Hopfen – der leckere Heilsbringer

Alleskönner Nicht nur für Bier: Auch im Garten ist Kletterkünstler Hopfen gut zu haben. Die Zapfen sorgen zudem seit Jahrhunderten für Wohlergehen.
  • Ein Sichtschutz gefällig? Eine Hopfenpergula wächst zügig heran. Aus den weiblichen Blütenständen entwickeln sich die typischen Hopfenzapfen.
    Fotos: Helga Schneller(2), Pixabay

Hopfen ist in aller Munde – zumindest bei Zeitgenossen, die gerne ein Bier genießen. Als eine der im Reinheitsgebot festgelegten vier Zutaten verleiht die Pflanze mit ihrem bitter-würzigen Aroma dem Gebräu seinen charakteristischen Geschmack. Die Verwendung des Hopfens als Bierwürze war bereits im 9. Jahrhundert verbreitet. Mönche, die bekanntlich der Kunst des Bierbrauens besonders zugetan waren, kultivierten die Kletterpflanze in klösterlichen Hopfengärten. Heute gilt die Hallertau als traditionelles Hopfenland, das geprägt ist von meterhohen Rankgerüsten, an denen sich der Bierhopfen in die Höhe windet.

Hopfen im Schwabenland

Mit etwas Glück kann der Spaziergänger dem heimischen und wild wachsenden Gemeinen Hopfen (Humulus lupulus) auch im Schwabenland begegnen, etwa im Auwald oder an einem Gebüschsaum. Dort nutzt er gerne Sträucher oder Bäume als Rankhilfe, die er mit langen Fingern stets im Uhrzeigersinn umschlingt. Dass Hopfen ein wahrer Kletterkünstler ist, macht ihn auch für den Garten interessant. Überall da, wo ein schneller Sichtschutz gewünscht wird oder unschöne Ecken begrünt werden sollen, bietet sich Hopfen als unkompliziertes Gewächs an. Ein Spalier oder eine Pergola erobert die zu den Hanfgewächsen zählende Pflanze in kurzer Zeit. Dazu benutzt sie ihre sogenannten Klimmhäkchen, die an Stängel und Blattstielen sitzen.

Beruhigend und schlaffördernd

Die Hopfenblätter sind recht groß und in der Form variabel, meist aber herzförmig, deutlich gelappt und markant geädert. Hopfen ist zweihäusig, das heißt, es gibt rein weibliche und männliche Pflanzen. Von Juli bis August blühen beide Geschlechter, doch nur aus den weiblichen, zapfenförmigen Blütenständen entwickeln sich auch die typischen Hopfenzapfen. Männliche Blüten bleiben mit rispigen, grüngelben Blüten eher unscheinbar. Die hellgrünen Hopfenzapfen sind nicht nur hübsch anzusehen, sie bergen auch wertvollen Inhalt: Bitterstoffe („Hopfenharz“), Gerbstoffe und reichlich ätherisches Öl, das sich in den so genannten Lupulindrüsen auf der Innenseite der Hüllblätter befindet und hopfentypisch aromatisch riecht. Als Heilpflanze ist Hopfen für seine beruhigende und schlaffördernde Wirkung bekannt. Wer sich gegen Unruhe und Schlafstörungen Beruhigungs-Kapseln besorgt, findet neben Baldrian oftmals auch Hopfenextrakt auf dem Beipackzettel. Sehr geeignet sind getrocknete Hopfenzapfen auch als Füllung für entspannende Kräuterkissen. Damit das Aroma nicht zu herb gerät, kombiniert man den Hopfen am besten mit anderen duftenden Kräutern wie Lavendel, Melisse oder Kamille. Auch in Teemischungen entfaltet Hopfen seine wohltuende Wirkung. Mit seinen Bitterstoffen unterstützt er Appetit und Verdauung, stärkt Magen und Galle. In der Frauenheilkunde hat die Pflanze seit langem ihren Platz. Hopfen verfügt über eine östrogenartige und hormonausgleichende Wirkung und unterstützt bei Wechseljahresbeschwerden das Wohlbefinden. Sogar als Nahrungsmittel wurde Hopfen von unseren Vorfahren genutzt. Die jungen Hopfensprossen schmecken spinatartig und können gedünstet oder gebraten als Wildgemüse zubereitet werden.

Bis zu acht Meter hoch

Im Garten bevorzugt Hopfen einen sonnigen bis halbschattigen Platz und nährstoffreichen, tiefgründig lockeren, feuchten Boden. Gepflanzt werden kann im Frühjahr oder Herbst. Frisch gesetzter Hopfen entwickelt im ersten Jahr noch nicht seine volle Wuchskraft. Erst wenn die Pflanze gut eingewurzelt ist, legt sie mit dem Längenwachstum los. Reichlich Kompost im Frühjahr und eine Mulchschicht sichern den Nährstoffbedarf und halten den Boden feucht. Die Sortenauswahl in Gärtnereien und Baumschulen beschränkt sich auf eine Handvoll, die sich hauptsächlich durch ihre Wüchsigkeit unterscheiden. Bis zu acht Meter in die Höhe strebt beispielsweise die Sorte „Hallertauer Tradition“, mit durchschnittlich fünf Metern etwas niedriger bleibt der Hopfen „Klettermax“ oder „Merkur“. Für Rosenbögen oder Pergolen gut geeignet ist der Zwerghopfen (Humulus lupulus „Gimli“) mit etwa drei Meter langen Ranken. Mit gelbgrünem Laub schmückt sich die Züchtung Gold-Hopfen (Humulus lupulus „Aureus“), die nicht so stark wächst und auch für kleinere Rankgerüste oder Obelisken in Frage kommt.

Winterharter Wurzelstock

Als sommergrünes Gewächs stirbt jede Hopfenpflanze über den Winter oberirdisch ab. Der Wurzelstock ist winterhart und treibt im Frühjahr wieder aus. Die dürren Triebe werden im Spätwinter zurückgeschnitten. Wuchert Hopfen über den Sommer allzusehr, kann er problemlos bei Bedarf gestutzt und in Form gebracht werden.

Manchmal ist es auch nötig, abstehende Triebe ans Rankgerüst zu leiten. Findet der Schlinger keine geeignete Stütze, schickt er seine langen Triebe einfach flach über den Boden.

Fruchtbesetzte Triebe als dekorativer Blickfang

Im Spätsommer ist Sammelzeit für die Hopfenzapfen, die ihre Reife durch bräunliche Färbung signalisieren. Eingewunden in einen Türkranz sind die fruchtbesetzten Triebe ein dekorativer Blickfang. Später können die rascheltrockenen Zapfen ins Kräuterkissen wandern und dort für wohlige Entspannung sorgen. Jahrelang aufheben sollte man getrocknete Hopfenzapfen übrigens nicht, denn überlagerter Hopfen entwickelt ein leicht muffiges Odeur.

© Gmünder Tagespost 02.03.2018 16:23
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