Plüsch und Purismus

Inneneinrichtung Gemütlicher Kitsch und die Nüchternheit des Bauhaus-Stils werden vereint, sagen Analysten. Individualismus ersetzt den Trend. Was bei Möbeln 2017 auf uns zukommt.
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    Foto: Kare
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    Viele Hersteller setzen derzeit auf einen puristischen Einrichtungsstil. Hier zeigt Müller Möbelfabrikation mit dem Sekretär PS04. Foto: Müller Möbelfabrikation/dpa-mag
Künftig vereint: In diesem Jahr stehen Plüsch und Purismus gemeinsam in einem Raum. Kein Entweder-Oder. Seite an Seite der nüchterne Stahlrohrstuhl mit glatter Schale und das Barocksofa mit weichen Rundungen und flauschigen Stoffen – und das unter dem goldenen Lüster, erklärt Trendexpertin Ursula Geismann vom Verband der Deutschen Möbelindustrie. Es gibt eine Fusion von gemütlichem Kitsch und der Nüchternheit des Bauhauses. Doch warum ist das jetzt im Trend? Dazu muss man drei Fragen stellen.

Erstens: Warum ausgerechnet Plüschiges und Schnörkeliges? Das aus den Sissi-Filmen bekannte Mobiliar, das leicht an die Grenze zum Kitschigen stößt? Selbst wenn der samtige Bezugsstoff heute wilde moderne Muster trägt.

Die Antwort: Eine als angenehm empfundene Formsprache, wie Geismann erklärt. „Weil wir damit Wärme und Gemütlichkeit assoziieren.“ Und danach sehnten sich die Menschen derzeit stark.

Und doch verraten Branchenexperten, dass viele Hersteller auch auf einen sehr nüchternen, reduzierten Wohnstil setzen. Das Gegenteil von Plüsch. Warum ist also der Purismus so gefragt? Die Antwort: Weil er auch dem Zeitgeist entspricht und ein weiteres Bedürfnis der Menschen erfüllt.

Seit einigen Saisons schon beziehen Designer viele ihrer Ideen aus der Vergangenheit, lassen alte Formen wieder aufleben. Als Folge des Verkauferfolgs bedienen sich die Firmen nun an der Produktpalette der 1920er und 1930er Jahren, und darin vornehmlich dem Bauhausstil.

Es geht zurück in die Zeit vor dem Internet.

Ursula Geismann
Trendanalystin

Weil man es kann

„Es geht zurück in die Zeit vor dem Internet“, erklärt die Trendanalystin die Rückwärtsrolle der Branche, die schon seit einigen Jahren anhält. Man muss es symbolisch verstehen: Es geht zu Hause optisch in eine Welt ohne die moderne Hektik und die Schnelligkeit der neuen Medien.

Bleibt die dritte Frage: Warum beides –Plüsch und Purismus nebeneinander? Die Antwort: Weil man kann. Weil man auf eines der beiden nicht verzichten will. Weil einem beide Stile aus der Seele sprechen. Aber es gilt auch: Wer eben nicht darauf steht, wählt dann doch nur eine Richtung aus, oder er lässt beides ganz weg.

Dieses „Weil man kann“ – das ist eigentlich gerade die Antwort auf jede Trendsuche. Denn der im Moment über allem schwebende Mega-Trend der Möbelbranche ist die Individualisierung. Alles ist möglich. Und jeder macht in seiner Wohnung sowieso, was er will. „Wir können daher auch nicht mehr von dem einen großen Trend sprechen“, sagt Geismann. dpa

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© Gmünder Tagespost 10.02.2017 16:07
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