Eintauchen in Kärntens Seenlandschaft

Österreich In Kärnten gibt es jede Menge wohltemperierte Gewässer für sommerliche Badefreuden. Zu den schönsten gehören der Faaker See, der Millstätter See und – der Wörthersee.
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    Foto: Pixabay
Früher war alles besser? Nein! Hubert Koller, Hotelbesitzer am Millstätter See, weiß es besser: „Bevor die Ringkläranlage gebaut wurde, stand der See wegen einer Rotalgenplage vor dem Kippen und kurz vor einem Badeverbot“. Inzwischen schwimmt Koller vor der Haustür von Frühjahr bis Herbst jeden Morgen zwei Kilometer im klaren Wasser, das eine Tiefe von bis zu 141 Metern erreicht. Seine Entstehung verdankt der See einem Gletscher, der die Senke zwischen zwei Höhenzügen zu einer steilen Rinne ausschliff.

Unbebaute Naturidylle

Millstadt und Seeboden, die beiden größeren Orte, liegen am Nordufer. Das Südufer aber zeigt sich weitgehend unbebaut mit Wäldern, die bis an das Ufer mit seinen grünen, stillen Buchten reichen. Dieses Naturidyll ist das Ziel der „Buchtenwanderungen“ mit Gottfried Strobl. Der gelernte Bootsbauer hat die meisten seiner 15 Ruderboote selbst gefertigt. Manche der Kähne aus Lärchenholz sind Jahrzehnte alt. Zweimal pro Woche ist Strobl mit Gästen auf dem See unterwegs. Eine Anmeldung im Tourismusbüro von Millstadt ist erforderlich, die Tour ist gratis.

Klares Wasser bis zum Grund

Im Ruderboot, für weniger Sportliche auch in einem Elektroboot, geht es in aller Herrgottsfrühe übers noch spiegelglatte Wasser hinüber zur stillen Südflanke. Bis zum Grund kann man schauen, wo umgestürzte Bäume liegen, zwischen deren kahlen Ästen Fische flitzen.

„Jeder See hat seine eigene Aura“, sagt Koller. Also weiter zum Wörthersee. Dort misst das Thermometer am Steg bereits 23 Grad. „Am Wörthersee fliegen die Melodien, dass man sich richtig hüten muss, keine zu treten“, schwärmte schon Johannes Brahms. Als Brahms und Gustav Mahler hier komponierten, war der Wörthersee bereits eine angesagte Sommerfrische.

Prachtvolle Villen des Adels

Mit der Eröffnung der k. u. k. Südbahn 1864 kamen die Dampfzüge mit Feriengästen. Velden und Pörtschach mauserten sich dabei zu mondänen Urlaubsorten. Überall am grünblauen See entstanden prachtvolle Villen von Adel und Großbürgertum.

In manchen Kleinodien dieser „Wörthersee-Architektur“ kann man heute noch als Gast logieren. Später kamen pompöse Anwesen mit riesigen Seegrundstücken von Industriellen des 20. Jahrhunderts dazu.

Diethard Wachter vom Ausflugsschiff „Santa Lucia“, besser bekannt als „Käpt’n Didi“, erzählt bei den Touren über den See allerlei Anekdoten über die feine Gesellschaft damals und heute. „Der Wörthersee war von Anfang an mondän und wird es immer bleiben“, so Wachter. Der Nachteil für Urlauber: Das Ufer ist fast überall in Privatbesitz und somit nicht frei zugänglich. Fast zwei Dutzend Strandbäder versuchen, dieses Manko wettzumachen.

Wer das Flair des Wörthersees spüren möchte, schaut am besten einmal im Badehaus des Hotel Werzer in Pörtschach vorbei. 1895 wurde es erbaut, inzwischen von Grund auf saniert und neu eröffnet. Man kann hier fein speisen oder einfach nur einen Drink in den Lounge-Sesseln auf der Terrasse nehmen.

Nur einen Katzensprung entfernt liegt der Faaker See in einer sanften Landschaftsmulde vor dem Mittagskogel. Er ist der fünftgrößte Kärntner Badesee und bei Faak am See gibt es sogar eine Zitronenplantage.

Die Südsee Österreichs

Kein Wunder, dass das Gewässer gern als die „Südsee“ Österreichs bezeichnet wird. Im Sommer erreicht die Temperatur sage und schreibe bis zu 28 Grad. Die Farbe des Wassers ist ein karibisches Türkis. Der Grund für die unglaubliche Färbung sind vom nahen Karawankengebirge über die Zuflüsse eingespülte Kalkpartikel. Die Partikel aus Kalk schimmern dann am Seeboden. Der Faaker See ist wie gemacht für Familien und Campingfreunde.

Rado Tadlanek vom örtlichen Kajakcenter begleitet die Gäste bei der Kanufahrt über den See und hinein in den Schilfgürtel. Er erzählt von den hiesigen „Everglades“ und verspricht „Süßwasserkrokodile“. Als in die Schilfstraße eingebogen wird, sieht man zwar nicht die angekündigten Reptilien, dafür ganze Teppiche von Seerosen in Cremeweiß, Gelb und Rosa. Dazu ein ganzes Geschwader an Libellen.

Mückenfreies Eldorado

Die Lieblingsspeise dieser völlig harmlosen Insekten sind Stechmücken, weshalb der Faaker See so gut wie mückenfrei ist. Enten- und kleine Blesshuhnküken paddeln durchs Wasser.

Ab und an begegnet uns ein Kanu oder Kajak. Direkt vor dem schönen und familienfreundlichen Campingplatz Poglitsch hat das Schilf noch einen Badeteich freigegeben. Kinder planschen dort juchzend im flachen Wasser. Schöner kann Sommerseenfrische wirklich nicht sein.

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© Gmünder Tagespost 18.08.2017 13:39
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