Doch keinen in der Krone: Weinkenner sind keine Spinner

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Seit April finden in Baden-Württemberg wieder Weinfeste ohne Ende statt. Noch den ganzen August und September wird in zahlreichen Orten die württembergische Weinkultur gefeiert. Im Mittelpunkt stehen dabei die beliebtesten Sorten des Landes, der rubinrote Trollinger und der weiße Riesling, die für etwa 11,4 % der deutschen Rebensaftproduktion stehen. Wer mit all dem Wein-Wirbel bisher noch nicht viel anfangen konnte, sollte mal einen Besuch bei einer dieser Veranstaltungen wagen. Abgesehen von lokalen Festivitäten bietet sich das Stuttgarter Weindorf 2017 an, eines der größten deutschen Events dieser Art mit 1 Million Besuchern, das vom 30. August bis zum 10. September stattfinden wird. Dort liefern ausgiebige Verkostungen den Beweis, dass die folgenden peniblen Weinhandhabungsregeln kein unsinniger Firlefanz sind:

Die ideale Temperatur

So wie uns ein Kaffee nur heiß schmeckt und eine Cola nur eiskalt erfrischen kann, muss auch Wein eine bestimmte Trinktemperatur haben. Grundsätzlich sollte er kühl gelagert werden, da das Alkohol-Aroma sonst zu dominant ist. Einfache Weißweine, Rosés, süße Weine und Schaumweine können gern direkt aus dem Kühlschrank kommen. Rieslinge und Rotweine sollten dagegen bei einer Temperatur von 14 bis 16 °C serviert werden. Wer es ganz genau nimmt, kann ein spezielles Weinthermometer zu Hilfe nehmen. Man kann aber auch einfach ein paar Minuten warten, bis sich der Wein im Glas etwas erwärmt hat.

Dekantieren bringt etwas

Wer noch immer darüber kichert, das Wein vor dem Verzehr "atmen" muss, dem sei gesagt: Das als Dekantieren bekannte Vorgehen hat tatsächlich Auswirkungen auf das Trinkerlebnis. Jedoch dient das Umfüllen von der Flasche in einen Dekanter (eine breite Karaffe) eigentlich der Trennung des Weins von Ablagerungen, daher das französische Wort "décanter" von "klären". Denn vor allem die in sehr alten Jahrgängen abgesetzten Substanzen wie Weinstein bilden unschöne Schlieren im Glas, sind aber gesundheitlich unbedenklich. Den Wein "atmen" zu lassen wird wiederum korrekt als "Karaffieren" bezeichnet. Dabei soll die Reifung der Gerbstoffe mittels Sauerstoffkontakt beschleunigt werden. Ein wirklicher Geschmacksunterschied zeigt sich aber erst nach einigen Stunden an der Luft.

Speis und Trank

Man denke daran, wie es ist, nach dem Zähneputzen einen Apfel zu essen. So ungefähr verhält es sich auch mit der falschen Rebsorte beim Essen. Eine Grundregel gilt dabei immer: Der gewählte Wein sollte die Speise geschmacklich nie überdecken, sondern unterstreichen. Das erreicht man, indem man vorher das dominierende Aroma der Mahlzeit identifiziert (zum Beispiel süß oder salzig). So passt zu einer leichten Vorspeise ein ebenso leichter Rebensaft. Zu geräuchertem Fisch sollte man wiederum einen Rosé oder Rotwein reichen. Darüber hinaus hat die Wahl des Weins Einfluss auf die Wahl der ihm nachfolgenden Weine und umgekehrt.

Wer jetzt immer noch nicht überzeugt ist, der glaubt vielleicht an die medizinische Wirkung des beliebten Tropfens: Laut italienischen Forschern kämpft das im Rotwein stark vertretene Molekül Resveratrol wirksam gegen Grippeviren. Ein guter Grund für den (natürlich mäßigen) Weingenuss, denn laut dem neuesten Gesundheitsreport der DKA hat der Ostalbkreis mit 3,7 % den höchsten Krankenstand in Baden-Württemberg, das ohnehin schon Fehlzeiten-Spitzenreiter in Deutschland ist.


Bildrechte: Flickr _MG_2391 Ralf Smallkaa CC BY 2.0 Bestimmte Rechte vorbehalten

© Gmünder Tagespost 10.08.2017 08:00
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