Letzte Ruhestätte vieler Promis

Österreich Der Wiener Zentralfriedhof ist einer der größten Bestattungsplätze Europas. Im Zentrum der Stadt finden sich viele weitere eindrückliche Spuren der Vergänglichkeit.
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  • In der Gruft der Michaelerkirche lassen mumifizierte Leichen die Besucher erschauern. Foto: Christian Fürthner/wien.gv.at/PID/dpa-mag

Als Erstes sieht man Gräber. Wer nach Wien reist und vom Flughafen in das Zentrum fährt, passiert einen der größten Friedhöfe Europas. Drei Millionen Tote liegen auf dem Wiener Zentralfriedhof im südöstlichen Stadtteil Simmering. Etwa 1000 Promi-Gräber mit Musikern, Schriftstellern oder Politiker zählt die Ruhestätte.

Am Grab von Falco machen Fans an einem kalten Montagvormittag Fotos. „Muss ich denn sterben, um zu leben?“, sang der Künstler, und man möchte ihm antworten: Ja, in Wien vielleicht schon.

Die Bewohner der österreichischen Hauptstadt haben ein spezielles Verhältnis zum Tod. Eine Beerdigung war früher ein Großereignis – pompös musste es werden, am besten sollte die ganze Stadt zusehen.

Seit 1967 gibt es ein Bestattungsmuseum, es liegt heute auf dem Zentralfriedhof. In einer früheren Aufbahrungshalle sind Särge, Urnen oder Totengewänder zu sehen. Besucher können die beliebtesten Beerdigungslieder der Wiener anhören. Auf Platz eins: Time to Say Goodbye, auf Platz zwei: Ave Maria von Bach, und auf Platz drei: Ave Maria von Schubert.

Auch das Zentrum Wiens ist ein einziger Friedhof. Die Innenstadt ist von Grüften und Katakomben durchzogen. Die Michaelergruft etwa liegt unterhalb der Michaelerkirche gegenüber der Hofburg, dem Sitz des Bundespräsidenten. In dem engen, dunklen Kellergewölbe ist es kalt, manche der Särge sind geöffnet. Der Besucher schaut auf mumifizierte Leichen, deren Perücken teils noch zu sehen sind.

Muss ich denn sterben, um zu leben?

Falco (Johann Hölzel)
österreichischer Musiker

In der berühmten Kapuzinergruft liegen die Gebeine der Habsburger, die vom 12. Jahrhundert bis zum Ende der Monarchie 1918 regierten. 149 von ihnen finden sich in aufwendig verzierten Särgen. Auch Österreichs berühmteste Kaiserin Sisi liegt hier.

Drastische Bilder finden sich im Kriminalmuseum, das abseits der Touristenströme in einem unscheinbaren Wohnhaus in der ruhigen Leopoldstadt untergebracht ist. Hier stellt die Stadt Folterwerkzeuge und Tatwaffen aus und illustriert die schauerlichsten Morde.

Auch in den berühmten Kaffeehäusern, von denen man nie genau weiß, ob man sie schwermütig oder dekadent finden soll, sitzt der Tod mit am Tisch. Schwarzgekleidete Kellner wirken in ihrer Ernsthaftigkeit nicht selten wie Sargträger. Die Gäste bestellen vor elf Uhr morgens Torte. Wer sich so ungezwungen mit dem Tod befasst wie die Wiener, genießt vielleicht auch das Leben mehr.

Der Prater, Wiens großer Vergnügungspark, hat das ganze Jahr offen. Aber auch hier ist es eher bedrückend. An einem kühlen Herbsttag ist das Areal fast leer. Die kahlen Bäume rund um die vielen Fahrgeschäfte, von denen die Hälfte Geisterbahnen sind, verleihen ihnen etwas Tristes. Und aus den Lautsprechern scheppert es schlicht und morbide: „Rechts a Gspenst, links a Gspenst!“. dpa

© Gmünder Tagespost 24.11.2017 18:03
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