Schöne Kratzbürsten

Disteln Gefürchtetes Unkraut, Stauden mit tollen Blüten, Heilpflanzen – Disteln haben viele Gesichter. Gerade im naturnahen Garten sollten sie nicht fehlen. Von Helga Schneller
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    Disteln sind besser als ihr Ruf. Nicht nur die Blühte der Kugeldistel (links) ist bei Bienen heiß begehrt. Rechts blüht eine Artischocke – das Gemüse zählt zur weitläufigen Distel-Familie. Fotos: Helga Schneller (2), Pixabay (oben)
Nein, zu nahe kommen mag man ihnen wirklich nicht. Disteln mit ihrem wehrhaften Äußeren halten den Betrachter auf Abstand. Als Unkraut genießen die Gewächse von jeher keinen guten Ruf. Schon in der Bibel zählen Disteln und Dornen zu den Plagen, die dem ackerbauenden Menschen das Leben schwer machen. Hinter der rauen Schale steckt jedoch eine vielfältige Spezies, von der einige Vertreter eine Bereicherung für den Garten sind. Eine eigene Distel-Gattung gibt es übrigens nicht. Die dornigen Pflanzen gehören in Unterarten zur Korbblütler-Familie.

Anpassungs-Spezialisten
In freier Natur erweisen sich Disteln als wahre Anpassungs-Spezialisten für schwierige Standorte. Sie gedeihen auf steinigen und kargen Böden in Bergregionen oder müssen intensiver Sonnenbestrahlung in Mittelmeerregionen standhalten. Um mit wenig Wasser auszukommen, haben die Pflanzen ihre Blätter zu Dornen umgewandelt. Außerdem transportiert ein mächtiges Wurzelsystem die rare Feuchtigkeit zum Stängel.

Familie der Kratzbürstigen
Viele Disteln sind zweijährig und bilden im ersten Jahr nur eine Blattrosette aus. Im nächsten Jahr entwickeln sie ihre oftmals imposante Gestalt. Zwischen Juli und August blühen die Disteln, je nach Art in Blau, Silber, Violett oder Gelb. Die heimische, unter Naturschutz stehende Silberdistel (Carlina acaulis) gilt als Sympathieträger in der Familie der Kratzbürstigen.
Beim Wandern auf einer Bergwiese eine Silberdistel zu entdecken, ist ein besonderes Erlebnis. Weil sie bei bevorstehendem Regen ihre Blüten schließt, wird die Silberdistel auch Wetterdistel genannt. Während die Wildform fast keinen Stängel besitzt, thronen die strohigen, silberglänzenden Blüten der Stängel-Silberdistel bis zu 25 Zentimeter über dem Laub. Aus der Natur dürfen Silberdisteln nicht entnommen werden. Für den Garten sind die Pflanzen in Staudengärtnereien erhältlich.

Kugeldistel
Mit bestechend schönen Blüten zieht die Kugeldistel im Hochsommer alle Blicke auf sich. Wie kleine Igelbälle thronen die geschlossenen Blütenkugeln auf langen Stielen, bis sich nach und nach die Einzelblüten öffnen. Mit intensivem Stahlblau begeistert die Sorte „Taplow Blue“, während „Arctic Glow“ kühles Weiß beisteuert. Kugeldisteln lassen sich gut kombinieren mit weiß und gelb blühenden Stauden wie Schleierkraut, Schafgarbe und Sonnenhut, was die Fernwirkung der Distelblüten noch verstärkt. Wer eine Kugeldistel ins Staudenbeet pflanzt, sollte ihr viel Platz einräumen. Bis zu 1,50 Meter hoch und stark verzweigt zählt sie zu den ausladenden Distelarten.
Zwei Vertreter der weitläufigen Distelfamilie haben es als kulinarische Delikatesse bzw. Heilpflanze zu Ansehen gebracht: Artischocke und Mariendistel . Für Kenner sind die noch geschlossenen Blüten der Artischocke, deren fleischige Blütenblätter nebst Blütenboden ein Genuss. Lässt man die Distel aufblühen, entfaltet sie einen tellerförmigen Kreis aus lila Röhrenblüten. Die Artischockenblüte ist wohl die spektakulärste im Distelreich. Milde Winter übersteht die mediterrane Pflanze in der Regel problemlos, in raueren Lagen ist ein Winterschutz nötig. Als Heilpflanze zählt sie zu den Leber- und Gallemitteln, ebenso wie die Mariendistel. Extrakte aus deren Samen und Artischocke werden als Fertigpräparat meist in Form von Kapseln angeboten. Die Mariendistel fällt vor allem durch ihre markant weiß gefleckten Blätter auf. Auch die Blüte der Mariendistel mit ihren dunkelrosa Büschelchen ist hübsch anzusehen und wirkt trotz Dornen grazil.
Disteln lieben auch im Garten einen vollsonnigen Platz und Boden mit gutem Wasserabzug. Kugel- und Edeldisteln sind Schönheiten fürs Staudenbeet, die Mariendistel macht sich auch im Kräutergarten gut. Artischocken wachsen zu Platzhirschen heran, während sich die Silberdisteln schön in einen Steingarten einfügen.
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© Gmünder Tagespost 12.08.2016 16:54
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