Bargeldverbot - Die Pläne zur Bargeldbeschränkung

Bargeld wird von vielen Menschen gern genutzt, um größere Anschaffungen zu finanzieren. Bald soll damit aber Schluss sein, denn nach dem Willen zahlreicher Politiker und Ökonomen sollen Bargeldzahlungen weitgehend eingeschränkt werden. Schon bald soll es nur noch bis zu einer Summe von 5.000 Euro möglich sein, bar zu zahlen. Höhere Rechnungen können dann nur noch per Überweisung abgewickelt oder aber im Lastschriftverfahren vollzogen werden. Transaktionen könnten dann deutlich besser nachverfolgt werden, was insbesondere den Kampf gegen Geldwäsche und die Terrorismusfinanzierung unterstützen soll.

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    Foto: pixabay.com@jarmoluk
Bereits seit einigen Jahren wird seitens von Politikern und Ökonomen diskutiert, das Bargeld abzuschaffen. Die Finanz- und Wirtschaftsminister haben hierüber bereits in großer Runde diskutiert, auch um eine einheitliche internationale Lösung zu finden. Bislang jedoch konnte noch keine Einigung erzielt werden. Zwar spricht sich die Bundesregierung nicht für eine generelle Abschaffung von Scheinen und Münzen aus, will aber ebenso wie viele Länder innerhalb Europas eine Obergrenze für Bargeldzahlungen. Wie auf Kredit-aufnehmen.de zu lesen ist, hat Italien bereits 2011 eine solche Obergrenze eingeführt. Seither können Barzahlungen nur noch bis zu einer Höhe von 999,99 Euro abgewickelt werden, alle übrigen Zahlungen müssen per Überweisung und der IBAN Nummer ausgeführt werden. Auch in Frankreich und Norwegen gibt es bereits Pläne, die Bargeldversorgung einzuschränken oder sogar gänzlich abzuschaffen.

Die Gefahr von Geldwäsche ist groß

Hintergrund der Diskussion zur Abschaffung von Bargeld ist vor allem die Terrorfinanzierung sowie die Geldwäsche krimineller Banden, die durch Bargeld natürlich erleichtert wird. Dieses Vermögen, welches in dubiosen Geschäften wie etwa dem Drogen- oder Menschenhandel verdient wird, kann aktuell noch problemlos in den Wirtschaftskreislauf eingebracht werden. Besonders betroffen ist die Bau- und Immobilienbranche, aber auch der Schmuckhandel, der Boots- und Yachthandel sowie das Hotelgewerbe ist stark von Schwarzgeld betroffen. Wurde mit diesem Geld erst einmal ein Wirtschaftsgut erworben, kann dieses dann anschließend ohne Probleme weiter veräußert werden. Experten schätzen aktuell das Geldwäschevolumen in Deutschland auf 100 Milliarden Euro pro Jahr, was bis zu 28.000 Verdachtsfällen entspricht. Würde das Bargeld abgeschafft, könnten diese Banden ihr Geld nicht mehr waschen und wären in der Ausübung ihrer Geschäfte behindert.

Größere Zahlungen nur noch per Überweisung

Würde eine Obergrenze für Bargeldzahlungen eingeführt, könnten größere Zahlungen nur noch per Überweisung ausgeführt werden. Da hierbei sowohl Bankleitzahl und Kontonummer des Auftraggebers wie auch des Empfängers angegeben werden müssten, könnten die Zahlungen problemlos nachverfolgt werden. Bei einem Verdacht auf kriminelle Handlungen wäre es den Behörden möglich, sofort zu reagieren und die Zahlungen zu stoppen. Natürlich müssten auch Verbraucher damit rechnen, dass alle Überweisungen mit IBAN und BLZ überprüft werden können, was insbesondere Schwarzarbeit eingrenzen soll. Dies jedoch kritisieren Verbraucherschützer, denn sie befürchten die Einschränkung von Persönlichkeitsrechten. Schließlich hat niemand mehr die Wahl zwischen Bargeld und Banküberweisung, denn es wird vorgeschrieben, wie eine Zahlung abgewickelt werden muss.

