Lesermeinungen

Zu den Vorgängen in der LEA:

„Die Vorkommnisse in der LEA Ellwangen geben sicher Anlass zu Forderungen nach schnellerer Abschiebung und weiterer Verschärfung der Asylgesetzgebung. Ist das der richtige Weg? Außer Frage steht: Die Rechtsstaatlichkeit muss gewahrt bleiben. Aber warum geschieht so etwas? Ist es richtig, dass ein Teil der Weltbevölkerung dem (zahlenmäßig weit größeren) Rest unserer Mitmenschen, die durch Armut, Klimawandel, Kriege, Verfolgung und Diskriminierung um ihr Leben bangen, den Zugang hierher verwehren, damit sie erst gar nicht um Hilfe bitten können. Dies geschieht durch Grenzsicherung, Rückübernahmeabkommen mit Staaten, die großteils korrupte und kriminelle Regierungen haben. Es werden Flüchtlingsdeals geschlossen, Seewege kontrolliert und Boote zurückgeschickt, die oft seeuntauglich untergehen. Haushohe Stacheldrahtzäune werden erstellt. Dabei wird der Tod von abertausenden Männern, Frauen und Kinder billigend in Kauf genommen – durch uns, Deutsche und Europäer. Für die, die es nach Europa geschafft haben, beginnt der Kampf ums Bleiberecht, der oft schon verloren ist, wenn man aus dem falschen Land kommt, welches per Staatsdekret vermeintlich ‘sicher’ ist.

Diese Menschen verbleiben in Aufnahmeeinrichtungen, wie hier, sie werden im Rahmen der Dublinverordnung wie Stückvieh in Europa umverteilt, oder ins Herkunftsland zurückverfrachtet. Diese Menschen reagieren in ihrer Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit, wie es in Ellwangen geschah. Beenden wir unsere barbarische Ignoranz, machen wir uns nicht weiter selbst etwas vor, indem wir mit dem Abschotten unserer Grenzen wetteifern und dann verkünden, das Flüchtlingsproblem gelöst zu haben. Stellen wir uns dieser größten Herausforderung unserer Zeit – aus Menschlichkeit. Sonst könnten solche Vorgänge Vorboten von weit größeren Problemen werden.“

© Gmünder Tagespost 07.05.2018 15:22
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