Lesermeinung

Zu: Ein Fest mit Schatten – von Elisabeth Zoll am 19. April:

Wenn man nach den Ursachen für die Feindschaft zwischen Israel und den Palästinensern fragt, und man muss danach fragen, seit die Bundeskanzlerin die Gewährleistung der Sicherheit Israels zur Staatsräson aller deutschen Regierungen erklärt hat, so kommt man kaum um eine kritische Analyse der Unabhängigkeitserklärung David Ben Gurions vom 14. Mai 1948 herum.

In der mir vorliegenden gekürzten Fassung (Informationen zur politischen Bildung, Heft 247, S. 8) bezieht sich der Staatsgründer und spätere erste Ministerpräsident Israels zwar auf den UN-Beschluss vom 29. November 1947, lässt aber außen vor, dass in dieser Resolution zugleich die Errichtung eines arabisch-palästinensischen Staates auf dem Gebiet der Westbank/Westjordanland, nämlich des östlichen Teils des britischen Mandatsgebiets Palästina, sowie die Internationalisierung Jerusalems beschlossen wurde. Auffälligerweise verwendet Ben Gurion den historisch einzig korrekten Begriff nicht. Stattdessen spricht er mit Bedacht von Eretz Israel. In der Geschichte des Judentums ist Eretz Israel von herausragenden Bedeutung. Laut Tora handelt es sich dabei um das Gelobte Land, das Gott seinem auserwählten Volk zur Eroberung und Besiedlung übergeben hat (u. a. 2. Mose 23, 20-33). Eine göttliche Forderung, deren Nichtbefolgung zu einer Vernichtung des Volkes Israel durch Gott führen kann (5. Mose 10, 23 ff). Teil von Eretz Israel sind die biblischen Gebiete Samaria und Judäa – im Wesentlichen das heutige Westjordanland. Die ultra-orthodoxen jüdischen Siedler, die das Palästinenserland besetzt haben, benutzen ausschließlich die alttestamentlichen Bezeichnungen Samaria und Judäa.

Ben Gurion verdeutlicht in seiner Unabhängigkeitserklärung das primäre Staatsziel Israels: Die Katastrophe, die in unserer Zeit über das jüdische Volk hereinbrach und in Europa Millionen von Juden vernichtete, bewies unwiderleglich aufs Neue, dass das Problem der jüdischen Heimatlosigkeit durch die Wiederherstellung des jüdischen Staates in Eretz Israel gelöst werden muss. Der unüberbrückbare Konflikt mit den Palästinensern ist vorprogrammiert!

© Gmünder Tagespost 07.05.2018 16:00
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