Vorteile auch für die EZB

Neben der Verhinderung der Terrorfinanzierung wäre die Abschaffung von Bargeld in der aktuellen Situation auch für die Europäische Zentralbank interessant. Sie versucht aktuell, durch die Reduzierung der Zinsen und der Einführung von Strafzinsen für Banken höhere Kreditvergaben zu erreichen. Sollten diese Maßnahmen nicht greifen, könnte die EZB sogar Negativzinsen einführen. Diese würden ihre Wirkung aber nur dann voll entfalten, wenn auch Sparer erreicht werden könnten. Würden diese ihr Geld von den Konten abheben und „unter dem Kopfkissen“ aufbewahren, wären sie vor Negativzinsen geschützt. Müssten die Gelder aber auf den Konten verbleiben, weil Bargeld nicht mehr in diesen Summen zur Verfügung steht, träfen Negativzinsen nahezu alle Menschen in Deutschland. Sie würden ihr Geld dann womöglich eher ausgeben, als weiter Gebühren an die Zentralbank zu überweisen. Letztlich würde die EZB auch bei den Kosten der Bargeldproduktion sparen, denn der Druck von Scheinen und die Prägung von Münzen sowie deren Aufbereitung, wenndie Banken gebrauchtes Bargeld zurücksenden, sind hoch.

Darin liegen die Vorteile der Bargeldbegrenzung

• Größere Zahlungen wären nur noch unbar möglich
• Zahlungen könnten problemlos zurück verfolgt werden
• Einschränkung der Terrorfinanzierung
• Bekämpfung von Geldwäsche wird erleichtert
• EZB kann Negativzinsen leichter durchsetzen
• Geringere Kosten für Geldproduktion und Geldaufbereitung

Opposition übt Kritik

Obwohl eine Begrenzung von Bargeld durchaus Vorteile aufweist, übt die Opposition im Bundestag laute Kritik. Die Politiker befürchten vor allem die Einschränkung der Freiheit der Bürger, die in Deutschland eigentlich ein hohes Gut darstellt. Niemand könnte sich mehr zwischen einer Banküberweisung mit BLZ und Kontonummer wehren. Ein weiterer Kritikpunkt besteht in der Tatsache, dass nicht sicher ist, ob die Einschränkung tatsächlich der Terrorabwehr dient. Vielmehr würden in einem solchen Fall wohl neue Wege gesucht, etwa über Parallelwährungen. Auch Fremdwährungen wie etwa US-Dollar könnten dann nach wie vor verwendet werden. Letztlich könnten dann, wie bereits in der Vergangenheit üblich, Gold und andere Edelmetalle sowie Edelsteine als Währung eingesetzt werden. Dies zu kontrollieren ist weitaus schwerer als bei Bargeldgebrauch, was höhere Kosten bei der Verbrechensbekämpfung nach sich zieht. Ob dies in Relation zu denEinsparungen liegt, muss abgewartet werden.

Diese Nachteile werden bei der Bargeldbegrenzung befürchtet

• Einschränkung der Freiheitsrechte der Bürger
• Neue Wege zur Finanzierung würden geschaffen
• Kontrolle und Verfolgung dieser neuen Wege
• Hohe Kosten bei der Verbrechensbekämpfung

Weiteres Vorgehen bleibt abzuwarten

Wie die Bundesregierung nun weiter vorgehen wird, hängt sicher von den Entscheidungen der übrigen Länder Europas ab, denn es wird ein einheitliches Vorgehen favorisiert. Sollte keine Einigung erzielt werden, könnte Deutschland allerdings auch einen Alleingang starten. Aktuell wird in einem ersten Schritt die Abschaffung der 500-Euro-Scheine geprüft. Sie werden sehr häufig gefälscht und sind daher bei Kriminellen sehr beliebt. Sollten die großen Scheine abgeschafft werden, würden viele Privatpersonen vermutlich auch überlegen, ob größere Summen nicht doch per Überweisung bezahlt würden, um den Aufwand zu reduzieren. Ob der Schein allerdings abgeschafft wird und welche weiteren Entwicklungen zu erwarten sind, steht noch nicht fest. Hier sollten Bankkunden sehr sensibel auf die Äußerungen der Notenbanken achten und sich entsprechend informieren.

Quelle Bild: pixabay.com@jarmoluk

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© Gmünder Tagespost 12.04.2016 09:39
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