Wenn die erste Blüte lacht

Frühlingsgefühle Das Schneeglöckchen trotzt mit ersten Blüten winterlichem Unbill. Unter Gehölzen fühlt sich das Pflänzchen besonders wohl.

Und aus der Erde schauet nur, alleine noch Schneeglöckchen. So kalt, so kalt ist noch die Flur, es friert im weißen Röckchen...“. Mit liebevollen Worten bedichtete Theodor Storm einst den spätwinterlichen Auftritt von Galanthus. Weil das zarte Schneeglöckchen eine Ahnung von Frühling in sich birgt, bewegte es über Jahrhunderte hinweg die Gemüter von Romantikern, Pflanzenzüchtern und Wintermüden. Erhofft, ersehnt wird die kleine Zwiebelblume auch heute noch. Mag das Winterwetter noch so garstig sein, der Boden von harschem Schnee bedeckt – unverdrossen schiebt das Schneeglöckchen seine speerartigen Sprosse ans Licht und verkündet uns das baldige Ende des Winters.

Pflücken nicht erlaubt

Wild wachsend findet sich die Pflanze aus der Familie der Amaryllisgewächse in ganz Mittel- und Südeuropa sowie Westasien. Schneeglöckchen-Horste breiten sich gerne unter Gehölzen, in Laub- und Auwäldern aus, bevölkern aber auch steinige Hochlagen. Die wilden Vorkommen der Schneeglöckchen stehen unter Naturschutz. Ausgraben oder Abpflücken sind also nicht erlaubt. Das muss auch nicht sein, denn wer sich Schneeglöckchen in den Garten holen möchte, findet die kleinen Zwiebelchen im Herbst für wenige Euro bei Gartencentern und Staudengärtnereien. Das „klassische“ Schneeglöckchen ist unser heimisches Kleines Schneeglöckchen (Galanthus nivalis), dem aber noch rund 20 andere, verwandte Galanthus-Arten angehören.

Viele Namen für die Milchblüte

Weil Pflanzenzüchter schon immer großen Gefallen am Schneeglöckchen fanden, sind mehrere hundert Zuchtsorten entstanden. Seine Blütenfarbe trägt das Schneeglöckchen im botanischen Namen Galanthus, zusammengesetzt aus dem griechischen gála für Milch und ánthos für Blüte. Im Volksmund wird die Zwiebelblume auch Frühlingsglöckchen, Lichtmess-Glöckchen, Märzveilchen oder Milchblume genannt.

Die ersten Blüten des Schneeglöckchens gelten in der Natur als Anfang des Vorfrühlings. Kein Wunder also, dass auf der zarten Blume die menschliche Frühlingshoffnung ruht. Wer die schlichte Schönheit von den Schneeglöckchenblüten entdecken möchte, muss sich schon hinunterbeugen und genau hinschauen. Auf einem 10 bis 15 Zentimeter langen Stängel baumelt eine einzige Blüte, deren äußere drei Hüllblätter die inneren, grün gezeichneten Blütenblätter umschließen.

Wegweiser für Insekten

Das grüne Muster, ein sogenanntes Saftmal, ist Wegweiser für die ersten Insekten zu Nektar und Pollen. Auch der zarte, blumige Blütenduft, der sich menschlichen Nasen erst bei der Nahbegegnung erschließt, zieht frühe Bestäuber magisch an.

Schon ab Februar beginnt das Schneeglöckchen mit seinem Frühlingsgeläut. Schneeschauer und Graupelduschen können das zerbrechlich wirkende Geschöpf nicht erschrecken, denn eine Wachsschicht schützt die ganze Pflanze vor zu viel Nässe. Noch ein wenig früher als unser heimisches Schneeglöckchen erscheint das Großblütige oder Orientalische Schneeglöckchen (Galanthus elwesii). Diese kräftige, 15 bis 20 Zentimeter hohe Art mit etwas breiterem, graugrünem Laub eignet sich recht gut als Schnittblume für einen ersten kleinen Frühlingsstrauß. Auch in Töpfen und Kästen sorgt es mit seiner Blüte für einen Hingucker.

Besonderes Exemplar

Außergewöhnlich ist das Auftreten des Gefüllten Schneeglöckchens (Galanthus nivalis „Flora Pleno“), in dessen Blütenzentrum sich einige Schichten grüngestreifter Blütenblätter drängeln. Auch der Duft dieser Züchtung lässt schnell Frühlingsgefühle aufkommen. Besonders ausbreitungsfreudig zeigt sich das nach einem russischen Botaniker benannte Woronow-Schneeglöckchen. Dieses trägt frischgrünes Laub und zählt zudem zu den am frühesten blühenden Schneeglöckchen.

Nur mit Handschuhen berühren

Damit die Frühlingsboten im Garten gut gedeihen, brauchen alle Schneeglöckchen durchlässig-feuchten, humosen Boden in halbschattiger Lage. Unter Laubgehölzen und zwischen später austreibenden Pflanzen im Staudenbeet sind die Zwiebelblumen gut aufgehoben. Auch in Kombination mit anderen Frühblühern wie dem Elfenkrokus oder den sonnengelben Winterlingen sorgen Schneeglöckchen für die ersten Farbtupfer im Garten.

Nach der Blüte muss das Laub ungestört einziehen können. Stehen die Schneeglöckchen in einer Staudenpflanzung, markiert man den Platz am besten mit Stöckchen, um die ruhenden Zwiebeln beim Bodenlockern nicht zu stören. Größere Horste können nach der Blüte vorsichtig ausgegraben, geteilt und mitsamt der anhaftenden Erde umgepflanzt werden. Gartenhandschuhe sind hierbei empfehlenswert, denn Schneeglöckchen sind in allen Pflanzenteilen und besonders der Zwiebel giftig.

Frühblüher mit Startschwierigkeiten

Im ersten Jahr nach der Pflanzung bilden Schneeglöckchen oft nur wenige Blätter und Blüten. Das ist normal, denn die Pflanzen brauchen etwas Zeit, um Fuß zu fassen. Mit den Jahren legen sie in der Regel an Üppigkeit zu. Dauerhaft mickrige Blüten bei gleichzeitig langen Blättern sind dagegen ein Zeichen für zu viel Dünger.

© Gmünder Tagespost 19.01.2018 17:21
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