Die Angst im Nacken beim Hundespaziergang

Zum Artikel „Suri und Molli wühlen die Gemüter auf“:

„In meinen offiziellen Bericht an die Behörden zum Ablauf über den Hundeangriff auf meine Hündin habe ich auf eine wortgewaltige Bildersprache verzichtet. Das werde ich jetzt hier ein bisschen korrigieren. Denn diese Bilder haben sich mir unauslöschlich eingeprägt.

Ende Dezember ist mir auf dem Heimweg mit meiner Lizzy im ‘Kirnbach’ ein Hundeführer mit drei angeleinten Hunden entgegengekommen. Seine Hunde waren kaum zu bändigen und der Mann ist uns ausgewichen. Ich habe mich umgedreht, als der andere Hundeführer dann lautstark versucht hat, seine Tiere unter Kontrolle zu bringen und habe meine Hündin sofort abgeleint, um ihr eine Fluchtmöglichkeit zu verschaffen. Und dann traten die Wolfshunde in Aktion. Sie haben einen gestandenen Mann mehrere Meter hinter sich hergezerrt und ihm die Führleinen aus den Händen gerissen. Er war nicht in der Lage, sie zu halten. Sie haben sich von beiden Seiten auf meine Lizzy gestürzt, sie auf den Boden gedrückt und zugebissen. Sie hat so schrecklich gejault. Ich habe auf die anderen Hunde eingeschrien und mit der Leine auf sie eingeschlagen. Das hat meiner Hündin wohl die paar Sekunden verschafft, die sie brauchte, um loszurennen. Lizzy wurde von den beiden Wolfshunden verfolgt und in Richtung Dorf gehetzt. Sie ist nach Hause gelaufen und hat vor der Haustür auf mich gewartet. Der ganze Eingangsbereich war voller Blut und wir haben sie sofort zum Tierarzt gebracht. Sie hatte sechs schwere Bissverletzungen und an drei Pfoten waren die Krallen gebrochen und abgeschliffen.

Wir mussten die Sache selbst in die Hand nehmen; die Halter wussten angeblich von nichts und waren erstaunt, dass ihre Hunde zu so etwas fähig sein sollten. Sie haben es bis heute nicht für nötig befunden, sich persönlich bei mir zu entschuldigen.

Die Geräusche, die diese Tiere während des Angriffs von sich gegeben haben – so etwas habe ich vorher noch nie gehört – ein wildes, archaisches Grummeln. Stellen Sie sich vor, Sie befinden sich mitten in einer Wolfsjagd und stehen direkt neben dem Hirsch, der soeben von einem Wolfsrudel zu Boden gerissen wurde. Es war ein absoluter Albtraum und ich bin nicht bereit, irgendjemandem ein Mitspracherecht einzuräumen, der eine solche Situation nicht selbst erlebt hat.

‘Maria Frey’ schildert ihre Ängste, so als ob sie Opfer einer ungerechtfertigten Hetzkampagne geworden sei und sich deshalb nicht mehr traue, durch den Ort zu laufen. Uns anderen Hundehaltern und Bürgern geht es genauso. Wir äußern hier keine unbegründeten Ängste, sondern es handelt sich um dokumentierte, tatsächliche Geschehnisse, bei denen geliebte Haustiere zu Schaden und ums Leben gekommen sind. Was nutzt denn ein Hightech-Tor, wenn es, aus was für Gründen auch immer, nicht geschlossen ist? Mir sitzt die Angst im Nacken, wenn ich mit meiner Lizzy durch den Ort gehe.

Ich möchte mich an dieser Stelle ganz herzlich bei den zuständigen Behörden bedanken, deren Vertreter sehr engagiert, mitfühlend und zuvorkommend reagiert haben. Sie tun alles, was in ihrer Macht steht.“

© Gmünder Tagespost 03.05.2018 22:49
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