Rundes sorgt für Harmonie

Botanik Formen ohne Ecken und Kanten finden sich in der Natur zuhauf. Auch Christbaumkugeln haben ihren Ursprung in der Pflanzenwelt.
  • Schaut man sich in der Pflanzenwelt um, ist die runde Form allgegenwärtig. Sie eignet sich für Tischdekorationen. Auch im Garten können mit Lampionblumen und Granatäpfeln Naturkunstwerke geschaffen werden.
    Fotos: Helga Schneller (r. o.),
    Pixabay (l. und r. u.)

Sie haben keinen Anfang und kein Ende, keine Ecken, Kanten oder Spitzen – Kugeln sind einfach das Symbol der Vollkommenheit. Glänzend und glitzernd schmücken Weihnachtskugeln derzeit unsere Christbäume. In der Pflanzenwelt finden sich zuhauf schöne Rundungen, als Blüte, Frucht oder Samenstand. Orangen etwa gehören untrennbar zur Adventszeit. Verziert man die Früchte mit einem schönen Muster aus Gewürznelken, entsteht eine herrlich duftende Wohnungsdekoration.

Hübscher Glücksbringer

Diese sogenannten „Pomanderkugeln“ gelten auch als Glücksbringer und sind ein hübsches Mitbringsel für Freunde, zum Beispiel zu einer Silvesterparty. Ebenso ist der dickbauchige Granatapfel (Punica granatum) eine Frucht von besonderer Bedeutung. Bereits seit mehr als 5000 Jahren in Kultur, gilt die mediterrane Pflanze als Inbegriff von Fruchtbarkeit, Macht, Heiligkeit und Segen. Das kleine Krönchen, das jeden Granatapfel ziert, prädestinierte ihn als Hoheitszeichen für Kaiser und Könige.

Bei Wildfrüchten allgegenwärtig

Schaut man sich in der Welt unserer heimischen Wildfrüchte um, ist die kugelige Form allgegenwärtig. Signalrote Beeren glänzen etwa am Gemeinen Schneeball und an der Heckenkirsche. Lackschwarz hängen die runden Früchte an Liguster und Schwarzem Holunder, blau bereift an der Schlehe, leuchtend orange an Sanddorn und Eberesche. Die dunkelroten Hagebutten der Kartoffelrose oder Apfelrose (Rosa rugosa) verlocken mit barock opulenter Rundung. Im Wald läuft mit Baumstämmen unterschiedlichster Art alles rund. Was wäre es dagegen für ein schwieriges Unterfangen, einen viereckigen Baumstamm umarmen zu wollen? Die runde Form fühlt sich gefällig an, harmonisch und in sich geschlossen. Und je älter der Baum wird, desto mehr Rundungen in Form von Jahresringen legt er sich zu.

Rundes in Form von Kugeln, Kreisen oder Spiralen besitzt in allen Kulturen eine starke Signatur. Nach der chinesischen Lehre Feng Shui beispielsweise bündelt sich in Kugeln die Lebensenergie „Chi“ und Negatives wird abgeschwächt. Auch die Gartengestaltung spielt gerne mit runden Elementen.

Besonders beliebt sind spiegelnde Garten- oder Rosenkugeln

Helga Schneller

Sonnenlicht einfangen

In klassischen Bauern- und Klostergärten bildet ein Rondell das Kraftzentrum der Anlage. Runde Gartenaccessoires sorgen für zusätzliche Akzente. Besonders beliebt sind bis heute spiegelnde Garten- oder Rosenkugeln. Sie sollen nicht nur für einen Blickfang sorgen, sondern auch magische Kraft entfalten. Die traditionellen „Lichtkugeln“ hatten einst den Zweck, Sonnenlicht als Symbol des Lebens einzufangen und auf die Erde zu spiegeln. Damit sollten dem Volksglauben nach Fruchtbarkeit und Wachstum angeregt und das Anwesen vor dunklen Mächten bewahrt werden.

Erdverbunden wirken dekorative Kugeln aus Terrakotta oder Stein. Sie sind direkt auf dem Boden gut aufgehoben, etwa am Rand des Weges oder als Hingucker zwischen Terrakotta-Töpfen. Rundherum kunstvoll geformt sind auch die Blüten mancher Gartenblumen. Vor allem der bis zu einem Meter hohe Riesen-Lauch (Allium Hybride „Globemaster“) besticht mit auffallend großen und intensiv violettfarbenen Blütenkugeln, und der Sternkugellauch (A. christophii) trägt seine metallisch glänzenden und amethystfarbenen Sternenblütchen wie Wunderkerzen an dem halbkugeligen Blütenteller.

Die Lampionblume (Physalis alkegengi) verbirgt ihr kugeliges Inneres dagegen in einem kräftig orangeroten Laternchen. Mit der Zeit bleibt vom Lampion nur noch ein Skelett übrig und gibt den Blick frei auf die innenliegende orangefarbene Beere – ein filigranes Kunstwerk der Natur par excellence.

© Gmünder Tagespost 22.12.2017 16:01
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