Spannende Reise in die Zeit der Römer

Geschichte Badenweiler im Markgräflerland hütet einen ganz besonderen kulturellen Schatz: Besucher können dort die Reste einer römischen Therme bestaunen und im Untergrund auf Entdeckungstour gehen.
  • Fotos: Karin Schmeißer/Badenweiler Thermen und Touristik GmbH/dpa-mag
  • Die Badruine liegt idyllisch beim Kurpark Badenweiler. Foto: Karin Schmeißer/Badenweiler Thermen und Touristik GmbH/dpa-mag
  • Eindrucksvoller Anblick: der Pont du Gard. Foto: Pixabay

Besucher erkennen die moderne Cassiopeia Therme in Badenweiler im Schwarzwald bereits von weitem. Unscheinbarer ist dagegen das Glasdach im Kurpark dahinter. Erst wer näher kommt und darunter späht, erkennt eine Steinlandschaft. Es handelt sich dabei um ein kulturelles Highlight: Sorgsam beschirmt wartet hier in Südbaden nämlich eine römische Badruine auf Besucher – und zwar die bedeutendste und am besten erhaltene nördlich der Alpen.

Geheime Gänge erkunden

Die Ruinenlandschaft kann zwar jederzeit besichtigt werden, doch in die geheimen Gänge kommt man nicht ohne Führer. Genau lassen sich die beiden Becken erkennen, in denen die Römer vor knapp 2000 Jahren dem Badevergnügen frönten. Eines davon diente als Vorbild für das Marmorbad der nebenan liegenden Therme, es ist dort das Becken mit dem wärmsten Wasser und gerade im Winter sehr begehrt.

Das heilsame Thermalwasser nutzten schon die Kelten, doch erst die Römer bauten die prächtige öffentliche Anlage mit zunächst zwei Badebecken im Jahr 75 nach Christus. Später kamen Empfangs- und Umkleideräume, Schwitzräume mit Kaltwasserbecken und steinumfriedete Terrassen dazu. Dort konnte man plaudern und Geschäfte machen.

Relikte einer großen Kultur

Die erste Therme in Badenweiler wurde als öffentliches Bad gebaut.

Heike Kleber
Thermenleiterin Badenweiler

Mit dem Ende des Römischen Reiches endete auch die Badekultur, und die Thermalanlagen gerieten in Vergessenheit. Erst unter Markgraf Karl Friedrich von Baden wurde die Therme 1784 wiederentdeckt. Zuerst fand man etliche große Steine im heutigen Kurpark und überlegte, diese für den Bau des großherzoglichen Palais zu verwenden. Als aber immer mehr zum Vorschein kamen, stoppte man den Abtransport und grub die Badruine systematisch wieder aus. Weit mehr als 100 Jahre war sie anschließend Wind und Wetter ausgesetzt, bis sie schließlich im Jahr 2001 die spektakuläre Glasüberdachung zum Schutz bekam.

Spannendes im Untergrund

Nun aber endlich ab in den Untergrund: Es geht durch eine Eisentür, die einen recht gut erhaltenen Gang schützt. Hoch und schmal ist er, oben halbrund gewölbt, die Steine sitzen seit bald 2000 Jahren in Reih und Glied. Nur an einer einzigen Stelle war der Drainagetunnel eingebrochen. Er diente dazu, das vom Hang her drückende Wasser abzuleiten, um die Fundamente der Badeanstalt trocken zu halten. Erst 1998 wurde der Tunnel wiederhergestellt, so dass man nun ringsherum gehen kann.

Betreut wird die Römische Badruine in Badenweiler von den Staatlichen Schlössern und Gärten Baden-Württembergs. Sie ist also wieder in öffentlicher Hand, genauso wie auch die benachbarte Cassiopeia Therme.

Die Gäste haben gespeist, gespielt, gestritten und gelacht.

Heike Kleber
Thermenleiterin Badenweiler

Thermenleiterin Heike Kleber erklärt die Parallelen: „Auch die erste Therme in Badenweiler wurde als öffentliches Bad gebaut.“ Finanziert wurde sie vom römischen Fiskus.

