Lesermeinung

Den Erhalt der Linden sicherstellen

Zum Thema geschädigte Kastanien am Zeiselberg:

Oberbürgermeister Richard Arnold als bekennender Baumschützer hat erklärt, er habe die Kastanien gerne erhalten wollen. Die Chancen stehen aber schlecht, so dass Überlegungen geäußert wurden, dass die Baufirma als Schadensverursacher für Ersatzpflanzungen aufkommen soll.

Dabei ist doch klar: Dass die Kastanien geopfert werden, war schon entschieden, als grünes Licht für den Bürgerweg gegeben wurde, der nun tief in die Flanke des Zeiselbergs und in das Wurzelwerk der Bäume einschneidet. Ich gehe auch davon aus, dass die Stadt bei der Baufirma vor der Auftragsvergabe angefragt hat, mit welchem (Mehr-)Aufwand ein wirksamer Baumschutz (mit eingeschränktem Arbeitsraum, Handaushub im Wurzelbereich etc.) sichergestellt werden kann. Wenn diese Mehrleistung jedoch, weil zu teuer und mit der Folge einer zeitlichen Verzögerung, nicht beauftragt wird, führt die Firma diese natürlich auch nicht aus. Haftbar ist dann aber der Auftraggeber und nicht die ausführende Firma.

Dass sich die Stadt nun überrascht und von der Baufirma überrumpelt gibt, ist alles andere als glaubwürdig. Übrigens: Da Bäume langfristig nur mit intaktem Wurzelwerk überleben, sind z.B. in Stuttgart bei Baumaßnahmen folgende Baumschutzauflagen umzusetzen: Im Wurzelbereich, der ungefähr der Größe der Baumkrone entspricht, dürfen keine Aufschüttungen und Abgrabungen vorgenommen, kein Material gelagert und keine Fahrzeugbewegungen durchgeführt werden. Der Bereich ist mit einem Bauzaun zu schützen und Aushub, soweit erforderlich, in Handarbeit auszuführen.. Vielleicht könnte man ja mit solchen Maßnahmen zumindest noch den Erhalt der Linden dauerhaft sicherstellen. Im Moment jedenfalls sind auch diese nahezu ungeschützt dem Baustellenbetrieb ausgeliefert.

© Gmünder Tagespost 16.04.2018 22:25
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