Wachsende Beliebtheit: Immer mehr Autofahrer wünschen sich einen Oldtimer

Es könnte an dem VW-Abgasskandal liegen oder an der Tatsache, dass moderne Fahrzeuge zu viel Schnickschnack besitzen. Fakt ist, dass das Interesse der deutschen Autofahrer an Oldtimern seit Jahren wächst.

Das Institut für Demoskopie Allensbach hat eine Umfrage zum Interesse deutscher Autofahrer an Oldtimern durchgeführt. Dem Ergebnis zufolge interessiert sich mehr als jeder Vierte (27 Prozent) für einen Klassiker. Überraschend ist das hohe Interesse, weil es vor zwei Jahren zehn Prozentpunkte niedriger war.

Die größten Interessenten sind überraschenderweise die unter 30-Jährigen (37 Prozent), gefolgt von der Altersgruppe zwischen 33 und 44 Jahren (32 Prozent). Je älter die Befragten, desto geringer ihr Interesse.

Befragte, die sich nicht für einen Oldtimer interessieren, nennen in den meisten Fällen die teure Anschaffung und die hohen Kosten für den Unterhalt. Dabei gibt es Oldies, deren Anschaffungspreis relativ gering ist.

Der Preiseinstieg für einen Oldtimer

Auf Deutschlands Straßen fahren – oder in Deutschlands Garagen stehen – immer mehr Oldtimer. 350.000 Klassiker tragen das H-Kennzeichen und besitzen ein Gutachten gemäß § 23 StVZO. Hinzu kommen geschätzte 150.000 Fahrzeuge ohne H-Kennzeichen.

Autofahrer gehen davon aus, dass ein Oldtimer finanziell eine große Herausforderung ist. Das ist bei einigen Modellen der Fall, jedoch nicht bei jedem Klassiker. Gut erhalten und relativ günstig sind Klassiker von BMW. Wie das Angebot von classic-trader.com zeigt, gibt es gut erhaltene Fahrzeuge für wenige tausend Euro (Baujahr vor 1986). Fahrzeuge unter 10.000 Euro sind in vielen Fällen fahrbereit.

Im niedrigen fünfstelligen Bereich beginnen die gut erhaltenen Modelle, die bis auf den Kauf keine weiteren Investitionen voraussetzen. Viele Fahrzeuge der Marke BMW befinden sich seit Generationen im Familienbesitz, sodass sie gut erhalten sind.

Geringe Mängelquote bei Klassikern

Nicht nur der niedrige Einstiegspreis für Klassiker spricht für die alten Fahrzeuge. Der GTÜ-Oldtimer-Mängelreport zeigt, dass sich viele Klassiker in einem guten Zustand befinden. Insgesamt haben Oldtimer (30 bis 40 Jahre) weniger Mängel als jüngere Alltagsfahrzeuge.

Die 30 bis 40 Jahre alten Fahrzeuge sind zu rund 30 Prozent mit geringen Mängeln auf Deutschlands Straßen unterwegs. Jedes zweite Fahrzeug (53,5 Prozent) erhielt die Prüfplakette bei der Hauptuntersuchung im ersten Anlauf.

Größere Mängel gibt es bei den Oldies ohne H-Kennzeichen. Deshalb sollten Interessenten, die einen Oldtimer wünschen, beim Kauf Vorsicht walten lassen.

Steuervorteile durch den Oldtimer

Dass ein Oldtimer finanzielle Vorteile bringen kann, wissen nur wenige Autofahrer. Erfüllt der Klassiker alle Voraussetzungen, winkt ein finanzieller Vorteil für seine Besitzer.

Die Bedingungen für den Steuervorteil:

  • Mindestalter: Gemäß § 2 FZV müssen Oldtimer vor mindestens 30 Jahren zugelassen worden sein und sich in einem guten Zustand befinden. Fahrzeuge, die jünger als 30 Jahre sind, nennt man Youngtimer.
  • Hauptuntersuchung: Im Rahmen der HU klären Sachverständige, ob das Fahrzeug den H-Status erhalten kann. Alle zwei Jahre wird der Oldtimerzustand im Rahmen einer neuen HU kontrolliert.

Sind die beiden Bedingungen erfüllt, können Besitzer ihren Oldtimer für pauschal 191 Euro pro Jahr besteuern. Der Staat möchte mit dieser niedrigen Steuerlast den Erhalt klassischer Fahrzeuge fördern.

Lohnt sich der Oldtimer als Wertanlage?

Seit der Finanzkrise machen sich Verbraucher über ihr Erspartes häufiger Gedanken. Ein Grund, warum Oldtimer nicht für jeden Autofahrer infrage kommen, sollen die hohen Instandhaltungskosten sein. Einige Menschen sind davon überzeugt, dass sich der Kauf alleine aus dem Grund lohnt, weil das Fahrzeug an Wert gewinnen könnte.

Dass dieser Gedanke nicht ganz unbegründet ist, beweist der Verband der Automobilindustrie. Laut seinem Oldtimer Index 2015 stieg der Wert der Fahrzeuge um 5,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Laut dem Leiter der Abteilung Klassik beim ADAC, Frank Reichert, ist der Kauf eines Oldtimers als Geldanlage kritisch zu betrachten. Die Freude am Fahrzeug und der Erhalt eines historischen Produkts sollten im Vordergrund stehen. Wertsteigerungen seien eher als netter Nebeneffekt zu bezeichnen.

Wer den Wert seines Oldtimers steigern möchte, muss dafür Geld in die Pflege und Wartung investieren. Frank Wilke, Geschäftsführer einer Schätzstelle für historische Fahrzeuge, schätzt die Kosten für die Instandhaltung eines Mittelklassewagens aus den 1960er- bis 1980er-Jahren (2 Liter Hubraum) auf 1.500 bis 2.000 Euro jährlich. Sportwagen erfordern dreimal so hohe Investitionen.

Urlaubsland in einem Oldtimer erkunden

Dass ein Oldtimer zu schade für die Garage ist, hat sich ein Berliner gedacht. Er weiß, dass viele Touristen ein Auto in Kapstadt mieten – meist sind es langweilige Kleinwagen, denen Charme fehlt.

Die Welt berichtet über Dirk Salomon, der seine Oldtimer-Vermietung inzwischen in Südafrika anbietet. Er sieht immer wieder Touristen, die viel Geld für ihren Südafrikaurlaub ausgeben. Was bringt aber ein Besuch auf den schönen Straßen, wenn man sie in einem Chevrolet Matiz abfährt? Seine Alternative: Oldtimer. Der Fuhrpark des Berliners umfassend ein Dutzend Klassiker.

Im Gegensatz zur Konkurrenz werden die Autos ohne Fahrer vermietet. Zwar haben die Klassiker bessere Tage gesehen, technische befinden sie sich aber in einem einwandfreien Zustand.

Besitzer eines Oldtimers sollten überlegen, ob sie ihr Fahrzeug nicht öfter aus der Garage holen und mit ihm die Gegend erkunden. Diese Fahrzeuge sind zu schade zum Rumstehen.

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© Gmünder Tagespost 29.03.2016 16:54
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