Immergrün und ziemlich zackig

Stechpalmen An feuchten, schattigen Stellen sind sie oft eine Notlösung, doch im kahlen Wintergarten werden die leuchtenden Gewächse zum Blickfang.

Die Stechpalme gehört zu den bekannten Weihnachtsmotiven, denn die immergrünen Blätter und die roten Steinfrüchte sprechen für sich: Das Laub stirbt im Winter nicht ab, sondern deutet den Fortgang des Lebens an. Die christliche Weihnachtssymbolik weist auch schon auf die spätere Leidensgeschichte hin – die runden roten Früchte stehen als Bild von Blutstropfen für das Leiden am Kreuz, während die am Rand von stacheligen Zähnen besetzten Blätter einen Hinweis auf die Dornenkrone geben.

Ersatz für Palmenzweige

Christliche Anklänge hat schon der Name: Denn die immergrünen Zweige wurden zum Palmsonntag geschnitten, in Ermangelung an Palmenzweigen, die zum Einzug von Jesus in Jerusalem geschwenkt wurden. Der Palmenersatz sowie die stacheligen Blätter führten zur deutschen Bezeichnung.

Im Garten schätzen wir die Stechpalme als genügsamen, immergrünen Strauch, der auch im Winter Sichtschutz bietet und mit seinen leuchtend korallenroten, erbsengroßen Früchten schmückt. Will man Früchte haben, muss man berücksichtigen, dass männliche und weibliche Blüten an unterschiedlichen Pflanzen stehen. Nur weibliche Pflanzen entwickeln Früchte, und dafür brauchen sie die Bestäubung durch eine männliche Pflanze in der Nähe.

Früchte über Monate

Die weißen Blüten im Mai oder Juni sehen recht unscheinbar aus, dafür zieren die beerenartigen Früchte ab September monatelang. Verwerten kann man die giftigen Früchte nicht. Unter dem Einfluss von Frost bauen sich die enthaltenen Giftstoffe ab, sodass Vögel sie erst ab der Wintermitte verzehren – so lange hängen sie dekorativ am Strauch.

In kahler, winterlicher Umgebung zeigt sich die Stechpalme mit ihren glänzenden, dunkelgrünen Blättern von ihrer schönsten Seite. Von unserer heimischen Gewöhnlichen Stechpalme (Ilex aquifolium) hat man verschiedene Auslesen gewonnen, die wie „Alaska“ oder „Pyramidalis“ gut fruchten. „J. C. van Tol“ trägt weibliche und männliche Blüten an einer Pflanze und bringt daher sicher Früchte. Überaus dekorativ wirken die Sorten mit gelbem oder weißem Blattrand, weil sie die meist schattigen Wuchsorte ein wenig aufhellen. Zudem schmückt ein immergrünes Gehölz mit Blattzeichnung das ganze Jahr über, etwa „Argentea marginata“ mit weißlichem Saum und „Golden King“ mit gelb gesäumtem, nahezu stachellosem Laub. Alle diese Stechpalmen entwickeln sich langsam zu meterhohen Sträuchern. Sie schirmen dadurch stark ab und dämpfen das Licht.

Auch ein Ersatz für Buchs

Deutlich kleiner bleibt die Japanische Stechpalme oder Japanische Hülse (Ilex crenata). Von ihr gibt es gedrungene Auslesen, die wegen ihrer kleinen ovalen Blätter und der ausgezeichneten Schnittverträglichkeit als Ersatz für Buchs empfohlen werden (von dem es aufgrund von Pilzbefall und Fraß durch Zünslerraupen immer deutlichere Ausfälle gibt). Ilex crenata „Dark Green“ etwa sieht von weitem einem Buchs zum Verwechseln ähnlich. Der Zwergstrauch trägt winzige mittelgrüne Blätter und wächst kompakt. Daraus lassen sich durch Schnitt leicht Figuren erziehen. Im Vergleich dazu etwas höher wölbt sich die halbkugelige Krone von „Green Lustre“. Das relativ große, glänzend grüne Laub wirkt sehr dicht. Als Buchsersatz wird auch der so genannte Löffel-Ilex „Convexa“ empfohlen, bei dem sich das glänzend mittelgrüne Laub in der Mitte, eben wie ein Löffel, aufwölbt.

Vier Meter hohe Sträucher

Schließlich gibt es noch die Buschige Hülse (Ilex meservae), die aus einer Kreuzung zwischen der europäischen Gewöhnlichen Stechpalme und der Art Ilex rugosa aus Japan und Ostsibirien hervorging. Bedingt durch ihre Abstammung erweist sie sich als überaus frosthart, zudem fruchtet sie gut. Die Sträucher erreichen eine Höhe von drei oder vier Meter.

Es gibt rund 20 verschiedene Sorten, von denen manche straff aufrecht bis säulenförmig wachsen und sich damit gut für Hecken eignen. Diese Gruppe hält wieder einen attraktiven Ersatz für Buchs bereit: „Little Rascal“ (kleiner Strolch) wächst kompakt und dicht. Das weiche Laub ist am Rand leicht gezackt und sticht dabei kaum. Die Blätter treiben frischgrün aus, werden später dunkelgrün und nehmen im Winter eine leichte dunkelviolette Färbung an. Diese männliche Sorte entwickelt keine Beeren. Der zierliche Strauch eignet sich hervorragend für Pflanzgefäße.

Kühle Lagen bevorzugt

Alle Stechpalmen bevorzugen eher kühle, luftfeuchte Lagen an halbschattigen oder sogar schattigen Standorten. Im Schatten wachsen die Sträucher noch gut, setzen dann aber kaum Früchte an. Sie können auch an sonnigen Plätzen stehen, doch dann darf der Boden nicht austrocknen. Ideal sind sandige, frische bis feuchte Böden. Die Pflanzen sollten geschützt vor Wintersonne und kalten Ostwinden stehen. Auch im Winter brauchen sie feuchten Boden. Stechpalmen lassen sich leicht durch Schnitt erziehen. Weil sie sich langsam entwickeln, verlangt die Verwendung als Hecke etwas Geduld, dafür muss man später nicht so oft schneiden. Vor allem die kleinblättrigen Sorten bieten sich für den Formschnitt an.

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© Gmünder Tagespost 02.12.2016 17:12
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