Die Welt der Bienen als Leidenschaft

Hobby Katja Eiberger aus Trübenreute bei Dewangen liebt den Umgang mit den summenden Insekten. Als Imkerin arbeitet sie bienenfreundlich und setzt auf Naturmaterialien und Ökologie.
  • Foto: Christian Frumolt
  • Ein ruhiges Arbeiten ist beim Imkern das A und O, denn Bienen sind sehr sensibel. Katja Eiberger schätzt dieses Innehalten bei der Arbeit mit den fleißigen Insekten. Foto: Christian Frumolt

Was ist es, was Katja Eiberger so an den Bienen fasziniert? – Zum Beispiel die Arbeitsteilung. Den Stock verlassen nur die Senioren, die den besten Orientierungssinn haben, um den Nektar und den Blütenstaub einzuholen. Je nach Entwicklung kümmern sich die jüngeren Bienen erst ums Putzen der Waben, dann um die Aufzucht der Brut, den Bau der Waben und schließlich um das Verteidigen des Stocks.

„Drohnenschlacht“ im Herbst

„Bienen sind sehr konsequent“, beschreibt sie. Die Drohnen, die Männer, sind nur da, wenn man sie braucht. Zum Befruchten der Königin. Ist dieser Dienst im Herbst getan, folgt die „Drohnenschlacht“ und sie werden vor die Tür gesetzt. „Sie sind dann zu nichts mehr zu gebrauchen. Sie tun nichts. Sie sammeln nicht, sie verteidigen und putzen nicht, sie lassen sich sogar füttern. Da könnte man zur Feministin werden,“ sagt Katja Eiberger mit einem verschmitzten Augenzwinkern.

Sie ist verheiratet, Mutter von zwei Kindern und arbeitet für die Zentralbank der Volks- und Raiffeisenbanken. Sie ist viel unterwegs. Schon allein um ihre Ökobilanz auszugleichen widmet sie sich dem Imkern.

Bienen als großer Wunsch

Es war ihr Sohn, der sie zum Imkern brachte. Es kostete viel Mühe, ihn davon zu überzeugen, dass Hasen die besseren Haustiere sind. Doch Julius wollte Bienen. Er hatte in der Waldorfschule Bienen-AG und war vom Imker-Virus infiziert. Als sein Klassenlehrer zum Hausbesuch kam, wurden die Bienen wieder ein Thema.

Die Familie Eiberger/Seidel wohnt nämlich in Trübenreute bei Dewangen auf dem Gelände einer ehemaligen Landwirtschaft. Das Wohnhaus haben sie neu gebaut. Den Schweinestall mit Taubenschlag und die Scheune errichteten sie originalgetreu. Zum Areal gehört auch das ehemalige Bienenhaus.

Der Klassenlehrer ist der Schulimker und begeistert vom Zuhause seines Schülers. „Sie sollten Bienen haben“, meint er. „Das sind doch die, die stechen“, ist ihre erste Reaktion. Das war im Herbst vor acht Jahren. Im Frühjahr schaute Katja Eiberger bei der Bienen-AG vorbei, war fasziniert und wurde Imkerin.

Honigbienen können ohne Imker in Europa nicht überleben.

Katja Eiberger, Imkerin

Sie ging zum Bienenzuchtverein. Der typische Imker war damals noch männlich, Rentner und hatte seit 40 Jahren Bienen. Doch die Begrüßung auf ihrer ersten Sitzung – „Sie sind hier bestimmt falsch.“ – hat sie angespornt. Auch, als ihr erstes Volk von Räubern zerstört wurde.

Große Gefahr: Varroamilbe

„Bienen haben es schwer. Ohne Imker können Honigbienen in Europa nicht mehr überleben“, erzählt sie. Der Grund ist die Varroamilbe. Die muss die Imkerin mit Säuren im Zaum halten. Die Behandlung macht sie nach der Honigernte im August, September und auch im Dezember.

Katja Eiberger nimmt ihren Bienen nicht den ganzen Honig weg. „Ich bin so bienenfreundlich wie möglich“, sagt sie. „Ich verwende für die Behausung auch Naturmaterialien. Die Bienen haben die Möglichkeit zum Naturwabenbau“, sagt sie und erläutert: „Sie dürfen sich also selbst Waben errichten und werden nicht in ein Standardmaß gezwungen. Und ich mache alles von Hand: schleudern, rühren, abfüllen, etikettieren, und so weiter.“ Klar, dass so keine großen Mengen an Honig entstehen. „Und wenn der Honig ausverkauft ist, kann ich nur auf den nächsten Sommer verweisen. Honig zu kaufen lehne ich einfach ab.“

Es ist Frühling. Jetzt geht es in den Bienenstöcken geschäftig zu. Im Frühjahr hat ein Volk etwa 5 000 Bienen und wächst auf 30 000 an. Dann muss Katja Eiberger mehr Platz für die Bienen schaffen, damit nicht ein Teil ausschwärmt.

Jedes Volk ist unterschiedlich. Es gibt welche, die launisch sind, auf Verteidigung gebürstet. Katja Eiberger hört allein schon am Summen, wie die Stimmung im Stock ist. Bienen sind auch sehr sensibel. Mal schnell zwischen der Arbeit und den Kindern abholen bei den Bienen etwas zu erledigen gelingt nicht. Man muss da einfach ruhig sein. Dieses Innehalten schätzt die Imkerin. So betont Katja Eiberger: „Die Arbeit mit den Bienen ist so gut wie Yoga.“

© Gmünder Tagespost 09.03.2018 16:54
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