Breitbandausbau schreitet voran – der Mittelstand hinkt hinterher

Vor gut zwei Jahren wurde am 20. August 2014 die "Digitale Agenda" der Bundesregierung beschlossen. Seither wurden zahlreiche Maßnahmen zur Digitalisierung unserer Gesellschaft vorangetrieben. Ein Projekt ist der Breitbandausbau für schnelles Internet, für den es jetzt mehr Geld geben soll. Allerdings zeigen aktuelle Zahlen aus dem deutschen Mittelstand, dass es hier noch Nachholbedarf gibt und immer noch viele Unternehmen mit weniger als 50 Mbit/s ins Internet "kriechen". Ein Überblick über aktuelle Entwicklungen.

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    Foto: c. Flickr All Systems GO! by Andrew Hart
Um die Ziele der Digitalen Agenda zum Ausbau des Breitbandnetzes zu erreichen, stellt der Bund fortan 1,3 Milliarden Euro zusätzlich – vor allem, um die unterversorgten ländlichen Regionen stärker als bisher zu fördern. Damit stehen jetzt insgesamt 4 Milliarden Euro bereit. Auch das Land will den Breitbandausbau mit 6,1 Millionen Euro fördern, wovon unter anderem auch Waldhausen profitieren soll. Damit nicht genug: Wie das IT-Magazin Heise.de berichtet, sieht Lars Klingbeil, Sprecher der Arbeitsgruppe Digitale Agenda in der SPD Bundestagsfraktion, einen zusätzlichen Bedarf von 10 Milliarden Euro. Denn das bisher formulierte und wohl bis 2018 erreichte Ziel einer Grundversorgung von 50 Mbit/s, "könne nur ein Zwischenschritt sein". Der Blick auf noch schnelleres Internet ist wohl in Zusammenhang mit steigenden Ansprüchen an einen DSL-Anschluss zu verstehen: Schon jetzt gibt es im Zuge des Breitbandausbaus beim Internet-Provider 1&1 je nach regionaler Verfügbarkeit Tarife mit bis zu 100 Mbit/s, die für anspruchsvolle Privataufgaben wie Internet-Fernsehen sowie für den Bedarf in der Wissenschaft, in Behörden und der Wirtschaft ausgerichtet sind.

Doch gerade in der Wirtschaft offenbarte sich zuletzt noch ein erheblicher Nachholbedarf: Wie in diesem Zwischenresümee zur Digitalen Agenda auf der Website der Süddeutschen Zeitung zu lesen ist, sind erst sieben Prozent der mittelständischen Firmen mit 20 bis 500 Mitarbeitern mit einer Internetgeschwindigkeit von 50 Mbit/s oder schneller unterwegs. Ernüchternde Zahlen in Anbetracht der Tatsache, dass 67 Prozent der Unternehmen an Gewerbestandorten mit 50 Mbit/s surfen könnten, selbst "wenn sie keine speziellen Business-Angebote wie Standleitungen oder Richtfunk nutzen wollten". So fällt das Resümee von Thorsten Dirks, Präsident des Digitalverbands Bitkom, entsprechend drastisch aus: "Der deutsche Mittelstand bewegt sich auf der Kriechspur ins digitale Zeitalter". Auch in den deutschen Behörden ist die Digitalisierung im europäischen Vergleich noch nicht sonderlich stark ausgeprägt: Laut Dirks bewegt sich Deutschland bei der Digitalisierung der Verwaltung im letzten Drittel. Hoffnung machen die anderen Programmpunkte der Digitalen Agenda: Schon 66 der insgesamt 121 Punkte sind erfüllt, 46 weitere in Arbeit. Laut Bitkom ist "nur bei 9 Projekten noch nichts passiert".

 

Bildrechte: Flickr All Systems GO! Andrew Hart CC BY-SA 2.0 Bestimmte Rechte vorbehalten

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© Gmünder Tagespost 27.07.2016 13:43
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