Zypern investiert in Tourismus

Inselreise Nach der Finanzkrise vor vier Jahren rappelt sich der Staat wieder auf. Ein Besuch in einer Welt zwischen Hoffnung, Frust und Aufbruchstimmung.
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    Foto: Dieter Schütz/pixelio.de
In dem Traum von Michalis Mosphylis strömen viele ausländische Besucher nach Vasa Kilaniou im Hinterland Zyperns, wohnen in einem der hübschen, restaurierten Apartments in jahrhundertealten Kalksandstein-Häusern, nehmen in der kleinen Taverne gutes Essen und zyprischen Wein zu sich und fahren rundum erholt wieder nach Hause.

Soweit der Wunsch des Ortsvorstehers im Dörfchen mit gerade einmal 170 Einwohnern. Doch noch finden ausschließlich Zyprer den Weg ins steinige und gleichzeitig grüne Troodos-Gebirge. Mosphylis kann das nicht nachvollziehen. „Die Menschen finden hier Ruhe, eine tolle Landschaft, wir haben zwei Kellereien, und das Meer ist nicht weit weg“, sagt er. Sogar Rad fahren und wandern könne man hier. Wanderkarten oder -tafeln gebe es allerdings nicht. Doch das findet der Dorfchef nicht so tragisch. „Immerhin leben hier keine wilden Tiere.“ So hört sich zyprische Gelassenheit an.

Eines der größten Weindörfer

Bis zu den 1960er Jahren war Vasa Kilaniou eines der größten Weindörfer der Insel, mehr als 150 Kinder lernten in der dorfeigenen und heute zum Museum umgebauten Schule fürs Leben. Gerade einmal vier junge Familien wohnen heute noch hier, zahnlose alte Männer auf Plastikstühlen vor dem Kafeníon dominieren das Bild in den holprigen Gassen.

Doch die Gemeinde tut mit Unterstützung der EU vieles, um Gäste anzulocken, und ist auch ein Paradebeispiel für das, was auf der drittgrößten Mittelmeer-Insel überall passiert: Es wird gebaut, investiert und renoviert. Schön soll es nach der Finanzkrise wieder sein auf dem Eiland, und zwar so, dass die ausländischen Touristen wiederkommen und Zypern wahrnehmen als urlaubstaugliche Insel mit pulsierenden Städten wie Paphos, Larnaca oder Limassol. Umgeben von türkisblauem Wasser.

Denn das gibt es hier. Es kann etwa beim Stopp bestaunt werden, an dem berühmten Felsen, an dem die Schönheits- und Liebesgöttin Aphrodite der Sage nach einst dem Meer entstieg.

Immerhin leben hier keine wilden Tiere.

Michalis Mosphylis
Ortsvorsteher von Vasa Kilaniou

Auch während einer Bootsfahrt mit Lee ans Cape Greko, den östlichsten Punkt Europas, meint man den Meeresboden durchs klare Wasser förmlich mit Händen greifen zu können. Der Brite lebt seit fünf Jahren hier und hat sich während seiner Urlaube in die Insel verliebt. „Hier hat man einfach alles: tolles Wasser, saubere Strände und man findet hier die perfekte Mischung aus arabischer, spanischer, türkischer und griechischer Kultur“, sagt er.

Die Insel mit ihren 800 000 Einwohner birgt tatsächlich viele Ausgrabungsstätten, die ein Zeugnis über die Herrschaft der einst hier lebenden Römer ablegen. Das berühmte Haus des Dionysos etwa mit seinen reich geschmückten Bodenmosaiken, die von heldenhaften Gladiatorenkämpfen und mythischen Sagen erzählen. Oder das Amphitheater am Haus des Kourion, in dem die Fremdenführer die damalige Zeit in schillernden Farben beschreiben.

Zweigeteilte Insel

Die griechischen Zyprer sind stolz auf ihre Insel, auch wenn oft Frust durchklingt, dass die Insel seit 1974 durch eine Grenze zweigeteilt ist und der Nordosten bis heute von den Türken „besetzt“ ist. Doch genau dies macht auch den Reiz aus: Während man im Südwesten fast meint, in Griechenland zu sein, dominiert im Nordosten eindeutig der arabische Lebensstil. Nicht für jeden öffnet sich Zypern auf den ersten Blick. Durch den derzeitig herrschenden Umbruch ist vieles im Aufbau. Wen die Emsigkeit nicht stört und wer Lust auf einen Mix aus Alt und Neu hat, sollte die Insel einmal besuchen.

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© Gmünder Tagespost 08.09.2017 18:17
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