „Man muss die Rose auf dem Stiel nicht welken lassen“, drängte man Eltern, ihre heiratsfähige Tochter unter die Haube zu bringen. Erst nachdem die Gottesmutter Maria mit Rosen dargestellt wurde, war die Königin der Blumen salonfähig und ist seit Jahrzehnten die Nummer eins. Mit ihrer Vollkommenheit unterstreichen Rosen die Schönheit der Braut. In roten Blüten scheint das Leben wie Blut zu pulsieren, weiße versinnbildlichen die Reinheit der Liebe. Die Stacheln erinnern daran, dass Liebe und Leid oft eng beisammen liegen.

Zu Rosen werden im Brautschmuck gerne Freesien kombiniert. Einerseits bilden sie mit ihren eleganten Blütenrispen einen harmonischen Kontrast zu runden Rosenblüten. Andererseits sollen die zahlreichen Freesienknospen ein Zeichen für Zärtlichkeit, Vertrautheit und Unschuld darstellen. Für Freesien sprechen auch ihre große Farbenvielfalt, der süße Duft und die gute Haltbarkeit im Tischgesteck oder Brautstrauß.

Zartes, sittsames Veilchen

Bei bäuerlichen Hochzeiten der deutschen Romantik hatte das Veilchen Hochkunjunktur. Die zarte und sittsam wirkende Blume in schönstem Sehnsuchts-Blau stand für gerade erwachende Liebe und brave Bescheidenheit. Auch das Vergissmeinnicht empfiehlt sich schon des Namens wegen als Blume der Liebenden. In Vergessenheit geraten ist die Nelke als Hochzeitspflanze. Sie war noch in den 60er-Jahren sehr beliebt, vor allem in der leuchtenden Liebesfarbe Rot. Heute haftet Nelken ein etwas altmodisches und nicht sehr positives Image an. Lediglich in der Trauerfloristik finden die duftenden Blumen noch vielfach Verwendung.

Ein Myrtenkranz im Haar

Auch immergrüne Pflanzen sind untrennbar mit Hochzeitstraditionen verbunden, allen voran die Myrte (Myrtus communis). Jungfräuliche Bräute trugen früher einen Myrtenkranz im Haar, ebenso die Brautjungfern. Nach der Hochzeit stellte man ein paar Zweige zum Bewurzeln ins Wasser und pflegte die Myrten als Zimmerpflanze weiter. Zwischen Mai und August entwickelt der kleine Strauch zahlreiche, duftende weiße Blüten.

Aromatische Brautsträuße

Ein herrliches Aroma dürften auch die Brautsträuße verströmt haben, die bei römischen Bräuten vor rund 2000 Jahren beliebt waren. Sie bestanden unter anderem aus Orangenblüten, Rosmarin, Thymian und Salbei. Rosmarin als Hochzeitspflanze ist nach wie vor gebräuchlich. „Besteckt die Brust mit Rosmarin, die Liebe wird nicht mehr entflieh’n“, rät ein altes Sprichwort.

Seine immergrünen Nadeln stehen für eheliche Treue, und auch das belebende Aroma spielt eine Rolle. Es soll das Gedächtnis stärken und die Eheleute von Beginn an auf dem rechten Kurs halten. Ein Rosmarin-Hochstämmchen als Hochzeitsgeschenk kommt sicher gut an, verleiht das mediterrane Kraut dem gemeinsamen Leben doch auch kulinarische Würze.

Erst biegsam, später widerstandsfähig

Besonders bedeutungsvoll und langlebig sind Bäume als Gabe fürs glückliche Paar. Die Gehölze sprechen ihre eigene Sprache. So gilt die Eiche als Zeichen der unerschütterlichen Stärke. Die Birke mit ihrem frühen Blatt austrieb und den erst im Lauf des Jahres stärker werdenden Ästen soll an die Entwicklung der Ehe erinnern: anfangs biegsam und jung und erst mit der Zeit hart und widerstandsfähig. Auch fruchttragende Gehölze wie Eberesche, Vogelkirsche oder Apfelbäume stehen auf der Beliebtsheitsskala der Hochzeitsbäume ganz oben. Eine tolle Idee haben manche Städte und Gemeinden wie zum Beispiel Coburg oder Münster umgesetzt. Sie haben einen öffentlichen „Hochzeitswald“ angelegt, in dem Paare ihren ganz persönlichen Baum pflanzen können. Auf diese Weise kommen auch Stadtmenschen ohne eigenen Garten zu einer mitwachsenden Erinnerung an den „schönsten Tag im Leben“.

© Gmünder Tagespost 11.05.2018 13:41
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