Prima Beetschwestern

Balkonblumen Zauberglöckchen und Petunien vertragen sich bestens und sind daher geeignet, in Nachbarschaft gepflanzt zu werden. Von Dorothee Waechter
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    Gleich und gleich gesellt sich gern: Zauberglöckchen und Petunien (blau) in einem Topf. Foto: Marion Nickig
Die Unterschiede sind für Laien kaum zu sehen: Petunien und Zauberglöckchen ähneln sich sehr – und eignen sich deshalb prima als Beetschwestern. Sie sind beide Nachtschattengewächse. Und beide tragen Glöckchen zu ihrer Zierde. Auf den ersten Blick scheinen sie verwandt. Und beide mögen auch noch die gleichen Standorte – also sind sie das perfekte Paar für Kasten und Ampel.
Petunien fallen vor allem wegen ihrer leuchtenden Farben auf. Richtig beliebt sind sie erst seit gut 20 Jahren, als Surfinia-Petunien auf den Markt kamen. Diese wachsen überhängend – perfekt für Balkonbepflanzung. „Bis zu ein Meter lang werden die Pflanzen bei richtiger Pflege und Düngung innerhalb eines Sommers“, erklärt Beate Kollatz, Referentin der Sächsischen Landesanstalt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie. Das gab ihnen einen modernen Anstrich.
Mehr als zehn Jahre später schafften Zauberglöckchen (Calibrachoa) ihren Durchbruch im Blumenhandel. Sie wirken auf den ersten Blick wie Mini-Petunien und stammen ebenfalls ursprünglich aus Südamerika. „Es ist nicht ganz leicht, aber es gibt ein paar Merkmale, mit deren Hilfe man die Gattungen unterscheiden kann“, erläutert Kollatz. Der auffälligste Unterschied sind Drüsenhaare auf den Petunienblättern, während das Laub der Zauberglöckchen glatt und nicht klebrig ist. „Bei den Petunien bleiben Schmutz und welke Blüten schon mal im Laub hängen.“

Auch die Blüten sind leicht unterschiedlich: „Bei den Zauberglöckchen kann man nur eine vertikal verlaufende Symmetrieachse durch die Blüte legen, während sich bei den Petunien mehrere dieser Linien anbieten“, erläutert Kollatz das botanische Detail. Auffälliger dagegen ist, dass nur Petunien duften. Einige Jahre war auch die Blütengröße ein Indiz für die Gattungszugehörigkeit. „Diese Unterschiede verschwimmen, denn mittlerweile gibt es ebenso großblumige Zauberglöckchen wie kleinblumige Petunien“, sagt die Expertin. Die Züchter bauen die Palette immer weiter aus. Bei beiden Pflanzen ist das Farbspektrum heute auch weit gefächert.
„Im Trend liegen derzeit vor allem Pink, Rosé und Lavendeltöne“, erklärt der Gärtnermeister Gerd Franzen aus Herten (Nordrhein-Westfalen). Und klare Farben wie Rot, Weiß und Blau sind gefragt. „Petunien gibt es auch mit nahezu schwarzen Blüten“, ergänzt Kollatz. Diese Exotik übt natürlich einen großen Reiz aus, braucht aber farbenfrohe Partner. Auch mit mehreren Farben spielen die Pflanzen: „Bei manchen Sorten ist der Schlund andersfarbig oder die Blütenblätter sind geadert“, beschreibt Kollatz. Sogar Streifen und Punkte tragen die Balkonschönheiten.
Schöne Blüten werden zu matschigen Mumien.
Die Blüten des Zauberglöckchens sind witterungsbeständiger und regenfester, denn sie schließen sich bei trübem Wetter. So kann Regenwasser oder Tropfenschlag die Blüten nicht beschädigen. Der Gärtner sollte hierzu wissen: Die Pflanzen haben ihre Trichter auch in den Morgenstunden zunächst noch geschlossen und öffnen diese erst, wenn die Sonne für mehr Helligkeit sorgt. Die Petunien sind empfindlicher, vor allem die großblumigen. Kollatz empfiehlt daher einen etwas geschützten Standort, so dass Regen ihnen nichts anhaben kann.

Fingerspitzengefühl beim Gießen
Beate Kollatz
Aber sonst mögen beide Pflanzen die gleichen Standortbedingungen: Es sollte sonnig sein, erklärt Gärtnermeister Franzen. Aber seiner Erfahrung nach ist auch ein leicht halbschattiger Platz möglich. Grundsätzlich zählen diese Balkonpflanzen zu den wüchsigen Arten. Das heißt: „Sie brauchen viel Dünger.“ Franzens Tipp ist eine hochwertige Blumenerde mit Langzeitdünger. Anderenfalls ist nach der Phase des Anwachsens, die in der Regel drei bis vier Wochen dauert, eine wöchentliche Flüssigdüngung erforderlich.
Die Pflanzen haben einen erhöhten Eisenbedarf. „Am besten verwendet man bei beiden Arten ein leicht saures Substrat“, empfiehlt Kollatz. In dessen pH-Wert-Bereich sei das Eisen für die Pflanzen besser verfügbar. Im Handel gibt es auch spezielle Substrate für Petunien, die diese Anforderung erfüllen.
Im Trend liegen derzeit vor allem Pink, Rosé und Lavendeltöne.
Fingerspitzengefühl braucht der Hobbygärtner beim Gießen, erklärt Kollatz. Denn um im Wurzelbereich optimal durchlüften zu können, sollte das Substrat hin und wieder abtrocknen können. „Dabei dürfen die Pflanzen selber allerdings nicht trocken werden.“ Sonst bekommen diese einen Dämpfer in ihrer Entwicklung, wodurch Vitalität und Blühwilligkeit leiden.
Die Blüten fallen in der Regel von alleine ab. Aber auf eine Ausnahme weist Kollatz hin: „Bei großblumigen Sorten werden die Blüten häufig zu matschigen Mumien, die an den klebrigen Blättern hängenbleiben.“ Die Expertin empfiehlt, diese dann zu entfernen und das möglichst mit Handschuhen, weil vor allem die bunten Sorten abfärben.
Gerd Franzen
Petunien und Zauberglöckchen eignen sich vor allem für Balkonkästen und Blumenampeln. Die robusten Surfinia-Petunien lassen sich auch im Beet als Bodendecker verwenden. Setzt man andere Balkonblumen dazu, rät Franzen, ausreichend Abstand einzuplanen. Sonst verdrängen die wüchsigen Petunien die Nachbarn. Es macht aber laut Kollatz auch Sinn, ähnlich stark wachsende Gattungen wie Süßkartoffel, Zweizahn und Eisenkraut zu verwenden, die sich als Partner an der Seite behaupten.
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© Gmünder Tagespost 22.07.2016 15:49
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