Lesermeinungen

Überzogene Forderungen

Zum Thema Datenschutz-Grundverordnung der Europäischen Union:

„’Wir müssen die Bürokratie in unseren ehrenamtlich tätigen Vereinen deutlich reduzieren und das Ehrenamt stärken!’ Diesen Satz höre ich gerade eben wieder in meinen Ohren, da er auf der diesjährigen Jahreshauptversammlung des Blasmusikverbandes Ostalbkreis e.V. (BMVOK) Ende Februar von einem Vertreter der Politik ganz offen und voller Überzeugung kundgetan wurde.

Ich bin mir sicher, wenn dieser Satz heute noch einmal fallen würde, mindestens lautstarke Puh-Rufe die Folge wären. Ich verstehe überhaupt nicht, wie man eine derartige umfangreiche und mit Umsetzungskomplexität gespickte Datenschutz-Richtlinie auf ehrenamtlich tätige Vereine loslassen kann. Um in unserem Vereinssegment aufgrund ständig steigender Kosten und Verwaltungskomplexität überhaupt überlebensfähig zu bleiben, haben wir erst vor kurzem die Mitgliedsbeiträge deutlich und erfolgreich erhöht.

Wenn wir nun auch noch einen Datenschutzbeauftragten anstellen dürfen, dann steht die nächste Beitragserhöhung und mit großer Wahrscheinlichkeit weitere Kündigungen von Mitgliedern bevor. Die Rolle eines Datenschutzbeauftragten und die damit einhergehenden Aufgaben wird zumindest bei uns in der Igginger ‘Cäcilia’ ehrenamtlich niemand übernehmen. Eine wesentlich sinnvollere Richtline seitens der EU-DSGVO-Herausgeber wäre gewesen, wenn endlich eine adäquate finanzielle und dem sportlichen Verbandsumfeld angepasste Förderung ‘verordnet’ worden wäre. Eine derartige in der Umsetzung komplexe und mit vielen offenen Punkten und Fragen behaftete EU-DSGVO braucht im ehrenamtlich tätigen Vereinsumfeld wirklich gar niemand.

Wir haben in 2018 bereits 150 Jahre erfolgreich und sehr gut ohne diesen Komplex überlebt. Gerne darf es auch für ehrenamtlich tätige Vereine Auflagen geben, um das Thema Datenschutz zu gewährleisten. Aber dann bitte mit entsprechend realistischen Mindestanforderungen und vor allem machbaren Umsetzungsvorgaben und -vorlagen.

Ich appelliere an diese Stelle an unsere Landes- und Bundespolitiker aus dem Wahlkreis Aalen und Schwäbisch Gmünd, alles in ihrem Einflussbereich stehende zu tun, dass die EU-DSGVO Mindestanforderungen für ehrenamtlich tätige Vereine deutlich für die Umsetzung reduziert und die Vereine dabei tatkräftig (auch finanziell) unterstützt werden.

Bitte passen Sie alle auf und helfen Sie mit, dass die gerade in der heutigen Zeit so wichtigen Vereine nicht durch derartig überzogene und sehr theoretische Verordnungen und Gesetze ‘dem Erdboden gleich gemacht werden’!“

© Gmünder Tagespost 11.04.2018 17:27
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