Hundert Prozent Vereinssponsoring der Sportwettenanbieter in der 1. Bundesliga

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  • Bildunterschrift Tabelle: Foto: © schwaebische-post.de, Überblick über die Sponsoren der Bundesligaklubs aus dem Bereich Sportwetten
  • • Bildunterschrift: Foto: © schwaebische-post.de, Von 2015 auf 2016 haben sich die Werbeausgaben der Sportwettenanbieter in Deutschland mehr als verdoppelt, eigene Darstellung

In den letzten fünf Jahren haben die Sportwettenanbieter ihr Vereinssponsoring bei den Klubs der 1. Fußball-Bundesliga massiv ausgebaut. Noch 2006 untersagte das Stadtamt Bremen dem Klub Werder Bremen das Werben mit dem Logo von Bwin auf den Trikots. In der abgelaufenen Saison gab es keinen einzigen Bundesligisten mehr, bei dem in der Sponsoren-Liste kein Sportwettenanbieter auftauchte.
Werbung für Sportwetten im Sport selbst deckt natürlich weite Teile der Zielgruppe ab und erhöht den Bekanntheitsgrad enorm. Wenn sogar der Deutsche Fußballbund in naher Zukunft mit einem Sportwettenanbieter wirbt, wird die Präsenz der Sportwettenanbieter noch einmal auf ein neues Level gehoben. Gerüchten zufolge steht Tipico mit dem DFB in Verhandlungen über einen Mega-Deal.

Immer mehr Anbieter drängen auf den Markt

Der Erfolg von Sportwetten hat in den letzten Jahren immer neue Anbieter wie Pilze aus dem Boden schießen lassen. Inzwischen tummeln sich auf dem Markt hunderte von Anbietern. Bei der hohen Anzahl an Wettanbietern ist es für Kunden nicht leicht, den Überblick zu behalten. Unterschiedlichste Bonus-Angebote, unzählige Wettarten für die verschiedensten Sportarten und Fusionen tragen ebenfalls zur Verwirrung bei. Um hier als Kunde durchzublicken, ist vor der Abgabe einer Wette ein Anbieter Vergleich sehr hilfreich.

Neun Sportwettenanbieter für achtzehn Bundesligisten

Als Sponsoren der großen europäischen Klubs treten hauptsächlich die Großen der Branche auf. Wer auf den Banden in den Stadien, auf den Trikots der Profis und den Webseiten der Klubs sein Logo präsentieren kann, erreicht Millionen von potenziellen Kunden. Das Endspiel der Champions League-Saison 2012/13 zwischen Bayern München und Borussia Dortmund verfolgten allein in Deutschland mehr als 21 Millionen Zuschauer. Die Spiele von Borussia Dortmund sehen im heimischen Signal Iduna Park regelmäßig 80.000 Zuschauer im Schnitt.
Bei solchen Zahlen lassen es sich die Sportwettenanbieter schon einiges kosten, im Stadion und allen anderen Vertriebskanälen präsent zu sein. Die folgende Tabelle aus Grafik 2 gibt einen Überblick über die Sponsoren der Bundesligaklubs aus dem Bereich Sportwetten.

Während die Sportwettenanbieter sich teilweise gleich bei mehreren Klubs engagieren, genießen sie bei den Vereinen in der Regel Exklusivrechte. Lediglich beim SC Freiburg ist die Stelle eines Wettpartners derzeit vakant, da CVC Capital Partners als Eigner der Marke Tipico den im Juni 2017 auslaufenden Vertrag nicht verlängerte.

Erster deutscher Fußballklub betätigt sich als Sportwettenanbieter

Ein Experiment der ganz besonderen Art wagt derzeit Regionalligist Kickers Offenbach. Auf einer Unterseite des Webauftritts der Offenbacher können Wettfreunde ihre Wetten auf über 200.000 Sportereignisse platzieren. Als Sponsor tritt der englisch-österreichische Anbieter Tiplix auf. Dieser übernimmt für den Verein auch den kompletten Kundenservice, die Kundenpflege und wickelt alle Transaktionen ab.

