Lesermeinung

Zu den Erweiterungsplänen des Kobeleshofes:

Der Kobeleshof agiert als Speerspitze, aber auch andere wollen in die agrarindustrielle Liga aufsteigen. Es jubeln höchstens hartgesottene Freier-Markt-Ideologen, wenn ein „unternehmerischer“ Landwirt richtig durchstartet. Wenn sich diese industrielle Landwirtschaft durchsetzt, werden Bienen, Insekten und Vögel wie auch Touristen das Feld räumen. Intensiv begüllte Wiesen sind weder für Erholung suchende Menschen noch für Lebensraum suchende Wildtiere geeignet.

Und wie übersteht eine Agrarfabrik die nächste Milchpreiskrise, die sie ja selber kräftig anheizt? Familienbetriebe können eine Zeit lang den Gürtel enger schnallen. Die Agrarfabrik muss Löhne zahlen und gerät deshalb schneller in Schieflage.

Wer auch immer die Megaställe finanziert, übernimmt trotzdem nur ein geringes Risiko. Es stehen ja genug Sicherheiten bereit. Und nach einer Insolvenz kommt der Investor meist günstig an Flächen und Gebäude, kann einen Verwalter einsetzen und weiter produzieren. Zieht da eine neue Feudalherrschaft herauf?

Eine volkswirtschaftlich unsinnige und betriebswirtschaftlich hoch riskante Milchagrarfabrik ist vielleicht für Kapitalanleger lukrativ. Sie passt aber nicht in den Virngrund, sie könnte weit weg im Osten, wo noch viel Land unbesiedelt ist, einigermaßen verträglich betrieben werden. Dorthin sollten sich die aufmachen, die Megaställe zur Selbstverwirklichung brauchen. Putin wird sich freuen.

© Gmünder Tagespost 08.05.2018 19:07
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Kommentare

derleguan

Jeder Deutsche isst durchschnittlich 60kg Fleisch im Jahr. Ca. 790 Millionen Tiere müssen dafür jährlich geschlachtet werden, also fast zehnmal so viele, wie dieses Land Einwohner hat. Doch das reicht offenbar nicht.
Unter welchen sozialen und ökologischen Bedingungen die Hähnchenteile oder andere Fleischbrocken produziert werden, danach kräht kein Hahn. Doch das Billigfleisch hat seinen Preis. Vom Leid der Tiere bis über die Probleme mit der Gülleentsorgung und dem Nitratgehalt, der das Trinkwasser verschmutzt bis hin zur Futterversorgung mit Glyphosat behandeltem Energiefutter. Bei uns bewirkt dieses in Fett getränkte Fleisch mit Pommes übergewichtige, fettleibige Kinder und Jugendliche, die sehr früh an Krankheiten, Fettleibigkeit, Gelenkschmerzen, Schlaganfall.... leiden, die man bisher höchstens von älteren Menschen kannte.
Wir müssen unsere Landwirtschaft schnellstmöglich mehr auf ökologisch, biologisch produzierte Produkte umstellen, und auch der Fleischkonsum müsste sich dringend nach ökologisch und sozial verträglicheren Methoden richten. Weniger Fleisch „produzieren“ und essen, sorgsamer damit umgehen und auf keinen Fall Fleisch importieren oder exportieren!