Alleine mit den lieben Kleinen unterwegs

Solotour Als Single mit Kind zu verreisen, ist anstrengend und oft teuer. Doch es gibt Veranstalter, die ein Herz für Mütter und Väter haben, die nicht paarweise unterwegs sind.
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    Foto: andreaobzerova/Adobe Stock
Wer ein Kind alleine erzieht, hat im Alltag mehr Stress als Eltern, die sich die Arbeit teilen können. Da wären Ferien besonders wichtig - doch weil gleichzeitig oft das Geld knapp ist, ist das leichter gesagt als getan. Kinderermäßigungen gibt es bei Pauschalreisen meist nur, wenn zwei erwachsene Vollzahler im selben Zimmer wohnen, also beide Eltern mitfahren. Viele Single-Mamas oder -Papas greifen daher auf Ferienwohnungen zurück - und fühlen sich dann wie zu Hause. Das Wetter mag vielleicht besser sein, tägliche Aufgaben wie Kochen, Aufräumen oder Streitschlichten fallen immer noch an, die Erholung bleibt auf der Strecke.

Spaß in der Gruppe

Verschiedene Veranstalter haben sich auf die Zielgruppe „Single mit Kind“ spezialisiert. Der Markt dafür ist groß: In Deutschland werden ein Drittel aller Ehen geschieden. Nicht jeder stürzt sich sofort in eine neue Beziehung und muss daher alleine mit dem Nachwuchs in den Urlaub fahren. Dazu kommen Mamas und Papas, die aus anderen Gründen nicht mit dem Partner verreisen (können). Weil die Ferien erst richtig beginnen, wenn die Kinder Spielkameraden gefunden haben, werden Gruppenreisen organisiert. Das ist auch für das Elternteil entspannend, weil man nicht ständig auf Paare trifft.

Finanzierbare Ferien kann man zum Beispiel bei SmK - Single mit Kind Reisen buchen. Der Veranstalter aus Schönberg im Bayerischen Wald wurde von einem alleinerziehenden Vater gegründet (www.smk-reisen.de). Auch bei ReNatour aus Nürnberg gibt es günstige Kinderpreise schon ab einem Erwachsenen sowie ein organisiertes Programm (www.renatour.de). Internationale Begegnungen mit Familien verschiedener Nationalitäten macht man bei der Family Adventures von Intrepidtravel ( www.intrepidtravel.de).

Günstige Quartiere

Das Bundesministerium für Familien, Senioren, Frauen und Jugend hat erkannt: „Ein gelungener Familienurlaub mit schönen gemeinsamen Erlebnissen hält Familien zusammen.“ Deshalb werden Einrichtungen gefördert, die Entspannung für Familien anbieten. Zu den Familienferienstätten gehören Quartiere verschiedener Träger: evangelische und katholische Häuser, Einrichtungen der Arbeiterwohlfahrt, des Deutschen Roten Kreuzes, der Naturfreunde und des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes. Die Möglichkeiten reichen vom Campingplatz am See über das Ferienhaus in den Bergen bis hin zum Hotel. Überall gibt es eine Kinderbetreuung. Den Katalog für 2017/2018 findet man auf der Homepage des Ministeriums (www.bmfsfj.de, Suchbegriff: Familienferienstätten). Weitere Infos unter: www.bag-familienerholung.de und www.urlaub-mit-der-familie.de

Zuschuss beantragen

Nicht immer reicht das Familieneinkommen für gemeinsame Ferien. In solchen Fällen sind Eltern-Kind-Kuren eine Alternative. Die gesetzlichen Krankenversicherungen unterstützen solche Auszeiten auch im Rahmen von Vorsorgekuren (Infos: www.muettergenesungswerk.de). Auch Urlaub für Alleinerziehende wird in manchen Bundesländern gefördert wie zum Beispiel Rheinland-Pfalz. Unterstützt werden Angebote in Familienferienstätten oder anderen Einrichtungen gemeinnütziger Träger, in familiengeeigneten Jugendherbergen sowie Winzer- und Bauernhöfen. Dabei gibt es in der Förderstufe A einen Zuschuss von 17,90 Euro pro Tag und Kind. Bei besonders niedrigem Einkommen (Förderstufe B) erhalten zudem die Eltern selbst 7,67 Euro pro Tag. In Baden-Württemberg gibt es keine solche Unterstützung. Man kann aber beim Landkreis oder Karitativen Organisationen nachfragen. Tipps gibt auch der Bundesverband Alleinerziehender Mütter und Väter in Berlin, www.vamv.de/allein-erziehen/ferien-kuren-rehabilitation/.

Willkommen im Club

Spielt Geld eine untergeordnete Rolle, sind Ferienclubs eine Alternative. Für die „glücklich Geschiedenen“ gibt es oft übers Jahr verteilt spezielle Aktionswochen. In einigen Robinson Clubs kann man ganzjährig die Zimmerkategorie „Single mit Kind“ buchen. In solchen Rundum-Bespaßungsanlagen ist der Nachwuchs den ganzen Tag beschäftigt, die Großen schalten derweil ab und urlauben unter Gleichgesinnten. Und wenn die Mama von Finn sich dann ganz zufällig in den Papa von Charlotte verliebt, ist der Urlaub vielleicht sogar der ideale Anfang einer glücklichen Patchwork-Familie (www.robinson.com/de/de/angebote/preisvorteil/single-mit-kind-zimmer/).

Schiff ahoi

Eine teure, aber für Eltern besonders erholsame Variante sind Kreuzfahrten. Man erlebt eine Rundreise, muss aber nur einmal den Koffer auspacken und kann eine Woche (oder länger) im selben Bett schlafen. Viele Schiffe bieten spezielle Bereiche, ein Kids-Programm und jegliche denkbare Ausstattung. Leider gelten Kinderermäßigungen nur, wenn zwei Erwachsene in derselben Kabine wohnen. Also muss man entweder ein Großelternteil mitnehmen, sich mit einem guten Freund oder einer Freundin mit Kind zusammentun - oder nach seltenen Angeboten Ausschau halten. Der Anbieter MSC Kreuzfahrten etwa hat einen speziellen Tarif für Alleinreisende mit Anhang namens „All in One“. Bei Unterbringung in einer Kabine bezahlt ein Erwachsener den aktuell verfügbaren Kabinenpreis, das erste der Kinder bis 17 Jahre bezahlt 60 Prozent, jedes weitere Kind darf zum Kinderfestpreis mit (bis zu drei Kinder insgesamt, www.msc-kreuzfahrten.de). Auch Costa Kreuzfahrten hat solch ein Angebot, allerdings limitiert: Mama oder Papa zahlen voll, für das Kind gilt der Happy-Family-Comfort-Tarif und damit eine Vergünstigung von 50 Prozent (www.costakreuzfahrten.de/reisen-mit-costa/familie/alleinerziehende-mit-kind.33919.html).

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© Gmünder Tagespost 25.08.2017 17:55
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