Verpflichtung zur Abgabe einer Steuererklärung – und wann sie freiwillig ist

Viele Arbeitnehmer empfinden die Steuererklärung für eine lästige Aufgabe, dennoch ist nicht jeder zur Abgabe einer Einkommensteuererklärung verpflichtet. Das Einkommensteuergesetz (EStG) unterscheidet hier zwischen einer Pflichtveranlagung, bei welcher man zur Abgabe einer Steuererklärung verpflichtet ist, und der Antragsveranlagung, bei welcher eine Einkommensteuererklärung freiwillig abgegeben werden kann.

Pflichtabgabe für Arbeitnehmer

Das Finanzamt erwartet immer dann die Abgabe einer Steuererklärung, wenn Einkünfte aus selbständiger Arbeit erzielt werden oder die Steuerklasse 3 mit der Klasse 5 beziehungsweise die beiden Steuerklassen 4 miteinander kombiniert werden. Das Einkommensteuergesetz regelt in §46 die Voraussetzungen für die Steuererklärungspflicht bei nichtselbständiger Arbeit, demnach muss eine Einkommensteuererklärung abgeben, wer beispielsweise unter einen der folgenden Fälle fällt:

  • über den Arbeitslohn hinaus wurden zusätzliche Einkünfte von mehr als 410 Euro pro Jahr eingenommen. Hier zählen auch Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung sowie Renten;
  • mehrere Arbeitslöhne nebeneinander bezogen wurden;
  • einer der Ehepartner hat zumindest zeitweise die Steuerklasse V oder VI
  • das Finanzamt Freibeträge eingetragen hat, beispielsweise für Kinderbetreuungskosten oder Fahrtkosten zur Arbeit;
  • wenn Sie geschieden wurden oder der Ex-Partner verstorben ist und einer der Ehegatten im gleichen Jahr wieder heiratet;
  • falls keiner dieser Fälle zutrifft, kann dennoch freiwillig eine Steuererklärung gemacht werden, und so ggf. zu viel einbehaltene Steuern vom Finanzamt zurückfordern.

Wenn Einkünfte aus gewerblicher Tätigkeit bestehen, dazu gehören auch Land- sowie Forstwirtschaft und Vermietung, dann muss prinzipiell eine Steuererklärung abgegeben werden. Einkünfte aus Kapitalvermögen zählen bei der Einkommensteuererklärung als Pflichtabgabe, wenn diese nicht bereits durch die Abgeltungssteuer versteuert wurden. Übersteigt die Rente eine bestimme Höhe muss ebenfalls eine Steuererklärung abgegeben werden (abhängig von außergewöhnlichen Belastungen oder Sonderausgaben). In diesem Fall ist es häufig sinnvoll einen Steuerberater in Anspruch zu nehmen, Portale wie felix1.de vermitteln diese bundesweit. Alternativ stehen Lohnsteuerhilfevereine zur Verfügung, welche zum Beispiel beim BDL oder auch dem NVL zu finden sind.

Irrtum: Wer einmal eine Steuererklärung abgibt, muss diese im Folgejahr wieder abgeben

Besteht per Gesetzt keine Pflicht für die Abgabe müssen Arbeitnehmer im Folgejahr keine erneute Einkommensteuererklärung einreichen, nur weil sie das im vorangegangen Jahr getan haben. Freiwillig ist dies jedoch jeder Zeit möglich und oft sinnvoll.

Wann sich die freiwillige Steuererklärung lohnt

Eine Steuererklärung darf grundsätzlich immer abgegeben werden; aber nicht immer lohnt sich die Mühe für den Arbeitnehmer. Oft können jedoch Arbeitnehmer, welche nicht zur Abgabe verpflichtet sind, mit einer Steuerrückerstattung rechnen und zu viel bezahltes Geld vom Finanzamt zurückholen. Dabei ist es egal, ob es eine Steuererklärung eines Arbeitnehmers, Auszubildenden oder Rentners ist, eine Abgabe kann sich unter anderem in folgenden Fällen lohnen:

  • wenn Werbungskosten entstanden sind, die über die Werbekostenpauschale hinausgehen
  • wenn hohe Sonderausgaben oder außergewöhnliche Belastungen entstanden sind
  • wenn die Höhe des Arbeitslohns während des Jahres variiert
  • die Steuerklasse hat sich im Laufe des Jahres geändert
  • der Arbeitnehmer stand nicht im vollen Kalenderjahr in einem Dienstverhältnis
  • es werden Steuerermäßigungen geltend gemacht für haushaltsnahe Beschäftigungs- oder Dienstleistungsverhältnisse
  • wenn der Arbeitnehmer wenig verdient oder eine zweite Berufsausbildung macht

In diesen Fällen kann es sich lohnen, freiwillig eine Steuererklärung beim Finanzamt einzureichen. Möchte das Finanzamt dennoch wider Erwarten eine Steuernachzahlung, kann die Steuererklärung vom Antragsteller zurückgenommen werden; diese gilt in diesem Fall als nicht abgegeben. Meist kann dabei die Bearbeitung der Steuererklärung mit Online Tools helfen, welche während der Bearbeitung hilfreiche Tipps geben, die Eingaben validieren und eine vorläufige Berechnung der Steuererklärung erstellen. ELSTER oder auch WISO gehören zu den populären Programmen, jedoch gibt es auch einige Weitere.

Abgabefristen beachten

Wer zur Abgabe einer Steuererklärung verpflichtet ist, muss diese zum 31. Mai des Folgejahres abgeben (die Frist verlängert sich ab 2017 zum 31. Juli per Beschluss des Bundestages und -rates). Wenn man merkt, es innerhalb dieser Frist nicht zu schaffen, sollte rechtzeitig vorher beim Finanzamt um Aufschub gebeten werden – dabei ist eine Verlängerung der Frist bis Ende September in der Regel problemlos möglich. Der Antrag auf Fristverlängerung sollte per Post, Fax oder Einwurf in den Briefkasten erfolgen, wichtig ist hier die Bestätigung der neuen Frist durch das Finanzamt.

Wird die Einkommensteuererklärung mithilfe eines Steuerberaters oder Lohnsteuerhilfeverein erstellt, gewährt das Finanzamt ohne Antrag sogar eine Fristverlängerung bis zum 31.12. des Folgejahres – was es jedoch auch mit der Behörde abzuklären gilt. Wird die Abgabefrist der Steuererklärung nicht oder nur verspätet nachgekommen, kann das Finanzamt einen Verspätungszuschlag festsetzen; von einem Verspätungszuschlag ist jedoch abzusehen, wenn die Versäumnis dem Finanzamt entschuldbar erscheint.

Für die Abgabe einer freiwilligen Steuererklärung ist man nicht an die üblichen Abgabefristen gebunden, hier kann die Einkommensteuererklärung noch bis zu 4 Jahre nach Ablauf des betreffenden Steuerjahres rückwirkend eingereicht werden.

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© Gmünder Tagespost 29.11.2016 13:55
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