Ein bunter Garten auf Balkonien

Dekoration Wer keinen Garten besitzt, kann auch im Kasten einen farbenfrohen Blumenmix heranziehen. Aber nicht jeder ist gut für die Natur.
  • So eine schöne Blumenwiese gibt es auch in Mini. Entsprechende Samenmischungen finden sich im Handel. Insekten allerdings profitieren nur wenig davon. Denn Nektar und Pollen hat längst nicht jede Balkonwiese zu bieten.
    Fotos: Pixabay (l. und r. u.), courtyardpix/Shutterstock.com (r. o.)

Samenmischungen blühen bunt und verbreiten wochenlang ein fröhliches Sommergefühl. Das gilt für die Blumenwiese, die im Garten ausgesät wird, ebenso wie für das kleine Wiesenfleckchen im Topf oder Kasten. Die erprobten Mischungen setzen sich zusammen aus sehr vielen verschiedenen Arten, das Wiesenstück wird mit ziemlicher Sicherheit hübsch blühen und die Menschen erfreuen.

Wer allerdings meint, damit zum Artenschutz beizutragen, für den folgt jetzt die Ernüchterung: Die bunten Blüten werden von Schmetterlingen, Honig- und Wildbienen angeflogen, und zwar von jenen Arten, die ohnehin weit verbreitet sind. Gefährdete Arten der freien Landschaft finden in den Aussaaten keine Überlebenshilfe. Das erste Problem besteht darin, dass sich in den Mischungen schön blühende Pflanzenarten aus verschiedenen Steppengebieten der Welt befinden, sie bieten Futter für wenig spezialisierte Insekten unserer Breiten, doch den wählerischen und dadurch bedrohten Arten hilft diese Bepflanzung nicht.

Noch so viele gut gemeinte Balkonkästen können den Schwund von Lebensräumen in der Natur, wie etwa den Rückgang der Trockenrasen, nicht ausgleichen. Zweitens kommt hinzu, dass ein Wiesenstückchen in einem Gefäß immer nur für beschränkte Zeit vorhanden ist. Selbst wenn man eine lange Blühabfolge bedenkt und die dürren Stängel lange stehen lässt, kommt im Herbst die Zeit, in der man Pflanzgefäße abräumen möchte. Überwinterungsmöglichkeiten findet das Kleingetier dann nicht mehr.

Rettender Anker

Trotzdem darf man die Blüten nicht unterschätzen, denn blühende Balkonblumen stellen einen kleinen Trittstein dar, wenn es um das Überleben von Insekten geht. Wenn logischerweise in freier Natur und angrenzenden Rasenflächen nichts Fressbares zu finden ist, dann sind Nektar und Pollen im Balkonkasten der rettende Anker. Um so eine Insektenhilfe zu bieten, braucht es allerdings nicht unbedingt eine Wiesenblumenmischung, Beet- und Balkonpflanzen können denselben Zweck erfüllen, wenn man weiß, worauf es ankommt. Denn hier kann man auch leicht völlig danebengreifen. Viele unserer Balkonpflanzen haben zwar große, farbkräftige Blüten, in punkto Nahrung aber haben sie wenig zu bieten. Geranien etwa stellen keinerlei Nektar bereit. Dies wirkt sich auf das Taubenschwänzchen aus, das wir in den letzten Jahren immer häufiger und immer früher bei uns beobachten können, weil der Schmetterling inzwischen bei uns überwintern kann. Der Falter mit seinem plumpen Körper schwirrt wie ein Kolibri und rollt seinen langen Saugrüssel in die tiefe Mitte von Blüten aus. Wenn er bei seinem kräftezehrenden Flug nichts findet, folgt bald tödliche Erschöpfung.

Röhrenblumen für Insekten

Geeignete Nektarblumen sind dagegen Röhrenblüten, an deren Grund die Pflanze den Zuckersaft bereitstellt, damit Insekten mit langem Saugrüssel herbeifliegen und beim Schlecken mit Pollen in Berührung kommen, den sie zur nächsten Blüte, wo sie sich erneut laben, weitertragen. Auf diesem Prinzip beruht die Bestäubung der meisten Pflanzen. Und wenn der Pollentransport durch Insekten nicht mehr stattfindet, hat der Obstbau ein gravierendes Problem, denn Obstbäume sind auf die Bestäubung durch Pollen anderer Pflanzen angewiesen, zumindest fruchten sie bei Fremdbestäubung besser.

Auf ungefüllte Blumen achten

Unter den Sommerblumen sind alle wertvoll, die viel Pollen enthalten. Bei der Auswahl muss man daher auf ungefüllte Blumen achten, die viele Staubblätter enthalten. Bei gefüllten Blumen wurden die Staubblätter in Blütenblätter umgewandelt, eine gefüllte Blüte besitzt daher weniger Pollen. Das ist bei Rosen ebenso wie bei Dahlien, die im Herbst zusammen mit den Schmuckkörbchen und den Astern so wichtig sind, weil sie noch blühen, wenn Blühendes in freier Natur rar geworden ist.

Mehrjährige Topfpflanzen

Verschiedene mehrjährige Topfpflanzen bieten sich an, weil sie Schutz im Winter bieten: Prachtkerzen, Sonnenhut, Sonnenauge, Kokardenblume und Prachtsedum können mit etwas Schutz den Winter über im Freien bleiben. Mit solchen Stauden lassen sich ungemein dekorative Gefäßbepflanzungen erzielen, weil man sie während der Wachstumszeit mit einjährigen Blumen wie Mohn, Portulakröschen, blauem oder rotem Lein oder mit farblich passenden Balkonpflanzen ergänzen kann. Besonders wertvoll sind die großblumigen und farbkräftigen Zinnien. Großen Nutzen besitzen obendrein alle kletternden Pflanzen, die man im großen Pflanzgefäß ziehen kann, wie Glockenrebe, Feuerbohnen oder mehrjährige Clematis: Sie tragen nicht nur Blüten, sondern ihre Blattmasse hält viele Verstecke bereit. Hängt man dann in der Nähe Nisthilfe für Insekten auf, die Schilfhalme oder angebohrte Holzblöcke enthalten, kann man aus nächster Nähe die Brutpflege von Insekten beobachten.

Kräuter locken Schmetterlinge an

Ein gutes Nektarangebot bieten alle Kräuter, deren duftende Lippenblüten regelrechte Schmetterlings magneten darstellen. Thymian, Majoran, Rosmarin oder Ysop im Topf sind ideale Futterpflanzen für Insekten, sie gedeihen im Sommer bestens im Freien, blühen wochenlang und bereichern die Küche. Überaus attraktiv für Insekten sind gleichfalls Duftnesseln und
Bergminze.

© Gmünder Tagespost 04.05.2018 14:42
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