Gmünder Chancen

Zur aktuellen Entwicklung in Schwäbisch Gmünd:
Weitsichtigkeit war vor vielen Jahrhunderten wohl sehr erfolgreich die Sache der Gmünder Bürger und Bürgerinnen. Das Possenspiel um Investor Gerald Feig und seiner Flexfonds zeigt eine (aus Sicht vieler Gmünder bestätigte) kommunalpolitische Entwicklung auf, die ganz krass dieser Weitsicht Gmünds im Mittelalter entgegensteht. Der Ausschluss Feigs Vorschlag zur Ausgestaltung der Landesgartenschau 2014 wegen Formfehler (nachdem sich die Gmünder Stadtverwaltung und alle Stadträte schon seit längerer Zeit offen mit diesem Konzept einig gezeigt hatten) hat auf schwäbisch ein „Gschmäckle“. Vielmehr drängt sich der Verdacht auf, dass hausgemachte (egoistische) Interessen Gmünder Geschäftsleute mit dem offenen Konzept des Investors Flexfonds kollidierten. (...) Namhafte Bekleidungsdiscounter et cetera konnten in Schwäbisch Gmünd bis heute keine passende Immobilie finden, beziehungsweise bekamen wohl auch wenig Gehör. Die Verringerung des Warenangebots für Gmünder Bürger geht ja aktuell schon weiter: Insolvenz Kaufhaus Woha - schon lange ist ja auch das Absterben des Horten-Areals nicht mehr im Bewusstsein der Öffentlichkeit; findet denn irgend jemand noch den Marktplatz mit seinen Optikern, Bäckern und Eisdielen attraktiv? Viele weitere Beispiele wären hier anzuführen. Die Landesgartenschau 2014 mit dem aufgezeigten Konzept von Gerald Feig hätte auch einen wichtigen Beitrag zum Aufholen Schwäbisch Gmünds in seiner Bedeutung zu den Nachbarstädten Göppingen, Aalen, Schorndorf, Heidenheim bedeuten können. Bei solch wichtigen Weichenstellungen, auch für die Entwicklung von Städten in Bezug auf Perspektiven für kommende Generationen, ist doch die Frage erlaubt, ob hier nicht der Bürger ein Recht auf Mitsprache beziehungsweise Mitbestimmung haben muss? In vielen ähnlichen Entscheidungen hatten Gmünder und Gmünderinnen jeweils aus der Presse von Weichenstellungen erfahren, ohne jedoch die Chance zur Mitbestimmung zu bekommen. Die Finanzierung der Immobilien zur Landesgartenschau ist durch die Stadtverwaltung finanziell nicht zu schultern, so dass die Fondslösung aus meiner Sicht nur die einzig realistische Variante darstellt. Jedoch wird kein Investor ein Konzept verwirklichen, das durch eine am Markt vorbeigehende Vorgabe durch die Kommune reglementiert wird. Wer kontrolliert eigentlich hier die Vorgaben der Stadtverwaltung? Es bleibt zu hoffen, dass die Verfahrensfehler nicht bei der Stadt liegen, das käme einer kommunalpolitischen Katastrophe gleich.
Rolf Abele, Waldstetten
© Gmünder Tagespost 11.09.2008 03:14
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