Lesermeinung

Zu: Verharren im Treibhaus, SchwäPo vom 28. März:

Die Energiewende als unverzichtbare Voraussetzung für den Klima- und Umweltschutz in Deutschland ist ein heißes Thema, zumal die neue Umweltministerin Svenja Schulze (SPD) bereits klargestellt hat, dass Fragen zum Thema immer auch mit Blick auf die sozialen Auswirkungen, zum Beispiel die Arbeitsplätze, beantwortet werden müssen.

Um sich nicht den Mund zu verbrennen, hat unsere Klimakanzlerin dem Themenkomplex in ihrer Regierungserklärung lediglich eine halbe Minute gegönnt. Zur Verdeutlichung der Dimension: Damit der globale Temperaturanstieg, der gegenwärtig 1 Grad Celsius beträgt, unter 2 Grad bleibt, müssen laut Pariser Klimaübereinkommen die globalen CO2-Emissionen bis zum Jahre 2030 auf mindestens 39 Milliarden pro Jahr reduziert werden. Aus den bislang eingereichten 19 Klimaschutzbeiträgen, die alle fünf Jahre vorzulegen sind, geht allerdings hervor, dass die CO2-Emissionen sich auf rund 57 Milliarden pro Jahr aufsummieren, und zwar im günstigsten Fall, wobei zu bedenken ist, dass die USA beim Klimaschutz nicht mitmachen. Die von der Bundesrepublik im günstigsten Szenario angenommene Reduzierung der CO2-Emissionen des Jahres 1990 auf 40 Prozent auf rund 0,75 Milliarden pro Jahr ist vor diesem Hintergrund nicht mehr als ein Nasenwässerle.

Man kann davon ausgehen, dass der Anstieg der globalen Mitteltemperatur in den kommenden Jahrzehnten die gesetzte 2 Grad-Grenze überschreiten wird. Denn das bereits emittierte Treibhausgas CO2 verbleibt bis zu 200 Jahren in der Atmosphäre, und die Rückkoppelungen zwischen den Faktoren beschleunigen den Treibhauseffekt. Zu berücksichtigen ist weiterhin, dass immer weniger CO2 von den Wäldern und Ozeanen absorbiert wird. Denn die Aufnahmekapazität der Ozeane liegt aufgrund der Erwärmung und Versauerung des Wassers nur noch bei 70 Prozent des vorindustriellen Niveaus und die Vernichtung von Wäldern zur Anlage von Viehweiden sowie Ackerflächen zum Beispiel für den Anbau von Energiepflanzen zur Herstellung von Biosprit senkt die Absorptionskapazität und bewirkt eine jahrelange Emission nicht nur von CO2, sondern auch von Methan und Distickstoffoxid (aus der Düngung), Treibhausgase, die ein Vielfaches wirksamer sind als das CO2.

© Gmünder Tagespost 10.04.2018 16:38
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derleguan

Weltweit stammt fast die Hälfte der Emissionen aus Kohlekraftwerken. Wenn das Klimaziel von Paris nicht scheitern soll, ist ein radikaler, schneller Ausstieg unvermeidlich. Alternativen stehen genügend bereit. Doch die Versuchung, abgeschriebene Braunkohlekraftwerke so lange wie möglich laufen zu lassen ist groß. Ein rascher Abbau der Subventionen für diese Kraftwerke ist von der Politik gefordert. Es ist höchste Zeit, dass sich die FDP, CDU und CSU bewegen und die Fördertöpfe für die Braunkohle dicht machen. Speziell die FDP müsste für diesen Subventionsabbau sein, so dass der freie Markt die Energieerzeugung wieder regelt.