Finanziell ist das für den ewig klammen Verein ein lukratives Geschäft. Kickers Offenbach ist direkt an den Umsätzen über Provisionen beteiligt, die sich im Rahmen von 30 bis 40 Prozent des Wetteinsatzes bewegen. Aktuell zählt der Verein etwa 2.600 Mitglieder. Nicht jedes davon wird auf der Homepage Wetten platzieren. Zählt man aber die Sympathisanten dazu und geht von einem durchschnittlichen Wetteinsatz von 10 Euro pro Spiel aus, können sich die Mehreinnahmen schnell im fünfstelligen Bereich pro Monat bewegen. Auf jeden Fall können sich die Fans im Fall einer verlorenen Wette damit trösten, zumindest ihren Verein finanziell unterstützt zu haben.

Werbeausgaben steigen von Jahr zu Jahr

Aktuell ist der Sportwettenanbieter bet-at-home.com AG der einzige Hauptsponsor eines Bundesligavereins. Alle anderen Anbieter sind in der Regel auf der zweiten Ebene als Premium-Partner angesiedelt. Bet-at-home lässt sich sein Engagement in der 1. Fußball-Bundesliga als Hauptsponsor von Hertha BSC Berlin und Premium-Partner von Schalke 04 knapp acht Millionen Euro jährlich kosten. Das ist aber noch nicht die Spitze des Eisbergs. Tipico unterstützt mit Bayern München, RB Leipzig und den Hamburger SV gleich drei Klubs und zahlt allein an die Münchner 5,5 Millionen Euro jährlich. Hier einige Beispiele für die Werbesummen der Wettanbieter:

• Bayern München: Platin-Partner Tipico zahlt etwa 5,5 Millionen Euro pro Jahr
• Borussia Dortmund: Champions-Partner Bwin zahlt etwa 3 Millionen Euro pro Jahr
• Hertha BSC: Hauptsponsor Bet-at-home zahlt etwa 6 Millionen Euro pro Jahr
• Schalke 04: Premium-Partner Bet-at-home zahlt etwa 1,9 Millionen pro Jahr
• VfL Wolfsburg: VfL-Top-Partner XTip zahlt etwa 1,3 Millionen Euro pro Jahr
• FC Köln: Exklusivpartner Betsafe zahlt etwa 0,7 Millionen Euro pro Jahr

Wie die Statistik aus Grafik 3 zeigt, gab es insbesondere zum Jahreswechsel 2015 auf 2016 einen deutlichen Anstieg der Werbeausgaben um 123 Prozent. In diesem Zeitraum gab es einige Mega-Deals in Form von Fusionen und Übernahmen, die die Finanzkraft der Glücksspielanbieter noch weiter stärkte und so auch die Werbeausgaben in die Höhe schnellen ließen.

Tipico will Premium-Partner des DFB werden

Sponsor bei einem Verein aus der 1. Fußball-Bundesliga zu sein, ist das eine. Ein Sponsoring beim größten nationalen Sport-Fachverband der Welt ist eine ganz andere Dimension. Das ist nämlich der Deutsche Fußball-Bund (DFB) mit knapp 7 Millionen Mitgliedern seiner angeschlossenen Vereine. Der Sportwettenanbieter Tipico will künftig seine Marktposition noch weiter verbessern und verhandelt aktuell mit dem DFB über eine Premium-Partnerschaft. Im Raum steht eine Summe von 30 Millionen Euro, verteilt über einen Zeitraum von vier Jahren. Auch Bwin liebäugelt angeblich mit dem ab der Saison 2018/19 freiwerdenden Platz bei den Premium-Partnern. Die Bitburger Braugruppe hat bekannt gegeben, den bis Sommer 2018 laufenden Vertrag mit dem DFB nicht zu verlängern.

 

© Gmünder Tagespost 20.02.2018 08:54
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