Winterlicher Schmuck aus der Natur

Gehölze Mit dekorativen Zapfen ziehen viele Koniferen die Blicke an. Ihr nahrhaftes Geheimnis geben die Schuppenfrüchte nur zögernd preis.
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    Als zur Jahreszeit passende Dekoration lassen sich Naturzapfen in verschiedenen Formen hübsch arrangieren. Fotos: Helga Schneller (l., r. o.),
    pixabay (r. u.)
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Auf die Frage „Was sind Zapfen?“ würde die Mehrheit der Nicht-Botanikstudierten wohl antworten: „Ja halt das, was an der Tanne hängt.“ Abgesehen davon, dass Tannenzapfen kerzengerade auf den Tannenzweigen sitzen, ist die Definition des Begriffs Zapfen auch botanisch nicht einheitlich geregelt. Grob gesagt handelt es sich bei Zapfen um die männlichen und weiblichen Fortpflanzungsorgane der Koniferengewächse, oder anders ausgedrückt, um Fruchtstände mit sich überlappenden schuppenartigen Tragblättern. Zapfen entwickeln sich aus den schraubenförmig aufgebauten Blüten der Nadelgehölze, sobald der Wind sie mit Pollen bestäubt hat.

Dicht an dicht liegen die verholzten Zapfenschuppen aneinander und bilden im geschlossenen Zustand ein wunderschön symmetrisches Muster. Unter der Schuppenschicht lagern die reifenden Samen, bis sie schließlich eines Tages freigelassen und vom Wind fortgetragen werden. Oder aber schon vorher im Bauch eines Eichhörnchens landen, was den Zapfen der heimischen Fichte im Winter öfter widerfährt. Noch mehr als Nüsse lieben die Nager die fetthaltigen Samen unter den Schuppen. Auch auf dem Speisezettel von Fichtenkreuzschnabel und Buntspecht stehen Fichtenzapfen ganz oben. Landläufig werden die Fichten-Schuppenfrüchte als Tannenzapfen bezeichnet.

An zwei entscheidenden Merkmalen lassen sich die Zapfen jedoch auseinanderhalten: Fichtenzapfen hängen an den Zweigen und fallen als Ganzes ab, während sich die stehenden Tannenzapfen mit der Reife in einzelne Schuppen auflösen. Die länglichen braunen Zapfen auf dem Waldboden stammen also immer von Fichten. An den kahlen Zweigen sehr gut zu entdecken sind die kleinen, eiförmigen Zäpfchen der Europäischen Lärche (Larix decidua). Die ganz jungen, purpurroten Zapfen können zu verdauungsförderndem Likör verarbeitet werden.

Als winterliche Dekoration lassen sich Naturzapfen in verschiedenen Formen mit Nadelzweigen, Kerzen und anderen Zutaten drinnen und draußen hübsch arrangieren. Zapfen im Großformat zählen als Accessoire zu den beliebtesten Motiven – ob in Stein, Terrakotta oder Metall. Meist handelt es sich um nachempfundene Pinienzapfen, die Balkon oder Terrasse mit mediterranem Touch verschönern.

Dekorative Stumpen

Wer im Italien- oder Frankreichurlaub einer Pinie begegnet ist, hat sich vielleicht einige der großen, eiförmigen Zapfen als kostenloses Souvenir mitgebracht. Die Pinie, auch Italienische Steinkiefer oder Mittelmeer-Kiefer genannt, kann im Mittelmeergebiet gut 200 Jahre alt werden. Erst zwischen dem 15. und 20. Lebensjahr beginnt der Nadelbaum mit der Samenproduktion, und rund zwei Jahre nach der Bestäubung sind Pinienzapfen ausgewachsen. Die ölhaltigen, geschälten Pinienkerne kommen als Knabberei oder knackiges Salattopping gerne auf den Tisch.

Für den heimischen Garten gibt es eine ganze Reihe an Koniferen mit schmucken Zapfen. Wer genug Platz für einen Solitär hat, kann sich für die Zapfenfichte (Picea abies „Acrocona“) entscheiden. Sie bildet zahlreiche Früchte, die im jungen Stadium violettrot aus den Zweigen leuchten. Ebenfalls violett, später zimtbraun, zeigen sich die Zapfen der Serbischen Fichte (Picea omorika), die schon bei jungen Bäumen sehr zahlreich erscheinen. Besonders edel wirkt die Blaue Stechfichte (Picea pungens „Glauca“), umgangssprachlich auch „Blau-Fichte“ genannt. Ihre langen, hellbraunen Zapfen stehen in schönem Kontrast zum blau- bis silbrig-grünen, sehr stacheligen Nadelkleid. Unter den Tannen fällt die Korea-Tanne (Abies koreana) mit besonders kunstvollen Zapfen in Blau oder Purpur auf. Wie gedrechselt wirken die aufrecht sitzenden Früchte zwischen silbrig schimmernden Zweigen.

Auch die bis zu 25 Meter hoch wachsende Coloradotanne (Abies concolor) steckt sich dekorative Stumpen in Purpur mit einem Hauch Grün zwischen die Nadeln. In der Welt der Zapfenträger finden sich erstaunliche Superlative. Einige Vertreter der riesigen tropischen Palmfarne (Cycadales) beispielsweise können schwergewichtige Zapfen von rund 40 Kilo produzieren, die mit zunehmendem Alter von der aufrechten in die hängende Position wandern. Einige Nummern kleiner, aber immer noch beeindruckend sind die bananenförmigen, bis zu 30 Zentimeter langen Zapfen der Tränenkiefer (Pinus wallichiana). Den ersten Platz der Spätzünder belegt die Zirbelkiefer (Pinus cembra), die sich in der Regel 60 Jahre Zeit bis zum ersten Zapfen lässt. Und gut sieben Jahre lang hält die Blaue Mädchenkiefer (Pinus parviflora „Glauca“) ihre hellbraunen Kegelzapfen im pinselförmigen Nadelkleid fest.

Zapfen taugen auch als Wetterorakel

Ein Kiefern-, Fichten- oder Lärchenzapfen kann die Wetteraussichten anzeigen. Dafür wird der Zapfen draußen aufgehängt. Spreizen sich die Schuppen ab, ist mit Sonnenschein zu rechnen. Bleiben sie geschlossen, steht vermutlich Regen an. Der biologische Mechanismus sorgt in der Natur dafür, dass die Samen nur bei trockenem Wetter ausfallen.

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© Gmünder Tagespost 29.12.2017 17:07
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