Saure Leckerei mit so viel Stiel

Rhabarber Die Nutzpflanze liefert den ersten saftigen Genuss aus dem Garten. Bei guter Pflege fällt die Ernte der säuerlichen Stangen jedes Jahr üppiger aus.
  • Vielseitiges Knöterichgewächs: Rhabarber kann man mit etwas Zucker wunderbar zu Kompott oder Marmelade verarbeiten. Kaffeeonkel und -tanten schwören auf Rhabarberkuchen.
    Fotos: Helga Schneller (l.),
    Pixabay (r. o. und r. u.)

Sauer macht lustig! Wenn das Sprichwort stimmt, sollten Rhabarberfans nach dem Genuss der rot-grünen Stangen allerbester Laune sein. Die saure Herbheit ist schließlich das Charaktermerkmal des Rhabarbers. Verantwortlich dafür ist Oxalsäure, die die Pflanze in ihren Stängeln und vor allem den großen Blättern reichlich enthält. Die Säure ist zwar nicht giftig, kann in größeren Mengen und bei entsprechend veranlagten Menschen aber beispielsweise Nieren und Galle belasten.

Nur wenige Wochen ernten

Da der Säuregehalt im Laufe der Saison immer mehr zunimmt, gilt der 24. Juni als Enddatum, nach dem Rhabarber nicht mehr geerntet werden soll. Und das nicht nur der eigenen Gesundheit, sondern auch dem Rhabarber zuliebe, der nach der gewaltigen Wachstumsleistung im Frühjahr eine Regenerationsphase braucht. Grund genug also, die wenigen Wochen der Erntezeit zu genießen. Sobald der Boden frostfrei ist, beginnen sich die dicken Rhabarberknospen aus dem Boden zu schieben. Bei genügend Feuchtigkeit und Wärme sind die ersten Stiele schon Ende April erntereif. Züchter zähmten die Säure

Im Mai und Juni hat die mächtige Pflanze Hochsaison. Rhabarber wird fast ausnahmslos zu Kompott, Marmelade, Kuchen und anderen Süßspeisen verarbeitet. Dabei zählt das Gewächs botanisch betrachtet zum Stielgemüse, ähnlich wie Mangold oder Staudensellerie. Da sein Geschmack aber so gar nicht gemüsig erscheint und Rhabarber durch den Kuss von Zucker oder die Umarmung von Kuchenteig ein erfrischend fruchtiges Aroma entfaltet, läuft er gemeinhin unter „Obst“. Seinen Weg nach Deutschland fand das Knöterichgewächs im 19. Jahrhundert, nachdem es zunächst von Russland aus durch Frankreich, die Niederlande und England reiste.

Die Barbarenwurzel

Die Heimat des Rhabarbers liegt im Himalaya. Seine Namensgebung verdeutlicht, dass ihn die Europäer wohl zunächst argwöhnisch betrachteten. Der lateinische Name Rheum rhabarbarum bedeutet soviel wie „fremdländische Wurzel“, kurzum die „Barbarenwurzel“. Tatsächlich wurden in der ursprünglichen Verwendung die unterirdischen Sprosse zu Medizin verarbeitet. Die Stiele dürften damals noch deutlich herber gewesen sein, denn die bei uns angebotenen Kultursorten wurden säuretechnisch durch Züchtung bereits gezähmt.

Drei-Gruppen-Einteilung

Rhabarber lässt sich grob in drei Gruppen einteilen: grünstielige Sorten mit grünem Fleisch, Sorten mit rotem Stiel und grünem Fleisch und solche, die außen wie innen rot gefärbt sind. Zu den grünen Varianten zählt die bekannte Sorte „Go liath“, die sich ihrem Namen entsprechend zu ausladenden Pflanzen mit hohem Ertrag entwickelt. Bis zu 90 Zentimeter Länge können die dicken Blattstiele erreichen. Der Geschmack ist würzig und dezent sauer. Milder sind rotschalige und grünfleischige Sorten wie „Frambozen Rood“ oder „Holsteiner Blut“. Am säureärmsten und mildesten sind schließlich durch und durch rote Rhabarber wie etwa „Vierländer Blut“. Rotstielige Sorten werden wegen ihres fruchtig-süßlichen Aromas auch als Himbeer- oder Erdbeer-Rhabarber bezeichnet. Eine Besonderheit bildet der so genannte Herbst-Rhabarber „Livingstone“. Diese englische Züchtung liefert sowohl im Frühjahr wie auch im Herbst zarte rote Stiele mit feinem Geschmack und sehr wenig Säure.

Blätter zum Mulchen

Beim Ernten sollte man die Stängel mit leichtem Dreh an der Ansatzstelle herauslösen. Die großen, markanten Blätter sind ungenießbar und können gut zum Mulchen der Rhabarberstaude benutzt werden. Pro Saison sollte nicht mehr als ein Drittel bis maximal die Hälfte der Stiele geerntet werden, um die Staude nicht zu stark zu schwächen. Blütenansätze bricht man heraus, damit die Pflanze keine Kraft verliert. Bei zarten, rotfleischigen Rhabarber-Stängeln entfällt das Schälen oft, von anderen werden die langen Fäden mit einem Messer abgezogen. Kann der ganze Rhabarber nicht auf einmal verkocht oder verbacken werden, lässt er sich – geputzt und in kleine Stücke geschnitten – problemlos einfrieren.

Rhabarber pflanzen und hegen

Wer eine Rhabarberstaude neu pflanzen möchte, sollte den Platz im Garten wohl überlegen. Schließlich bleibt die Pflanze zehn Jahre und länger an ihrem Standort. Als ursprüngliche Auwaldpflanze bevorzugt Rhabarber einen möglichst nahrhaften, tiefgründigen und gleichbleibend feuchten Standort in Sonne oder Halbschatten. Einen Quadratmeter Beetfläche brauchen selbst die schwächer wachsenden rotfleischigen Sorten als Minimum.Gepflanzt wird im März/April oder im Herbst, nachdem der Boden durch Umgraben vorbereitet wurde.
Die frisch gepflanzte Rhabarberstaude wird gründlich gewässert und erhält eine rund 5 Zentimeter dicke Schicht reifen Kompost zu Füßen. Eine Mulchschicht aus Holzhäckseln oder Schnittgut schützt den Wurzelbereich vor Austrocknung.
Um ihr enormes Wachstum zu stemmen, muss der Nährstoffappetit einer Rhabarberpflanze jährlich mit mehreren Litern Reifekompost und Hornspänen gestillt werden. In Trockenzeiten ist zudem reichliches Wässern wichtig. Unter einer Laubschicht mit Fichtenreisig kommt Rhabarber gut durch den Winter und treibt zeitig wieder aus.
Frisch gepflanzter Rhabarber wird frühestens ab dem zweiten Jahr beerntet, wenn die Pflanzen gut eingewachsen sind und dicke Blattstiele bilden.

© Gmünder Tagespost 13.04.2018 16:33
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