Die Besucher der damaligen Therme kamen vor allem aus Augusta Raurica, dem heute schweizerischen Kaiseraugst, und den römischen Gutshöfen der Umgebung. Die Gemeinde hatte zu seiner Blütezeit im 2. und 3. Jahrhundert bis zu 20 000 Einwohner – sowie ein Rathaus, ein Forum, Ladenpassagen und ein großes Amphitheater. Aber eben keine Thermalquelle. Und so fuhren die damaligen Bürger zum Baden ins heutige Badenweiler.

„Es war ein lebhafter Ort damals“, sagt Heike Kleber. „Die Gäste haben gespeist, gespielt, gestritten und gelacht.“ Entspannung, Freizeit und Erholung – besonders angenehm im warmen Wasser. Damals wie heute. dpa

Relikte auf der Ostalb

Wer die Spuren der Römer verfolgen möchte, muss gar nicht weit in die Ferne reisen. Der Limes-Park in Rainau beispielsweise ist ein spannendes Ausflugsziel für Jung und Alt. Auf einem rund elf Kilometer langen Rundwanderweg können Besucher dort allerlei entdecken – zum Beispiel die Überreste von Kastellgebäuden, einen rekonstruierten Limeswachturm oder auch das Limestor bei Dalkingen.

Und auch bei schlechtem Wetter kann man römische Kultur auf der Ostalb hautnah erleben – nämlich im Limesmuseum in Aalen. Derzeit wird das Museum zwar saniert, viele Ausstellungsstücke können Geschichtsfans aber im sogenannten LIMU 16/18, dem ehemaligen Haus der Stadtgeschichte, bestaunen. Das Limesmuseum befindet sich auf dem Gelände eines ehemaligen römischen Reiterkastells – und zwar dem größten, das nördlich der Alpen existierte. An das Museum angeschlossen ist eine Freilichtanlage, die trotz des Museumsumbaus besichtigt werden kann. Ein Spaziergang dort ist ein besonderes Erlebnis.

Und wer nach einem erlebnisreichen Tag entspannen möchte, kann in den Limesthermen in Aalen bei römischem Badeflair Wellness genießen. nad

Bauliche Meisterleistungen einer alten Hochkultur

Die Römer vollbrachten etliche architektonische Meisterleistungen. Die römischen Bauherren erschufen etliche beeindruckende Bauwerke. Viele überdauerten auch das Römische Imperium, das bis 395 nach Christus währte.

Der Baustil der Römer lehnte sich zunächst an den der Etrusker an, später orientierten sich die damaligen Bauherren auch an griechischen Elementen der Baukunst. Typische Bauwerke der Römer waren Foren, Triumphbögen, Thermen, Amphitheater und Basiliken. Als Baumaterial dienten behauene Steine, aber auch Beton kam bereits zum Einsatz. Die römischen Bauherren stellten diesen aus Mörtel, Kies und Sand her.

Noch heute können Interessierte beeindruckende Bauwerke der Römer bestaunen. Ein kultureller Prachtbau stellt zum Beispiel das Kolosseum in Rom dar, das das größte Amphitheater der Welt darstellt.

Ein kulturelles sowie politisches Zentrum im antiken Rom war das Forum Romanum. Besucher können von den beeindruckenden Prachtbauten heute noch die Ruinen bestaunen.

Sehenswert ist aber auch der Pont du Gard in Südfrankreich. Es handelt sich dabei um ein sehr gut erhaltenes Aquädukt aus der Römerzeit. Gebaut wurde es von den römischen Bauherren zum Transport von Wasser.

Die Via Appia, eine bedeutende Straße der Römer, wurde im Jahr 312 vor Christus in Angriff genommen und stellt ebenfalls ein Meisterwerk der Römer dar. Sie verlief zunächst zwischen dem alten Rom und Capua. Später wurde sie weiter ausgebaut – bis in die heutige Stadt Brindisi. Heute ist die Via Appia eine Staatsstraße, die großteils den gleichen Verlauf hat, wie die einstige Römerstraße. An ihrem Wegesrand finden sich auch viele historische Bauten.nad

© Gmünder Tagespost 20.04.2018 15:33
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