Lesermeinung

Ein Selbstversuch im Frauenschwimmen

Zum Thema „Frauenschwimmen“:

„Vieles ist in den vergangenen Wochen zum „Frauenschwimmen“ geschrieben, viel mehr noch gesprochen worden. Dabei waren unterschiedliche Denkweisen aneinandergeraten. Zeit für einen Selbstversuch.

Es ist „Frauenschwimmtag“. Im März. In Gmünd. Frauenbadetag. Frauenbadespaßtag. Für Mädchen und Frauen. Alle sind glücklich, Groß und Klein. Kinderwägen am Pool. Wasserbälle. Schwimmnudeln. Schwimmversuche. Einige tauchen. Kopfsprünge. Ich, mit einer griechischstämmigen Freundin, mittendrin. Ganz anders die Stimmung in der Männerdusche. Diese bleibt heute leer. Ihre Nutzer sind ausgeschlossen. „Unzüchtiges Gedankengut beim Anblick eines teilbedeckten Körpers“ bleibt so vor der Tür.

Anders als sonstwo behauptet, sind tatsächlich fast alle Besucherinnen islamischen Glaubens. Frauen. Mittlerweile sind ihre Kleider zum Gradmesser geworden, wie „weltoffen“ und „vielfältig“ unsere Bäderbetriebe geworden sind. Die vielfältig anderen – die großen, kleinen, dicken, dünnen, hässlichen, vernarbten, schönen, aber auch die andersgläubigen – Frauen kommen in diesen Zuschreibungen von Vielfalt erst gar nicht mehr vor. Gut gemeint.

Das Bad möchte „weltoffen“ sein für eine Gruppe, die sich selbst für eine andere Welt offen zeigt. (War das Gmünder Hallenbad etwa nicht „weltoffen“ zuvor?)

So tragen am „Frauenschwimmtag“ neben manchen Frauen selbst Mädchen den den ganzen Körper verhüllenden Badeanzug für Frauen, den sogenannten Burkini. Wollen sie etwa verhindern, andere Frauen, oder gar die Bademeisterin, die genau hinblicken muss, in Versuchung zu führen?

Vorschriften? Jedenfalls scheint mir nun nicht nur im „interkulturellen Frauenfrühstück“, sondern selbst im städtischen Bad die Chance verpasst, sich ungehemmt zu begegnen. Völlig inakzeptabel empfinde ich den erzwungenen „Selbstausschluss“ der Mädchen, wohlgemerkt auch hier unter Frauen.

Als Frau und Mutter fühle ich mich an diesem „Frauenschwimmtag“ nicht zugehörig, und dies ist die Tragik: wie hartnäckig manche einen solchen „Frauenschwimmtag“ als „Tag der Weltoffenheit“, und „Tag der Vielfalt“, ja sogar als Tag des „So geht wir!“ darstellen wollen. Der Selbstversuch am 26. März war wichtig. Die Erinnerung daran beklemmt. Aus Solidarität.“

© Gmünder Tagespost 13.04.2018 19:09
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