Schnecken clever abwehren

Garten Sobald die ersten gefräßigen Weichtiere in den Beeten auftauchen, muss die Bekämpfung einsetzen. Sonst hat der Gärtner verloren.
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    Einzeln eingebettet in einen Ring: So reifen Salatköpfe geschützt heran. Foto: Agnes Pahler

Der durcheinander geratene Witterungsverlauf in diesem Jahr hat auch sein Gutes: In den warmen, trockenen Wochen des zeitigen Frühlings konnten sich noch keine Schnecken entwickeln, viele Pflanzen sind herangewachsen und erstarkten während des zwischenzeitlichen Kälteeinbruchs. Es hatte geregnet, was für die Vegetation notwendig war, und selbstverständlich kommen nun auch die Schnecken, sodass die üblichen Tipps zur Bekämpfung der schleimigen Fresser kursieren.

Schneckenkorn heißt so ein Allheilmittel, doch muss man es frühzeitig ausbringen, wenn die Schnecken noch klein sind. Hat sich schon einmal eine zahlenmäßig umfangreiche Schneckensippschaft im Garten entwickelt, ist man mit Schneckenkorn bald hilflos. Unbedingt muss man es flächendeckend und gleichmäßig über ein Beet ausbringen, ein dick gestreuter Ring aus Schneckenkorn rund um eine vom Fraß bedrohte Pflanze hilft nicht viel. Produkte aus Metaldehyd wirken bereits bei kühler Witterung. Sie zerstören das Körpergewebe der Schnecken, die mit verstärkter Schleimproduktion reagieren. Man findet daher im Garten die wenig appetitlichen ausgeschleimten und verendeten Schnecken. Sympathischer kommen die Produkte aus Eisen-III-Phosphat daher. Nehmen Schnecken das Korn auf, beenden sie ihren Fraß, ziehen sich zurück, und weil sie nicht so viel Nahrung zu sich nehmen, bleiben sie kleiner, sie entwickeln sich langsamer.

Der Hobbygärtner sieht die Schnecken im Verborgenen nicht mehr und hat dadurch oft den Eindruck, dass dieses umweltfreundlichere Schneckenkorn nicht so recht wirkt. Eisen-III-Phosphat erweist sich als ziemlich regenfest, wirkt aber erst in größeren Mengen. Metaldehyd dagegen wird bei Nässe abgebaut, man muss es nach Regenfällen nachstreuen.

Bierfallen lautet ein Tipp erfahrener Hobbygärtner. Das Bier in den eingegrabenen Bechern lockt Schnecken an, die im Gebräu ertrinken. Allerdings kommen durch den Biergeruch Schnecken aus der ganzen Nachbarschaft hinzu: Man ersäuft damit unliebsame Schädlinge, aber zugleich kriechen viele andere herbei.

Auch Eierschalen schrecken ab

In den Bauerngärten hat man traditionell von Schneckenfraß gefährdete Pflanzen mit einem Schutzwall umgeben. Bestes Beispiel dafür sind die Stockrosen, deren junger Austrieb ein Leckerbissen für Schnecken sein muss. Höher gewordene Triebe sind bald sicher vor dem Gefressenwerden, das Laub ist dann auch fester und vermutlich weniger schmackhaft. Es geht folglich darum, den jungen Austrieb zu schützen. Die Bäuerinnen hatten früher Eierschalen gesammelt und aus den zerbröselten Schalen einen Ring rund um Stockrosen (und auch um den Austrieb von Artischocken) gestreut. Man braucht dafür schon etliche Eierschalen von vielen Rühreiern und Tortenbisquits, denn beim Zerreiben fallen die Schalenkrümel auf ein Häufchen zusammen. Lückenlos in einem rund zehn Zentimeter dicken Ring um die Stängel gestreut, kommen Schnecken nicht mehr an die Pflanzen – ihr empfindsamer Fuß würde sich an den Schalen verletzen.

Eine ähnliche Wirkung hat Grobsand mit seinen scharfen Bruchkanten sowie Kaffeesatz, aber nur bei Trockenheit. Wird dieses Material nass, schlupfen die Schnecken einfach drüber. Auch Kalk wehrt Schnecken ab, solange er trocken bleibt, bei Regen werden die abwehrenden Salze ausgewaschen. Dagegen wirken Kupferbänder dauerhaft, ganz unabhängig von der Witterung. Man kann inzwischen Kupferbänder kaufen, die man aufkleben kann. Das geht natürlich nicht bei einem Salatbeet, doch die oberen Ränder von Töpfen und Hochbeeten kann man damit einfassen und bedrohte Gewächse schützen. Schnecken können diese Barriere nicht überwinden, das verhüten die Kupferionen.

Für ein Gemüsebeet stehen inzwischen Streifen aus Schafwolle zur Verfügung, die im Grunde nach dem gleichen Prinzip arbeiten: Sie enthalten Salze aus dem Schweiß der Schafe sowie Staub, das saugt den Schleim der Schnecken auf und reizt den Fuß – die Schädlinge kriechen daher nicht darüber hinweg. Solche Schnüre aus Schafwolle kann man kaufen oder selber anfertigen. Dazu muss man aber unbedingt ungewaschene Wolle verwenden. Die Schafwollschnüre legt man zu beiden Seiten entlang einer Salatreihe aus und kann hoffen, dass sich die Pflanzen unbehelligt entwickeln. Mit der Zeit verrottet die Schafwolle, setzt Nährstoffe frei und bereichert den Boden um organische Substanz.

Offenbar die beste Wirkung zeigen immer noch Schneckenzäune, die am Rand so gekrümmt sind, dass Nacktschnecken den nach außen weisenden Winkel nicht überwinden können. Für ein Beet, das lückenlos von so einem Zaun umgeben ist, muss man keine Schneckeninvasion mehr fürchten. Eine Bedrohung stellen allerdings immer Schnecken oder deren Eigelege dar, die sich schon innerhalb des Beetes befinden und sich dann wie im Schlemmerland gebährden. Umgibt man ein Beet mit einem Schneckenzaun, muss man den Boden gut durcharbeiten und eventuell darin vorhandene Schnecken ablesen.

Die Gefahr, dass die Unholde mit eingeschlossen werden, sinkt bei Schneckenringen, die man rund um heranwachsende Pflanzen in die Erde schiebt. Es gibt sie aus kostengünstigem Kunststoff oder aus noblem Blech, nur braucht man wirklich für jeden Salatkopf einen Ring, will man böse Überraschungen vermeiden.

Natürliche Feinde fördern

Die beste Schneckenabwehr bieten die natürlichen Feinde in einem lebendigen Garten – wie Kröten und Blindschleichen. Laufkäfer, Glühwürmchen, Hundertfüßler und deren Larven machen sich gern über Eigelege und Jungschnecken her, auch Amseln, Stare und Elstern sind keine „Kostverächter“. Massenvermehrungen von Nacktschnecken kommen in einem naturnahen Garten nur selten vor.

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© Gmünder Tagespost 26.05.2017 13:48
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