Lesermeinung

Zu: Aufbau vernachlässigt, von Günter Marx vom 18. Januar:

Der Verfasser des oben genannten Artikels verbindet seinen Hinweis auf die Entscheidung von US-Präsident Trump, mehr als die Hälfte der für das UN-Hilfswerk für palästinensische Flüchtlinge bestimmten finanziellen Mittel zurückzuhalten, mit seiner Einschätzung, dass die Palästinenser den Aufbau vernachlässigt hätten.

Berücksichtigt man allerdings die Verhältnisse, die die israelischen Regierungen als Folge ihrer völkerrechtswidrigen Expansionspolitik im Westjordanland erzeugt haben, lässt sich aus meiner Sicht diese Einschätzung kaum halten. Denn über zwei Drittel der Westbank stehen sowohl unter ziviler als auch militärischer Kontrolle Israels.

Die zahlreichen dort errichteten jüdischen Siedlungen mit rund 400 000 Einwohnern gelten nach israelischem Recht als legal, während dort erbaute palästinensische Häuser als illegal eingestuft wurden und vom Abriss bedroht sind. Tausende von Abrissdekreten liegen bereits vor. Überlandverkehrswege sind ausschließlich jüdischen Siedlern vorbehalten. Durch zahlreiche Sperreinrichtungen und über 30 israelische Militärbasen rund um die palästinensischen Siedlungen ist die Bewegungsfreiheit der Bewohner stark eingeschränkt.

Nach einem Bericht der Weltbank kostet die israelische Besatzung des Westjordanlandes (Westbank) die palästinensische Wirtschaft jährlich über drei Milliarden US-Dollar. Im Übrigen haben Vereinte Nationen, Weltbank und Internationaler Währungsfonds IWF die palästinensischen Behörden für befähigt gehalten, das inzwischen heillos fragmentarisierte Westjordanland zu regieren.

© Gmünder Tagespost 29.01.2018 09:53
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