Private Rentenversicherung: Altersvorsorge in Gefahr?

Mit der aktuellen Debatte um die Zukunft der Renten zeichnet sich bereits jetzt ein zentrales Thema beim Bundestagswahlkampf 2017 ab. Wie dringend eine Rentenreform ist, zeigt die aktuelle Prognose des WDR. Demnach dürfte jedem zweiten Bundesbürger, der ab 2030 in Rente geht, die Altersarmut drohen. Lohnt sich eine private Rentenversicherung?

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Laut jüngstem Rentenversicherungsbericht sollen die Renten bis 2029 voraussichtlich um rund zwei Prozent pro Jahr steigen. Doch das Verhältnis zwischen der Rente und den Löhnen – das Rentenniveau – liegt bei 48 Prozent und dämpft das Rentenplus. Jeder zweite Bundesbürger ist nach einem WDR-Bericht von Altersarmut bedroht. Fast jeder zweite verdient heute zu wenig, um höhere Rentenansprüche zu stellen.

Niedrige Zinsen gefährden die private Altersvorsorge

Die gesetzliche Rente wird durch Umlagen finanziert. Wer heute arbeitet, bezahlt mit seinen Beiträgen die heutigen Renten. Die private Altersvorsorge sollte seit der Rentenreform 2001 möglichst von jedem Arbeitnehmer abgeschlossen werden, um die Versorgungslücke der gesetzlichen Rente zu schließen. Mit der staatlich geförderten Riester-Rente spart man nach dem Modell Kapital für die Rente an. Doch die Befürchtungen, dass der niedrige Leitzins keine Renditen mehr erwarten lässt und somit die private Altersvorsorge gefährdet, wachsen zunehmend. Sowohl die gesetzliche als auch die Riester-Rente stehen in der Kritik und lassen Fragen nach Alternativen laut werden. Auch andere Altersvorsorgeprodukte wie ein Bausparvertrag oder eine nicht-geförderte Rentenversicherung sind aktuell schlecht verzinst.

Private Rentenversicherung kündigen?

Wer mit dem Gedanken spielt, seine private Rentenversicherung zu kündigen, sollte die Vor- und Nachteile sorgfältig abwägen. Denn mit der Kündigung seines Riester-Vertrages muss die gesamte staatliche Förderung zurückgezahlt werden. Die Einstiegsgebühren werden ebenfalls nicht erstattet. Der Neuabschluss ist bereits ab einem Alter von 40 Jahren nur begrenzt möglich und mit hohen Kosten verbunden. Für wen es sich dennoch lohnt, der kann seine private Rentenversicherung ganz einfach über ein solches Online-Formular rechtskräftig kündigen. Im Gegensatz zur gesetzlichen und betrieblichen Rentenversicherung ist eine Kündigung der privaten Altersvorsorge jederzeit möglich. Eine ausführliche Beratung durch Experten ist empfehlenswert.

Betriebliche Altersvorsorge als Alternative

Unabhängig davon, ob sie in großen börsennotierten Konzernen oder in kleinen und mittleren Unternehmen arbeiten, haben viel mehr Beschäftigte Anspruch auf die betriebliche Altersvorsorge, als viele von ihnen wissen. Dabei sorgen sie nicht nur fürs Alter vor, sondern sparen auch Steuern. Bei einer betrieblichen Altersvorsorge wird monatlich ein bestimmter Betrag – maximal vier Prozent des Gehalts – angelegt. Auf diese Summe fallen keine Steuern und Sozialabgaben an. Die Betriebsrente lohnt sich nicht für jeden. Mittlere Einkommen haben nur etwas davon, wenn der Arbeitgeber etwas drauflegt. Doch auch für Geringverdiener kann sich die betriebliche Altersvorsorge lohnen. "Für sie ist es oft die einzige Möglichkeit, überhaupt signifikant für das Alter vorzusorgen", sagt Saidi Sulilatu, der Experte für Vorsorge und Absicherung beim Verbraucherportal "Finanztip". Sie könnten zwar netto oft kaum etwas sparen, legten aber brutto immerhin einen kleinen Betrag zurück. Entscheidend sei, wie viel der Arbeitgeber zu der Versicherung dazuzahlt.

 

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© Gmünder Tagespost 25.04.2016 11:30
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